Rems-Murr-Kreis

Boxer-Zwillinge aus Winnenden: Manchmal sind Selbstzweifel der härteste Gegner

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Sor Zwillinge Boxer Boxen
Die Boxer-Zwillinge Mehmet (links) und Ahmet (rechts). © Privat
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Boxer Zwillinge Winnenden
Die Boxer-Zwillinge konnten am vergangenen Wochenende erneut die deutsche Meisterschaft gewinnen. © Privat

Die Zwillinge Ahmet und Mehmet Sor, die ursprünglich aus Winnenden kommen, leben fürs Boxen. Sie trainieren unter der Woche jeden Tag - zweimal. Sogar samstags stehen sie noch für ein paar Stunden in der Boxhalle. Die mehrmaligen Deutschen und Baden-Württemberg-Meister trainieren bereits seit 12 Jahren gemeinsam. Dabei gab es nicht nur gute Momente. Wir haben mit den beiden über Selbstzweifel, den Gedanken aufzuhören und über den Weg da raus gesprochen.

Mit gerade mal acht Jahren haben die zwei mit dem Boxen begonnen. Zuvor spielten sie, wie viele Jungs in diesem Alter, Fußball. Nachdem ihr Onkel aber, ebenfalls Boxer und Trainer, sie mit in die Boxhalle nahm, war es um die beiden geschehen. Seitdem kann sich Mehmet dreimal Deutscher und einmal Vize-Europameister nennen. Sein Bruder Ahmet ist dreimal Deutscher Meister und dreimal Vize-Deutscher-Meister geworden.

Ein gesundes Mindset ist das A und O

Es gab aber einen Punkt in ihrer Karriere, bei dem sie ernsthaft darüber nachdachten, mit dem Boxen aufzuhören. Das sei eine besonders schwere Phase in ihrem Leben gewesen, da die beiden nicht genau wussten, was sie wirklich wollten. Die Sor-Zwillinge fielen „in ein tiefes Loch“ aus Selbstzweifeln und Verunsicherung. Herausgeschafft haben sie es nur, indem sie an ihrem Mindset gearbeitet haben, wie sie verraten. Eine positive Denkweise sei unerlässlich. "So kitschig das auch klingen mag, aber irgendwann kam Licht ins Dunkel und wir konnten wieder zu uns selbst finden", sagt Ahmet über diese Zeit in ihrem Leben. 

Laut Mehmet sei es vor allem wichtig, sich selbst richtig zu analysieren, die eigenen Fehler herauszufiltern und zu schauen, an welcher Stelle man sich verbessern könne. „Egal ob im Sport oder allgemein im Leben, wenn man zu sehr danach schaut, was andere machen, kommt man in der Regel nicht weit“, sagt er darüber, wie wichtig es ist, allein im Leben klarzukommen. Sein Bruder ergänzt: „Denn am Abend, wenn man nach den ganzen Kämpfen und dem Training im Bett liegt, ist man auf sich allein gestellt.“

Auch Corona hat vor den Zwillingen nicht haltgemacht. Es habe sie schlimm erwischt, drei bis vier Wochen lagen sie flach, erzählen sie. Sie mussten sich nach ihrer Genesung erst wieder langsam ans Boxen und Trainieren herantasten. "Ich war am Anfang nur eine halbe Stunde joggen und habe etwas schattengeboxt - mehr nicht", sagt Mehmet. Er habe ca. eine Woche lang langsam gemacht, bis er nach und nach die Intensität der Trainingseinheiten steigern konnte. 

Rituale vor dem Kampf sind wichtig

Ein besonderes Ritual, bevor sie in den Ring steigen, haben beide Brüder. Dazu gehört vor allem, sich Mut zu machen und positive Gedanken zu schaffen. „Ich stelle mir den bevorstehenden Kampf meistens geistig vor, um mich darauf vorzubereiten“, sagt Mehmet. Dabei gehe es nicht darum, was sein Gegner tue, sondern viel eher, welche Schritte er selbst mache. „Danach bin ich immer etwas motivierter und selbstbewusster.“

Bei seinem Bruder Ahmet besteht die Vorbereitung darin, motivierende Phrasen zu wiederholen, wie beispielsweise „Ich hole mir den Sieg!“ oder „Ich bin der Champ!“ Beide sind, obwohl sie bereits über 100 Kämpfe hinter sich haben, vor Wettkämpfen immer noch zum Teil nervös. Besonders bei größeren Turnieren, bei denen man die Gegner nicht kennt und nichts über ihre Skills weiß.

Was bisher das spannendste Turnier für die zwei war? Da sind sie sich einig: die Europa-Meisterschaft. „Es kann passieren, dass du eben nicht weißt, gegen wen du kämpfst, und du auch im Vorfeld nichts über ihn herausfinden kannst“, sagt Mehmet.

Die deutsche U-22-Meisterschaft - die letzte für die Zwillinge

Wie für viele Sportler, gibt es auch im Boxen diesen einen entscheidenden Moment, für den sich das Kämpfen lohnt. Für den man all die Strapazen auf sich nimmt und trainiert bis zum Umfallen. Für die beiden 21-Jährigen sind es diese 10 Sekunden, die alles entscheiden: „Wenn man im Ring steht, alles gegeben hat und die Hand durch den Schiedsrichter hochgehalten wird. Das Publikum jubelt und feuert dich an – ein schöner Moment“, sagt Ahmet.

Vom 6. 9. bis 10. 9. fand in Chemnitz die deutsche U-22-Meisterschaft statt. Diese wird auch die letzte für die beiden noch 21-Jährigen sein. Am Samstag (10. 9) sicherten sich die Zwillinge ihren zusammen siebten Meisterschaftstitel. Aber was kommt nach der Box-Karriere?

Mit Sortwins-Onlinecoaching durchstarten

Seit einem halben Jahr ziehen Ahmet und Mehmet ihr Online-Coaching-Unternehmen auf. Damit wollen sie sportbegeisterten Menschen, nicht nur das Boxen näherbringen, sondern auch allgemein in Fitness-Fragen Ansprechpartner werden. Mit Hilfe von individuellen Trainingsplänen und Video-Coaching fängt man von ganz unten an und levelt sich langsam hoch. Wichtig sei, erst mal die grundlegenden Dinge zu erlernen: „Wie steht und schlägt man richtig – im Prinzip die ganz langweilen Sachen“, sagt Ahmet.

Bald wollen sie ein Paket-Modell anbieten. So soll man im Anfänger-Paket sich die Box-Grundstellungen selbst beibringen können. Darunter fallen dann Dinge wie der Unterschied zwischen Führhand und Schlaghand oder aber auch Box-Kombinationen. Viele würden zu ihnen kommen und direkt mit dem Sparring anfangen wollen (Trainingskampf). Das sollte man die ersten zwei Monate allerdings eher nicht machen, sagen die Zwillinge.

Den Zwillingen ist es wichtig, ihren Schülern das Gefühl zu geben, mit ihren Zielen nicht allein zu sein. Deswegen bieten die zwei beim Online-Coaching auch Video-Calls an, um aufkommende Fragen direkt beantworten zu können: „Nur ein Paket anbieten und dann nicht mehr erreichbar sein wäre schlecht“, sagt Mehmet. So wie sie ihre Box-Karriere bereits zusammen begonnen haben, bauen sie auch ihr Unternehmen auf: als Team.

Die Zwillinge Ahmet und Mehmet Sor, die ursprünglich aus Winnenden kommen, leben fürs Boxen. Sie trainieren unter der Woche jeden Tag - zweimal. Sogar samstags stehen sie noch für ein paar Stunden in der Boxhalle. Die mehrmaligen Deutschen und Baden-Württemberg-Meister trainieren bereits seit 12 Jahren gemeinsam. Dabei gab es nicht nur gute Momente. Wir haben mit den beiden über Selbstzweifel, den Gedanken aufzuhören und über den Weg da raus gesprochen.

Mit gerade mal acht Jahren

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