Rems-Murr-Kreis

Brauchen wir mehr Windräder - auch auf der Buocher Höhe? Debatte in Winterbach

Klimaschutzwahl
Den "Wind of Change", den Wind des Wandels hin zu mehr Windrädern will die Initiative Klimaentscheid Schorndorf entfesseln (links im Bild: Wilhelm Pesch). © Gaby Schneider

Wenn wir in Zeiten der rasch voranschreitenden Erderhitzung die ökologische Energiewende schaffen wollen, brauchen wir hier bei uns Windräder – und auch der momentan verworfene Standort Buocher Höhe muss neu diskutiert werden: Das klang durch bei einer Bundestagswahlkampf-Veranstaltung am Samstag in Winterbach.

Eingeladen hatte die Initiative Klimaentscheid Schorndorf – von ihr zum Thema Windkraft löchern ließen sich Anne Kowatsch (Grüne), Urs Abelein (SPD), Professor Dr. Stephan Seiter (FDP) und Luigi Pantisano (Die Linke). Sie trafen sich mit den Vertretern der Initiative und Interessierten am Ortseingang Manolzweiler in der Nähe der drei Windräder am Goldboden zwischen Engelberg und Hohengehren. Entschuldigen ließ sich Christina Stumpp (CDU). Sie schickte ihre Antworten auf fünf konkrete Fragen per Mail.

Als Erstes wollte Wilhelm Pesch vom Klimaentscheid wissen, welchen Stellenwert die Windenergie in der nächsten Wahlperiode hat.

Wie bisher „können wir nicht weitermachen“, findet Urs Abelein

Die Grünen, sagte Anne Kowatsch, wollen 100 Tage nach der Regierungsbildung ein Sofortprogramm in Sachen Wind- und Solarenergie starten und die erneuerbaren Energien auf das Dreifache ausbauen. Die Bundesländer müssten verpflichtet werden, zwei Prozent ihrer Landesfläche für Windkraft zur Verfügung zu stellen. „Wir haben keine Zeit mehr“, drängte Kowatsch, „wir müssen Vollgas geben.“

„Nach der Nord- und Ostsee sind wir im Süden jetzt mal dran“, findet Urs Abelein (SPD), der Energie da erzeugen will, wo sie gebraucht wird. So wie bisher „können wir nicht weitermachen“, findet er.

Luigi Pantisano (Die Linke) forderte mehr Aufklärungsarbeit über Windräder – zu viele Mythen kursierten da, zu viele Vorbehalte gebe es, immer wieder heiße es nur, sie zerstörten die Landschaft.

Stephan Seiter (FDP) will Windräder dort sehen, wo sie rentabel sind, und die Energie über Leitungen transportieren.

In Christina Stumpps Mail hieß es, eine Quote müsse her, und es seien in den letzten Jahren zu wenig Anlagen gebaut worden.

Als die Kandidaten die Wertschöpfung von Windkraftanlagen für die Region beschreiben sollten, meinte Kowatsch, sie wolle Windkraftanlagen in Kinderbüchern und regionalen Investitionen sehen.

Für Urs Abelein ist die Wertschöpfung aus der Windkraft „enorm wichtig“, denn Deutschland sei abhängig vom Ausland. Er fand, wir sollten „selbstständig und für uns verantwortlich zu sein“.

„Die Energiewende schaffen wir am Haus“, betonte Luigi Pantisano. Kommunal und regional geregelt werden solle nur das, was jeder an seinem Haus nicht selber machen könne. Manolzweiler beispielsweise könne als Ortschaft Geld mit der Windenergie verdienen und diese an andere abgeben.

Stephan Seiter kann sich Genossenschaften vorstellen, aber die Windanlagen müssten im Eigentum der Gemeinden bleiben.

Stumpps Meinung nach soll die Windkraft „weiter ausgeschöpft“ werden.

Dann aber kam die entscheidende und heikelste Frage: „Für welche Standorte würden Sie sich einsetzen?“ Denn nicht nur der Streit um die Buocher Höhe hat gezeigt: Fast überall, wo Windkraftpläne gedeihen, formieren sich Gegeninitiativen, die das verhindern wollen.

Windkraft für Winterbach – und auch für die Buocher Höhe?

Anne Kowatsch hält fünf Räder in Winterbach für möglich. Zwar wollten Anwohner keine Windräder vor der Nase haben. Aber manche Argumente griffen zu kurz: Wenn wegen eines einzigen Rotmilans vor Ort Windkraftanlagen nicht gebaut werden können, dann werde es Tierarten wie den Rotmilan eines Tages überhaupt nicht mehr geben.

Urs Abelein favorisiert die Buocher Höhe. Und berichtete ebenfalls etwas zum vielbeschworenen Rotmilan: An der Welzheimer Anlage habe so ein Vogel einen Horst gebaut und lebe seit fünf Jahren dort.

„Wenn es einen Weg zur Klimaneutralität gibt, müssen wir den gehen“, sagte Pantisano zu den Interessenskonflikten.

Auch Stephan Seiter sieht das Dilemma zwischen Artenschutz und Energieerzeugung bei der Suche nach Standorten, wo Windräder am rentabelsten sind.

Bei der Frage, wie sie die Wählenden am Stromertrag beteiligen wollen, kam Kowatsch auf Genossenschaften zurück, Abelein will alle Bürger einbeziehen, Pantisano sieht Genossenschaften und Stadtwerke im Boot, Seiter die Eigentümer; von Stumpp kam keine Antwort dazu.

Als die Kandidaten sagen sollten, wie sie es finden, dass ein Planungsverfahren derzeit sechs bis acht Jahre dauert, waren sich alle einig: viel zu lang.

Wenn wir in Zeiten der rasch voranschreitenden Erderhitzung die ökologische Energiewende schaffen wollen, brauchen wir hier bei uns Windräder – und auch der momentan verworfene Standort Buocher Höhe muss neu diskutiert werden: Das klang durch bei einer Bundestagswahlkampf-Veranstaltung am Samstag in Winterbach.

Eingeladen hatte die Initiative Klimaentscheid Schorndorf – von ihr zum Thema Windkraft löchern ließen sich Anne Kowatsch (Grüne), Urs Abelein (SPD), Professor Dr. Stephan

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