Rems-Murr-Kreis

Biomüll-Sünder im Rems-Murr-Kreis: Zahlen oder reinlangen

Bioplastiktüte
Diese Biomüll-Kunststoffbeutel dürfen seit dem 1. Januar nicht mehr in die Biotonnen. Sonst bleiben die Tonnen stehen. © Gabriel Habermann

Sie sind beliebt. Denn sie halten die Suppe, die so oft aus dem Biomüll läuft, zurück. Aber dennoch: Seit dem 1. Januar sind die kompostierbaren Kunststoffbeutel im Rems-Murr-Kreis verboten. Sie dürfen nicht mehr in die Biotonne. Wer sie dennoch darin versenkt, der muss entweder teuer zahlen oder was ganz Ekliges machen.

Dafür, dass sie einfach im Müll landen, und zwar im unappetitlichsten, den es in den verschiedenen Tonnen gibt, geben die Menschen ziemlich viel Geld für sie aus. Es geht um die meist zartgrün eingefärbten Tüten, die mal „Biomüll-Folienbeutel“, mal „kompostierbare Kunststoffbeutel“ genannt werden. Es gibt sie als nicht ganz günstige No-Names und als noch deutlich teurere Markenware. Die Menschen schätzen sie, weil die Biotonne, wenn der Biomüll in diesen Tüten gut verschnürt wird, nicht ganz so schlonzschleimig-modrigmuffig wird wie ohne.

Bislang war’s nur eine Bitte – jetzt sind die Kunststoffbeutel verboten

Die Leute von der Abfallwirtschaft Rems-Murr allerdings erfreuen sich überhaupt nicht an den teuer bezahlten Helferlein. Bislang trugen sie diesbezüglich aber immer nur eine Bitte inbrünstig vor: Man möge doch auf die Bioplastiktüten verzichten und stattdessen auf Papiertüten zurückgreifen. Oder – noch viel günstiger – Zeitungspapier verwenden, um den Biomüll zu verpacken. Warum nur?

Um als „biologisch abbaubar“ zertifiziert zu werden, müssen kompostierbare Kunststoffbeutel innerhalb von zwölf Wochen zu mindestens 90 Prozent in Teile von maximal zwei Millimetern zerfallen. Die Verweilzeit der Bioabfälle in der Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal, in die der gesamte Biomüll aus dem Rems-Murr-Kreis geliefert wird, ist aber viel kürzer: Schon nach etwa fünf Wochen ist aus dem Müll guter Kompost geworden. Der aber wäre, wenn die kompostierbaren Kunststoffbeutel in der Masse bleiben, durchsetzt von Plastikfetzen.

Kleine Kunststofffetzen müssen aufwendig aus dem Kompost aussortiert werden

Daher, so heißt es von der Abfallwirtschaft Rems-Murr, müssten die nicht abgebauten Kunststofffragmente aufwendig aus dem Kompost aussortiert werden, „was gerade bei kleinteiligen Partikeln verfahrensbedingt kaum möglich ist“.

Wer übrigens glaubt, dass die grünen Biomüll-Plastiktüten, auf denen so dick „kompostierbar“ aufgedruckt ist, total bio sind, der irrt oft. Um das Etikett „biologisch abbaubar“ zu erfüllen, müssen Stoffe durch Mikroorganismen weitgehend zu Wasser, Biomasse und CO2 zersetzt werden können. Die Definition sagt nichts über die Herkunft der Rohstoffe aus, aus denen die Tüten gefertigt sind. Tatsächlich können aber nicht nur Stoffe, die beispielsweise aus Mais oder Stärke hergestellt werden, biologisch abgebaut werden. Es gibt auch erdölbasierte Kunststoffe, die unter bestimmten Bedingungen durch Mikroorganismen zersetzt werden können.

Doch selbst, wenn die kompostierbaren Kunststoffbeutel im Biomüll alle ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wären, gäbe es mit den Fetzen im Kompost noch ein Problem. Denn damit die Biomüll-Kunststoffbeutel in die geforderten winzigen Teile zerfallen, brauchen sie in den zwölf benötigten Wochen die Bedingungen einer Kompostierungsanlage: über 60 Grad. Draußen in der Natur lassen sich solche Bedingungen nirgendwo finden. Die Folge: Der Kunststoff braucht in der Natur mitunter Monate oder Jahre, um sich zu zersetzen, Gärten und Felder wären übersät mit zartgrünen Plastikelementen.

Was nicht in den Biomüll gehört, wird verbrannt. Das kostet viel Geld

Deshalb wird in Backnang-Neuschöntal ein großer Teil der kompostierbaren Beutel bereits bei der Vorsortierung des Bioabfalls gemeinsam mit den herkömmlichen Plastiktüten abgesondert. Klassische Plastiktüten und kompostierbare Beutel müssen anschließend kostenintensiv in der Müllverbrennung entsorgt werden.

Mit dem ausdrücklichen Verbot der kompostierbaren Kunststoffbeutel kann die Abfallwirtschaft Rems-Murr jetzt jene sanktionieren, die von den Beuteln immer noch nicht lassen wollen. Ob seit dem 1. Januar weniger der jetzt verbotenen Tüten im Biomüll sind als noch im vergangenen Jahr, ist noch nicht ausgewertet. Bei den Leerungen der Biotonnen im Rems-Murr-Kreis wird stichprobenartig kontrolliert. Außerdem ist im Jahr 2022 eine größere Kontrollaktion geplant.

Finden die Mitarbeiter der Biomüllabfuhr in den braunen Tonnen Stoffe, die nicht in diese Tonne gehören – ganz gleich ob kompostierbare Kunststoffbeutel oder sonstiger Müll jedwelcher Art – bleiben die Tonnen ungeleert stehen.

Die Biomüll-Sünder haben dann zwei Möglichkeiten: In den Verkaufsstellen, in denen auch die Müllmarken geholt werden können, gibt es Banderolen zu kaufen. Wer diese um den Griff der Biotonne wickelt, kann sie zur nächsten Restmüllabfuhr rausstellen. Sie wird dann geleert. Allerdings sind die Banderolen kostspielig. Für 80-Liter-Biotonnen kostet die Banderole zehn Euro, für die 120-Liter-Tonne 14 Euro und für die 240-Liter-Tonne 25 Euro.

Wer die Banderole nicht zahlen will, dem bleiben nur lästige Auswege

Wer das nicht berappen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als den Biomüll aus der braunen Tonne raus zu packen und eigenhändig, Möglichkeit eins, in Restmüllsäcke umzufüllen. Die gibt’s ebenfalls in den Müllmarken-Verkaufsstellen und kosten zwei Euro pro 35-Liter-Restmüllsack und vier Euro pro 70-Liter-Restmüllsack. Oder, zweite Möglichkeit, der Biomüll wird, damit er dann bei der nächsten Leerung mitgenommen wird, aus den kompostierbaren Kunststoffbeuteln befreit und entweder direkt in die Tonne verfrachtet oder in Papiertüten verpackt. Hhhmmm!

Sie sind beliebt. Denn sie halten die Suppe, die so oft aus dem Biomüll läuft, zurück. Aber dennoch: Seit dem 1. Januar sind die kompostierbaren Kunststoffbeutel im Rems-Murr-Kreis verboten. Sie dürfen nicht mehr in die Biotonne. Wer sie dennoch darin versenkt, der muss entweder teuer zahlen oder was ganz Ekliges machen.

Dafür, dass sie einfach im Müll landen, und zwar im unappetitlichsten, den es in den verschiedenen Tonnen gibt, geben die Menschen ziemlich viel Geld für sie aus. Es

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