Rems-Murr-Kreis

Clowns in der Kinderklinik Winnenden: Etwas Leichtigkeit in schweren Zeiten

Clowns mit Herz
Ziel erreicht: Brösel und Brokkoli haben Kind und Vater zum Lächeln gebracht. © ALEXANDRA PALMIZI

Annette Heeß tauscht Jeans und Pullover gegen Ringelshirt und Latzhose, Jörg Danner zupft die Ärmel seines rosafarbenen Hemds zurecht und knotet seine kanarienvogelgelben Turnschuhe zu. Schnell streicht er sich die Haare mit etwas Gel in einer eigenwilligen Tolle aus dem Gesicht, während seine Kollegin ihre zwei Zöpfe hoch oben auf ihrem Kopf mit bunten Bändern versieht. Fertig? Nein, heute setzt Heeß noch eins obendrauf. Weil Weihnachten ist, schmückt sie ihren Hals mit einer Lichterkette und platziert einen Heiligenschein zwischen den Rattenschwänzchen. Zuletzt setzen sich Heeß und Danner rote Nasen auf. Das ist gar nicht so leicht über der neongrünen FFP2-Maske, aber das vielleicht wichtigste Accessoire: „Die Nase ändert alles“, sagen die beiden. Nun sind sie nicht mehr Annette Heeß und Jörg Danner, sondern Brösel und Brokkoli. Brösel und Brokkoli sind zwei von 15 Clowns des Vereins Clowns mit Herz Rems-Murr. An diesem Tag sind sie, wie jeden Montagnachmittag, in der Kinderklinik Winnenden.

Kopf aus, Bauch an: Die Verwandlung zum Clown

Jeder Clown schnappt sich seinen Koffer und dann treten sie auf den Gang hinaus. Ihr Ziel: möglichst viele kleine Patienten heute einmal zum Lachen bringen. In Zimmer, in denen die Kranken keinen Besuch wollen oder etwas aus medizinischer Sicht dagegenspricht, gehen sie natürlich nicht. „Wir werden vom Personal vor jedem Auftritt informiert, wer in welchem Zimmer liegt, welche Krankheiten die Kinder haben, welches Kind frisch operiert ist und wo es vielleicht eine schwierige familiäre Situation gibt“, erklärt Heeß. Sie ist die künstlerische Leiterin des Vereins, coacht die Clowns. Denn auch wenn alle Clowns eine berufsbegleitende Ausbildung zum Clown gemacht haben, bei der sie ihren eigenen Clown entdeckt und entwickelt haben, und gelernt haben, welche Regeln in Krankenhaus und Pflegeheim gelten: Es sei wichtig, immer wieder miteinander ins Spiel zu kommen, nicht zu verkopft zu werden, Improvisieren zu üben. Denn die Clowns haben keinen Plan, sondern spielen situationsabhängig. „Der Clown kommt aus dem Bauch heraus“, sagt Heeß.

Im ersten Krankenzimmer lassen die beiden es Glücksblubberblasen (Seifenblasen) schneien: „Wenn du sie fängst, bringt es Glück, wenn du sie schluckst, musst du pupsen“, ruft Brokkoli dem kleinen Jungen zu, der mit Begeisterung so viele Blasen fängt, dass er nach diesem Besuch eigentlich sehr schnell wieder gesund werden müsste. Manchmal singen die Clowns ein Lied, ein andermal lassen sie sich von einem Opa helfen, den „Geschenk-Übergabestab“ aus einem Meterstab wieder vom Hals zu wursteln. Denn eine kleine Erinnerung lassen Brösel und Brokkoli in jedem Krankenzimmer. Mal ist es eine Weihnachtskugel, mal ein Stoffbär und mal ein Schlüsselanhängertäschle – seit Beginn der Corona-Pandemie natürlich einzeln in Plastiktüten verpackt, die die Clowns vor der Übergabe noch einmal „desfilizieren“.

Brösel und Brokkoli sind nun völlig in ihre Rollen eingetaucht, auf dem Weg von Krankenzimmer zu Krankenzimmer verteilen sie auch an die Krankenschwestern Weihnachtsstern-Aufkleber und verwechseln den Pfleger, der Kartons auf einem Wagen durch den Gang schiebt, mit dem Weihnachtsmann. Ziel ist, ein wenig Leichtigkeit in den Klinikalltag zu bringen, vor allem natürlich all den Familien, die gerade eine schwere Zeit durchmachen. „Wir wollen den Kindern und den Eltern ein bisschen Farbe und ein bisschen Fröhlichkeit dalassen und vielleicht eine schöne Erinnerung werden, die den Klinikaufenthalt dann auch im Nachhinein weniger schlimm erscheinen lässt“, sagt Annette Heeß.

Dementen Menschen Zeit und Nähe schenken

In der Kinderklinik werden die Auftritte der Clowns mit Herz über Sponsoren finanziert. Die Pflegeheime, mit denen sie zusammenarbeiten, müssen nach einer kostenlosen Probezeit mindestens die Hälfte der Kosten tragen, der Rest kann auch über Spenden finanziert werden. Denn die Clowns arbeiten nicht ehrenamtlich. Die meisten haben die Stundenzahl in ihren Hauptberufen reduziert, um genug Zeit zu haben, kranke Kinder und Seniorinnen und Senioren regelmäßig zu besuchen.

Während die Auftritte in der Kinderklinik auch mal actionreich sein dürfen, geht es in den Pflegeheimen ruhiger zu, sagt Jörg Danner, der Vorsitzende des Vereins Clowns mit Herz. „Wir sind vor allem im Demenzbereich tätig.“ Das passe gut, denn auch demente Menschen reagierten vor allem aus dem Bauch heraus. Es könne schon passieren, dass den Clowns dort erst einmal ein Pantoffel entgegengeschleudert werde. Man müsse aber auch gar nicht immer lachen, wenn Clowns kommen, sagt Danner. „Es genügt manchmal auch schon, die Hand einer älteren Dame zu halten, neben ihr auf dem Sofa zu sitzen und ein Lied zu summen. Denn wir haben die Zeit dafür, die die Pflegerinnen und Pfleger im Arbeitsalltag oft nicht haben.“

Annette Heeß tauscht Jeans und Pullover gegen Ringelshirt und Latzhose, Jörg Danner zupft die Ärmel seines rosafarbenen Hemds zurecht und knotet seine kanarienvogelgelben Turnschuhe zu. Schnell streicht er sich die Haare mit etwas Gel in einer eigenwilligen Tolle aus dem Gesicht, während seine Kollegin ihre zwei Zöpfe hoch oben auf ihrem Kopf mit bunten Bändern versieht. Fertig? Nein, heute setzt Heeß noch eins obendrauf. Weil Weihnachten ist, schmückt sie ihren Hals mit einer Lichterkette

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