Rems-Murr-Kreis

Bio boomt: Der Rems-Murr-Kreis will mit der Ostalb zu einer ökologischen Musterregion werden

Paulinenpflegebiohuhn
Freilaufende Hühner auf dem Bio-Bauernhof der Paulinenpflege in Winnenden. © Gaby Schneider

Die Initiative kam von den Biobauern. Sie versprechen sich vom Label „Bio-Musterregion Rems-Murr-Ostalb“ bessere Vermarktungschancen für ihre Produkte. Bio boomt. Zwar wächst in Supermärkten und selbst bei Discountern das Sortiment an Lebensmitteln aus biologischem Anbau unaufhaltsam. Doch diese Hürde ist für kleine Biobetriebe in der Region zu hoch. Sie geraten bei der Vermarktung ihrer regional erzeugten Produkte oft genug an ihre Grenzen. Dies hat kürzlich eine Debatte über mehr regionale Bio-Lebensmittel in den Rems-Murr-Kliniken aufgezeigt. Eines der Argumente gegen mehr Bio am Krankenbett war: Regionale Erzeuger könnten nicht garantieren, zu jeder Zeit lieferfähig zu sein.

An diesem Punkt setzt die Musterregion an. Durch Vernetzung solle die regionale Wertschöpfungskette von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung gesteigert werden. Diese Vernetzung in der Bioszene fehlt bisher, sagte Kreisrat Werner Häfele (FDP/FW) im Umwelt- und Verkehrsausschuss, in dem das Projekt Biomusterregion vorgestellt wurde. Der Metzgermeister ist Chef der gleichnamigen Kette Häfele mit 19 Filialen und eigenem Schlachthof. Er würde gerne und könnte auch mehr Bioschweine aus der näheren Umgebung schlachten und verkaufen. Doch es gebe schlicht keine Mäster, die ihm die Tiere liefern.

Der Rems-Murr-Kreis bemüht sich zusammen mit dem Ostalbkreis, Fördermittel für die Musterregion zu bekommen. Im Falle des Zuschlags übernimmt das Land Baden-Württemberg 84 200 Euro der Kosten eines Regionalmanagers. Am Ostalb- und Rems-Murr-Kreis blieben jährlich jeweils bis zu 19 000 Euro im Jahr hängen. Michael Stuber, Leiter des Landwirtschaftsamts in Backnang, stellte das Projekt im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags vor. Die Kreisräte stimmten den Plänen zu.

„Rems-Murr-Ostalb“ ist nicht die erste Biomusterregion in Baden-Württemberg. Seit 2018 dürfen sich bereits neun Regionen mit dem Etikett „Bio-Musterregion“ schmücken. Derzeit läuft die dritte Ausschreibung. Eine Kooperation mit dem Ostalbkreis lag doppelt nahe, sagte Stuber. Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald breitet sich dies- und jenseits der Kreisgrenze aus; und bei der Remstal-Gartenschau 2019 haben die beiden Landkreise bereits eng zusammengearbeitet.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hält an. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Betriebe halbiert. Aktuell dürfte es noch gut 1000 Bauern an Rems und Murr geben. Zehn Prozent dieser landwirtschaftlichen Betriebe schaffen biologisch. Ihr Flächenanteil beträgt elf Prozent. Kein Landkreis im Regierungsbezirk Nordwürttemberg weist einen so hohen Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche auf. Gefördert werden die Landwirte zwischen Rems und Murr bei der Vermarktung ihrer Produkte durch den Landkreis auf vielerlei Weise, egal ob sie biologisch oder konventionell arbeiten.

Den Ökolandbau stärken, regionale Vermarktung ausbauen

Die Biomusterregion soll den Ökolandbau in der Region weiter stärken und die regionale Wertschöpfungskette steigern. Ein weiteres Ziel ist, dass Biolandwirte engere Bande mit dem Tourismus und der Gastronomie knüpfen und dort ihre Produkte verkaufen. Weitere Projekte sind:

  • Mobile Schlachtung und Weiterverarbeitung in der Region;
  • Bildung von Streuobstwiesen-Erzeugergemeinschaften;
  • Austausch und berufliche Bildung unter den Landwirten;
  • Perspektiven der Mutterkuh-Haltung
  • sowie ein „Bruderhahn“-Projekt in Verbindung mit mobiler Legenhennenhaltung. Also der Verzicht auf das Töten männlicher Küken.

Die grüne Kreisrätin Astrid Fleischer betonte die Chancen für eine Biomusterregion, dank Kooperationen künftig auch Großkunden beliefern zu können. CDUKreisrat Werner Hundt, als Weinstädter Obst- und Gemüsehändler von Berufs wegen ein Fachmann, bat darum, dass konventionell wirtschaftende Betriebe nicht vergessen werden sollten. Die Biomusterregion könne diesen Landwirten vielleicht auch die Angst nehmen, ihre Betriebe auf Bio umzustellen. Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg von Bio-Waren seien freilich die Verbraucher, betonte Hundt. Die Konsumenten müssten bereit sein, die rund ein Drittel höheren Preise für Bio zu bezahlten.

Die Initiative kam von den Biobauern. Sie versprechen sich vom Label „Bio-Musterregion Rems-Murr-Ostalb“ bessere Vermarktungschancen für ihre Produkte. Bio boomt. Zwar wächst in Supermärkten und selbst bei Discountern das Sortiment an Lebensmitteln aus biologischem Anbau unaufhaltsam. Doch diese Hürde ist für kleine Biobetriebe in der Region zu hoch. Sie geraten bei der Vermarktung ihrer regional erzeugten Produkte oft genug an ihre Grenzen. Dies hat kürzlich eine Debatte über mehr regionale

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