Rems-Murr-Kreis

CDU Rems-Murr: Joachim Pfeiffer geht gekonnt

Joachim Pfeiffer
Sein letzter Auftritt als Kreisvorsitzender der CDU: Joachim Pfeiffer geht nach 21 Jahren. © Benjamin Büttner

„Heute endet eine Ära“, sagt Siegfried Lorek, der CDU-Landtagsabgeordnete aus Winnenden, bei seiner kleinen Laudatio für den Mann, der dann, in wenigen Minuten, sein Vorgänger gewesen sein wird. Joachim Pfeiffer, der 40 Jahre lang Kreisparteitage besuchte, über 20 Jahre Kreisvorsitzender war, noch immer für den Kreis im Bundestag sitzt, erklärt dem – längst informierten – Publikum: „Meine Damen und Herren, Sie wissen – ich melde mich ab.“ Doch wie wird er's tun? Wird er – Pfeiffer war immer gut für ein deutliches Wort – noch einmal schimpfen auf eine Politik, die in vielen Punkten nicht mehr die seine ist? Wird er sich auslassen über „konstruierte Behauptungen“ von „Teilen der Presse“, über gehackte Daten und die Form der Unabhängigkeit, die ein Bundestagsabgeordneter haben sollte oder auch nicht?

Joachim Pfeiffer sieht gut aus und rauscht durch die ersten Tagesordnungspunkte

Zuerst rauscht Joachim Pfeiffer, braun gebrannt, das Haar kurz geschoren und silbrig blitzend, schwarzer Anzug, weißes Hemd, der Kragen offen – gut sieht er aus – durch die ersten Tagesordnungspunkte des wegen Corona „überfälligen“ Kreisparteitags, als wenn's für ihn einer von vielen wäre. Begrüßung, Regularien – „Satzungsgemäß erfüllt, der Kreisparteitag ist beschlussfähig“, Hygienekonzept. Man möge diesmal aus der Flasche trinken, es gebe kein Glas. Das habe hygienische Gründe und liege nicht daran, dass man schlecht erzogen sei. Dann die Wahl der Versammlungsleitung, der einen und der anderen Kommission. Alles geht so schnell über die Bühne – Pfeiffer ist Vollprofi, und das seit vielen Jahren. Und dann geht's um seine Funktion. „Das würde ich gern abgeben.“ Und er will „a bissle erzählen“.

Alles Geschichte - in der Halle wird's unruhig

1980, sagt er, wollte Franz Josef Strauß Bundeskanzler werden, was nicht klappte und ihn, Joachim Pfeiffer, sehr betrübte. 1981 war er zum ersten Mal auf einer Kreisversammlung. 1991 wurde er stellvertretender Kreisvorsitzender, 2000 stand er ganz an der Spitze, und er habe viele und gute Erinnerungen. Helmut Kohl habe Deutschland aus der Lethargie geholt, 1988 holte die CDU bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit, allerdings und leider zum letzten Mal, 1990 war man bei den Kommunalwahlen „erfolgreich wie nie“, 2002 wurde er selbst in den Bundestag gewählt.

Alles richtig, alles Geschichte, in der Halle wird's unruhig. Die Zeit, redet Joachim Pfeiffer weiter, sei für ihn prägend gewesen und interessant. Und er gebe jetzt einen politischen Rat, „den ich mir nicht verkneifen kann“. Da hört das Publikum wieder zu. Die CDU, sagt Pfeiffer, sei gut beraten, eigene Positionen zu vertreten. Sie solle nicht nur dem Zeitgeist hinterherrennen. „Denn wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, der ist bald Witwer.“ Die CDU, sagt Pfeiffer, „braucht mehr Biss“.

Sein politischer Rat, wie ist er einzuordnen?

Das war's. Ob dieser, sein Rat, ein allgemeingültiger ist, quasi die Essenz der vielen Jahre des Tuns und Erfahrens, oder ob er die kürzestmögliche Zusammenfassung seiner Gedanken und Gefühle in Bezug auf seine Überzeugungen ist, die selbst in seiner Partei recht viele nicht mehr überzeugen, das bleibt offen. Atomkraft, Klimawandel, Stuttgart 21, Nordostring, Nebentätigkeiten, Sozialpolitik, Mindestlohn und andere Marktgesetze, CDU-Vorsitz – keiner seiner Blutdrucksteigerer klingt auch nur an. Kein Emotiönchen. Pfeiffer ist halt – man merkt es wieder – Vollprofi.

„Es war mir“, sagt er, „zumeist ein Vergnügen. Manchmal war's etwas zäh und nervig, aber immer eine Ehre.“ Das Publikum dankt ihm mit Standing Ovations, der Applaus ist laut und hält eine Weile an, dann geht's zackig weiter, denn die Delegiertenwahlen müssen auch noch über die Bühne. Derweil zeigt Christina Stumpp, die Joachim Pfeiffer im Herbst bei der Bundestagswahl beerben und per Direktmandat in den Bundestag einziehen will, wie das geht, die Verknüpfung von Parteiarbeit und der Arbeit als Mutter eines kleinen Kindes. Das nämlich, nachdem es kundgetan hat, dass so ein Kreisparteitag nicht so wirklich prickelnd ist, übernimmt mal kurz ihr Mann.

„Wir erneuern uns“, sagt dann auch Siegfried Lorek. Die CDU wird jünger, weiblicher und digital: Nach diesem Parteitag soll's einen Social-Media-Beauftragten geben. Er selbst, sagt Lorek, wolle Vertrauen erhalten und dort zurückgewinnen, wo es verloren ging. „Gibt's noch Fragen an den Kandidaten?“, will Joachim Pfeiffer wissen. Nein. Es wird gewählt. Joachim Pfeiffer geht, Siegfried Lorek kommt.

„Heute endet eine Ära“, sagt Siegfried Lorek, der CDU-Landtagsabgeordnete aus Winnenden, bei seiner kleinen Laudatio für den Mann, der dann, in wenigen Minuten, sein Vorgänger gewesen sein wird. Joachim Pfeiffer, der 40 Jahre lang Kreisparteitage besuchte, über 20 Jahre Kreisvorsitzender war, noch immer für den Kreis im Bundestag sitzt, erklärt dem – längst informierten – Publikum: „Meine Damen und Herren, Sie wissen – ich melde mich ab.“ Doch wie wird er's tun? Wird er – Pfeiffer war immer

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