Rems-Murr-Kreis

Betrugsversuche mit Whatsapp-Nachrichten: Worauf Sie achten sollten

WhatsApp
Bei dieser Phishing-Whatsapp fallen einige Dinge auf, die seltsam sind und den Handynutzer warnen sollten. Andere Phishing-Nachrichten sind raffinierter und erfordern mehr Wachsamkeit. © Benjamin Büttner

Plötzlich war da diese Whatsapp-Nachricht mit dem süßen Profilbild. Das allerdings passte überhaupt nicht zum verschickten Text. Und diese irgendwie nicht ganz normale Telefonnummer – höchst seltsam. Weshalb der Smartphone-Nutzer bei solchen Posteingängen sowohl den Tipp-Reflex als auch die Neugier unter allen Umständen im Zaum halten muss, erklärt ein IT-Fachmann.

Auf einem im Rems-Murr-Kreis beheimateten Diensthandy tauchte eines Tages eine Whatsapp-Nachricht auf, deren Absender nicht zu jenen gehörte, die unter „Kontakte“ abgespeichert sind. Damit war die Nachricht nicht mit einem Namen, sondern nur mit einer Telefonnummer gekennzeichnet. Ein Profilbild aber war zu sehen. Es zeigte einen Jungen, etwa sechs Jahre alt, dunkle Haut, blitzeweißes Hemd und gestreifte Krawatte, der voller Stolz auf eine große Armbanduhr guckte.

Auf keinen Fall auf den Link klicken

Wer war dieser Junge? Und wo war er? Die Kleidung schien eine Schuluniform zu sein. Der Raum im Hintergrund sah nicht nach einer hiesigen Schule aus. Und wie geht ein offenbar privates Profilbild mit dem verschickten Text zusammen? „Sie haben die Aktualisierung versäumt, bitte führen Sie diese durch ..., andernfalls müssen wir Ihnen das Online-Banking kündigen.“ Es folgte ein Link. Und die Unterschrift „Ihre Sparkasse“. Die Anrede lautete „Sehr geehrter Name Surname“.

Wer mit einer solchen Nachricht beglückt wird, muss sich quasi mit einer Ganzkörperklammer fesseln, damit sichergestellt ist, dass nichts den verführerisch angebotenen Link berührt. Und bloß auch nicht der Versuchung erliegen, die Nummer anzurufen. Zumal die seltsame Vorwahl zeigt: Der Absender stammt aus Mali. Das Einzige, was gestattet, ja sogar dringlichst geboten ist: Der Absender muss blockiert werden.

Erst jüngst wurde eine Fellbacherin Opfer von Betrügern

Die Nachricht läuft unter „Phishing“. Wer phisht, versucht, sich über gefälschte Webseiten, E-Mails oder Kurznachrichten als vertrauenswürdiger Kommunikationspartner in einer elektronischen Kommunikation auszugeben. Das Ziel des Betrugs ist es, so definiert das Internetlexikon Wikipedia, zum Beispiel „an persönliche Daten eines Internet-Nutzers zu gelangen oder ihn zur Ausführung einer schädlichen Aktion zu bewegen“. In der Folge würden dann beispielsweise Kontoplünderung oder Identitätsdiebstahl begangen oder eine Schadsoftware installiert. Erst jüngst wurde eine Fellbacherin Opfer von Whatsapp-Phishing-Betrügern. Sie verlor 1500 Euro.

Mit diesen Betrügereien wird viel Geld ergaunert

Phishing“ sagt der IT-Experte Stefan Greiner vom Druckhaus Waiblingen, sei ein „kompletter Industriezweig“. Wer auf den in diesem Fall angegebenen Link klicken würde, wüsste nicht, wo er landen und was dann weiter passieren würde. Vermutlich würden entweder alle wichtigen Infos – Kontaktdaten, Bankkontodaten, Bilder, sonstige private Informationen – abgegriffen. Oder es würde automatisch ein Download installiert, der entweder das Handy lahmlegt oder sonstigen Unfug anrichtet.

Zum Beispiel könnte der Betrüger dafür sorgen, dass er Kamera und Mikrofon aktivieren kann, ohne dass es der Smartphone-Besitzer bemerkt. Das sei, sagt Stefan Greiner, ganz besonders ergiebig bei Diensthandys, die von Geschäftsführern genutzt werden. Oder von Menschen, die mit Bankdaten arbeiten, und, und, und. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Diebe haben sich nicht viel Mühe gegeben

Auch die Nummer zurückzurufen, ist gefährlich. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde das Handy in Mali geklaut. Darauf weist das private Profilbild hin. Die Diebe haben sich, sagt Stefan Greiner, nicht mal die Mühe gemacht, da irgendwas zu verändern. Auch der gesamte Text weist auf wenig Sorgfalt beim Betrugsversuch hin. Macht nichts, sagt Greiner. Denn ist nur einer von vielen unaufmerksam, klingelt schon die Kasse der Betrüger. Längst aber gibt es auch Nachrichten, die mit der richtigen Anrede samt vollständigem Namen aufwarten. Noch viel gefährlicher, weil so verführerisch korrekt.

Sehr teure Nummern könnten hinterlegt sein

Wer zurückruft oder auf die Whatsapp-Nachricht antwortet, landet vielleicht bei jemandem, der den Übertölpelten dann mit Rückanrufen oder E-Mails überhäuft. Die können so raffiniert sein, dass der Angerufene gar nicht merkt, dass er irgendwann zum Beispiel Bankdaten an jemanden rausgibt, der diese wirklich nicht haben sollte.

Oder der angezeigten Nummer ist eine andere Nummer hinterlegt, bei der der Zähler ganz schnell rattert. Wer angerufen hat, kriegt das große Entsetzen mit der nächsten Telefonrechnung mitgeliefert. Und wer meint, dass er mit seiner Flat auf der sicheren Seite ist, der irrt. Diese Nummern kosten immer.

"Nie die Bankverbindung angeben"

Aber wie, verflixt noch mal, landet eine Diensthandynummer bei Abzockern, die, so scheint’s zumindest, in Mali sitzen? Oh je! Diese Wege sind oft nicht nachvollziehbar. Selbst IT-Experte Stefan Greiner bekommt des Öfteren Phishings. Vielleicht, meint er, liege es daran, dass er sich früher der Möglichkeiten des Internets etwas sorgloser bedient hat als heute. Er hat zum Beispiel gerne bei Gewinnspielen mitgemacht. Die zeichnen sich meist dadurch aus, dass alle persönlichen Kontaktdaten abgefragt werden.

Deshalb, warnt er, „nie die Bankverbindung angeben“. Denn Kontaktdaten, Handynummern und so weiter können im Darknet, im zwielichtigen Bereich des Internets, eingekauft werden. Fein sortiert nach Alter oder Geschlecht, Interessen oder sonst was. Das sei, sagt Stefan Greiner, „ein Milliardengeschäft“.

"Hallo Mama, mein Handy ist kaputt"

Es kann aber auch sein, dass das Handy oder der Computer von irgendjemandem gehackt und dann das Adressverzeichnis ausgewertet wurde. Wer sich dort findet, kann mit Betrugspost rechnen. Wenn er denn von der Gefahr wüsste. Womöglich ist so die Diensthandynummer ins Visier der Betrüger geraten. Denn neben dem Diensthandy gibt’s auch noch ein privates Smartphone. Und viele haben beide Nummern. Das Privathandy bekam jüngst ebenfalls eine Nachricht. Diesmal auf Signal, einem anderen Messengerdienst: „Hallo Mama/Papa, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Nummer. Du kannst sie abspeichern.“ Bloß nicht! Und bloß nicht ausprobieren! Wie schon geschrieben, es klingelt dann die Kasse. Allerdings niemals beim Handybesitzer selbst.

Plötzlich war da diese Whatsapp-Nachricht mit dem süßen Profilbild. Das allerdings passte überhaupt nicht zum verschickten Text. Und diese irgendwie nicht ganz normale Telefonnummer – höchst seltsam. Weshalb der Smartphone-Nutzer bei solchen Posteingängen sowohl den Tipp-Reflex als auch die Neugier unter allen Umständen im Zaum halten muss, erklärt ein IT-Fachmann.

Auf einem im Rems-Murr-Kreis beheimateten Diensthandy tauchte eines Tages eine Whatsapp-Nachricht auf, deren Absender

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