Rems-Murr-Kreis

Brennholz in „abartigen“ Mengen: Immer mehr Menschen im Rems-Murr-Kreis heizen mit Feuer

Brennholz
Kilian Knötzele (links) und Jürgen Baumann vom Kreisforstamt vor einem Stapel Brennholz: Wer beim Förster Brennholz bestellt, bekommt meistens ganze Stämme. © Eckstein

Es gebe Leute, die hätten noch nie gekauft, aber wollten jetzt plötzlich Brennholz kaufen. Und zwar in „abartigen“ Mengen. Förster, die Brennholzwünsche abschlügen, bekämen Worte zu hören, die nicht immer nett seien. Doch die Förster im Rems-Murr-Kreis seien „restlos ausverkauft“. Und Achtung, wer Holzneuling ist, sollte sich vor dem Kauf schlaumachen. Es wird betrogen.

Früher lief das mit dem Brennholz so: Die Revierförster im Rems-Murr-Wald bedienen ihre Stammkundschaft, die seit Jahren regelmäßig immer dieselbe Menge Holz bestellt. Auch das Forstamt arbeitet so. Das passiert fürs aktuelle Jahr immer schon ein Jahr früher. Denn das Brennholz ist frisch und muss noch ein Jahr lang trocknen. Für jetzt sofort gibt’s im Wald nix. Dafür muss man in den Baumarkt gehen.

Die Wälder können nicht unbegrenzt Brennholz hergeben

Die Förster planen ihre Waldbewirtschaftung und schlagen nur so viel raus, wie wieder nachwächst. Das gute, gerade gewachsene Holz geht in die Bau- und Möbelindustrie. Das astige, krumme und zu dünne darf in die Öfen. Nachhaltigkeit nennt sich das. Nachhaltigkeit ist das Ziel eines guten Försters. Wer nachhaltig wirtschaftet, kann nicht plötzlich mehr bis unmäßig mehr rausholen. In Spitzenrevieren, sagen Jürgen Baumann und Kilian Knötzele vom Kreisforstamt, gebe es über 1000 Festmeter Brennholz im Jahr. Rund um Berglen und Winnenden sei das zum Beispiel so. Doch das ist die Ausnahme.

Angesichts steigender Energiepreise und allgemeiner Krisenstimmung besinnen sich aber offenbar viele Menschen darauf, dass sie ja noch einen alten Kachelofen im Haus haben. Oder dass sie schon immer vom Kaminofen träumen. Mit Corona habe das angefangen, mit dem Ukraine-Krieg sei’s noch schlimmer geworden. Seitdem ist nichts mehr normal auf dem Brennholzmarkt und die Situation so: Die Nachfrage sei „brutal“ und nicht zu befriedigen, die Preise steigen. Und der Holzklau nimmt zu. Der SWR berichtet, dass ForstBW, das Forstamt des Landes Baden-Württemberg, zunehmend Peilsender am Holz verstecke, um den Dieben auf die Spur zu kommen. Denn Holzklau ist eine Straftat. Stimmt, sagen Jürgen Baumann und Kilian Knötzele. Sie können den Verlust in den eigenen Revieren allerdings nicht beziffern. Und noch verzweifele man im Rems-Murr-Kreis nicht daran.

Brennholz vom Förster ist üblicherweise nicht handlich zerkleinert

Vielleicht liegt’s daran, dass das Brennholz – zumindest beim Kreisforstamt – nicht handlich zerkleinert zu haben ist. Wer Brennholz bestellt, bekommt einen ganzen bis halben Baum. Für solche Kaliber braucht’s schon einen Laster mit Kran. Im Hinblick auf die Stämme warnen Knötzele und Baumann auch jene, die die Lust am Brennholz ganz neu für sich entdeckt haben: Um diese Masse zu bewältigen, muss teure Ausrüstung angeschafft und lebenswichtiges Know-how gelernt werden. Stichwort „Motorsägenführerschein“. Ganz abgesehen davon, dass auch noch am Kamin viel falsch gemacht werden kann: Zu nasses Holz wärmt nicht, sondern qualmt nur. Zu trockenes Holz ist in puncto Brennwert leider auch nicht gut.

Holzneulinge vertun sich auch gerne in der Holzmenge, die sie kaufen. Das Schnäppchen entpuppt sich dann irgendwann als Abzocke. Denn es gibt dreierlei Maßeinheiten beim Rohholz. Diese arbeiten zwar alle mit der Bezeichnung „Meter“, die im verführerischen Angebot auch hervorgehoben wird. Doch beim Holz ist Meter nicht gleich Meter. Jürgen Baumann und Kilian Knötzele warnen: Hier nehmen unseriöse Holzverkäufer gerne mehr, als ihnen zusteht. Die meiste Menge an Holz bekommt der Käufer nämlich beim „Festmeter“. Der Festmeter ist feste Holzmasse ohne Zwischenräume. Das bekommt, wer beim Kreisforstamt den ganzen Stamm kauft: unhandlich und arbeitsintensiv, aber ergiebig.

Festmeter, Raummeter, Schüttraummeter: Was ist wie viel Holz?

Wer einen „Raummeter“ Holz kauft, bekommt einen Würfel mit der Kantenlänge von einem Meter, in den Holz entsprechend eingeschnitten ist. Also Holzstücke mit der Länge von einem Meter, aufgeschichtet auf die entsprechende Breite und Höhe. Rund 70 Prozent Holz und 30 Prozent Luft bezahlt der Käufer dann. Freilich ist die Verwendung dieses Holzes schon ein bisschen bequemer.

Am einfachsten hat es, wer den „Schüttraummeter“ kauft. Hier ist das Holz ofenfertig in Scheite gehackt. Diese Stücke werden in einen Raum mit dem Volumen von einem Kubikmeter geschüttet – daher der Name. Beim Kauf neben dem Holz inklusive: 50 Prozent Luft in den Zwischenräumen. Das heißt: Man kauft nur halb so viel Holz wie beim Raummeter. Das reicht nicht weit, man zahlt aber viel mehr.

Apropos zahlen: Die Preise steigen. Vor der Krise kostete der Festmeter Holz, also der Baumstamm am Waldwegesrand, um die 65 Euro. Inzwischen liegt der Preis bei 80 Euro. Es geht um Eiche, Buche oder Esche. Beim bereits bearbeiteten Brennholz, also dem Schüttraummeter, zeigt sich der Preisanstieg noch deutlicher: Früher, sagen die Förster, sei er für 180 Euro zu haben gewesen. Inzwischen zahle man bis zu 350 Euro. 

Es gebe Leute, die hätten noch nie gekauft, aber wollten jetzt plötzlich Brennholz kaufen. Und zwar in „abartigen“ Mengen. Förster, die Brennholzwünsche abschlügen, bekämen Worte zu hören, die nicht immer nett seien. Doch die Förster im Rems-Murr-Kreis seien „restlos ausverkauft“. Und Achtung, wer Holzneuling ist, sollte sich vor dem Kauf schlaumachen. Es wird betrogen.

Früher lief das mit dem Brennholz so: Die Revierförster im Rems-Murr-Wald bedienen ihre Stammkundschaft, die seit

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