Rems-Murr-Kreis

Bargeld abschaffen oder nicht? Was dafür spricht – und was dagegen

100 DM
Nicht ins Altpapier werfen! Deutsche Mark kann man immer noch umtauschen. © Deutsche Bundesbank

Nischen hinter Abflussrohren gelten als beliebte Verstecke. Oder Spalten zwischen Doppelwänden in Kommoden. Oder der Klassiker: Kiste, vergraben im Garten.

Wer mal sonst nichts zu tun hat, könnte sich auf die Suche nach Geheimverstecken begeben: So schlecht stehen die Chancen nicht, auf ein geheimes Bargeldversteck zu stoßen. Macht nichts, sollte das unverhofft im Häuschen der verstorbenen Großeltern aufgefundene Barvermögen aus D-Mark-Scheinen bestehen: Die Bundesbank tauscht um. Gebührenfrei. Auch Münzen.

Tatsächlich tauchen noch immer Personen an Bankschaltern auf mit D-Mark-Scheinen in den Händen, bestätigen sowohl die Kreissparkasse Waiblingen, die zwecks Umtausch an die Bundesbank verweist, als auch die Volksbank Stuttgart. Letztere nimmt sogar selbst noch D-Mark-Scheine an und wechselt sie in Euro, berichtet Sprecher Robert Hägelen. Viel kommt nicht zusammen: Weniger als 1000 D-Mark landen in etwa pro Jahr bei der gesamten Volksbank Stuttgart.

Milliardenbeträge nicht umgetauscht

Ein Vielfaches davon lagert in Rems-Murr-Haushalten, davon ist auszugehen. Schätzungen der Bundesbank zufolge liegen noch Banknoten im Wert von 5,77 Milliarden DM sowie Münzen im Volumen von 6,61 Milliarden DM wo auch immer herum. Ganz sicher welkt ein Teil davon in Rems-Murr-Schubladen, zwischen Bücherseiten und in Schatztruhen irgendwo zwischen Fellbach und Alfdorf.

Es besteht kein Grund zur Eile: Wer erst morgen oder übermorgen dazu kommt, jeden Winkel zu durchforsten, muss keinen Totalverlust fürchten. Ganz im Gegensatz zu den meisten Notenbanken in Europa tauscht die Bundesbank Deutsche Mark unbefristet um. Der Kurs bleibt sowieso, wie er schon immer war: Einen Euro erhält man für exakt 1,95583 D-Mark. Oder anders herum: Für eine Mark bekommt man gerundet 51 Cent.

Wurde wirklich alles teurer?

Dass der Euro den Spitznamen „Teuro“ erhielt, hat auch mit dem Wechselkurs zu tun: Wenn schon auf den Preisschildern nur noch halb so große Zahlen stehen, merkt’s doch keiner, wenn wir ein kleines bisschen....? Im Zuge der Euro-Umstellung sind durchaus Preise gestiegen – doch nur für bestimmte Waren-Segmente. Zwei Drittel der Händler hätten die Preise seinerzeit auf den Cent genau umgerechnet, das ergaben Erhebungen. Das Gefühl der Menschen, mit dem Euro sei „alles“ teurer geworden, trog indessen: Preise für Elektrogeräte oder Telekommunikation, nur als Beispiel, gingen zurück. Für Gemüse, Obst, Brot und Fleisch bezahlten Konsument/-innen tatsächlich einiges mehr. Diese Preissteigerungen fallen Menschen besonders auf, weil es sich um Waren des täglichen Bedarfs handelt, während andere Preise in der Wahrnehmung weniger ins Gewicht fallen.

Umrechung eins zu zwei: nicht ganz korrekt

Zusätzlich ging die nicht ganz korrekte Umrechnung eins zu zwei, die man beim Einkaufen leicht im Kopf bewältigen konnte, zu Lasten des Euro: Diese gar nicht so kleine Ungenauigkeit wird ebenfalls als Grund genannt, weshalb viele Menschen das Gefühl einer allgemeinen Teuerung hatten. Man sprach von „gefühlter Inflation“.

Kommende Woche am Montag jährt sich ein denkwürdiger Tag zum 20. Mal: Bis zum 28. Februar 2002 konnte man in Deutschland noch sowohl in D-Mark als auch in Euro bar zahlen. Das Euro-Bargeld war zum 1. Januar 2002 eingeführt worden.

Wer weiß, welche Rolle das Bargeld in Zukunft überhaupt noch spielen wird: Es ließen sich hohe Kosten vermeiden, würde man sämtliche Zahlungen nach und nach auf digitale Verfahren umstellen. Geldwäsche wäre erschwert, niemand müsste mehr Scheine unterm Bett horten – die Vorteile liegen auf der Hand.

Aufs Bargeld verzichten, das dürfte vielen schwerfallen

Andererseits lassen sich digitale Zahlungsströme komplett überwachen, während man bei Barzahlung anonym bleibt. Die Psychologie spielt ebenfalls eine große Rolle: Vielen Menschen würde es vermutlich immens schwerfallen, aufs Bargeld verzichten zu müssen. Einfach weil es sich „echter“ anfühlt, einen Geldschein in der Hand zu halten.

Man wird sehen. Die Bundesbank schreibt jedenfalls „den Bürgerinnen und Bürgern nicht vor, welches Zahlungsmittel sie verwenden sollen“, versichert Johannes Beermann auf Anfrage. Er ist im Vorstand der Bundesbank unter anderem für Bargeld zuständig und verspricht: „Wir möchten, dass die Bürger mit dem Mittel ihrer Wahl bezahlen können, und werden selbstverständlich unseren Auftrag, qualitativ hochwertige Banknoten bereitzustellen, weiter erfüllen. Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel; viele nutzen es auch zum Sparen oder als Notgroschen.“ Beermann geht davon aus, dass Bargeld auch künftig eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen spielen wird: „Es gibt keine Anzeichen, dass sich dies ändert.“

Nischen hinter Abflussrohren gelten als beliebte Verstecke. Oder Spalten zwischen Doppelwänden in Kommoden. Oder der Klassiker: Kiste, vergraben im Garten.

Wer mal sonst nichts zu tun hat, könnte sich auf die Suche nach Geheimverstecken begeben: So schlecht stehen die Chancen nicht, auf ein geheimes Bargeldversteck zu stoßen. Macht nichts, sollte das unverhofft im Häuschen der verstorbenen Großeltern aufgefundene Barvermögen aus D-Mark-Scheinen bestehen: Die Bundesbank tauscht um.

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