Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Die Lage wird immer schlimmer

Masern-Impfpflicht
Die Infektionszahlen steigen und steigen, helfen kann nur die Impfung. Doch die niedergelassenen Ärzte werden demnächst wieder nur noch lächerliche Mengen des Impfstoffs von Biontech in ihren Praxen haben, der von den Menschen am meisten akzeptiert wird. © Benjamin Büttner

Für drei Landkreise in Baden-Württemberg gilt von Montag an eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte. Denn in diesen Kreisen war in den letzten Tagen die Zahl der Corona-Infektionen sprunghaft angestiegen. Im Rems-Murr-Kreis ist’s noch nicht so weit. Lässt der Anstieg der Zahlen dennoch Ähnliches befürchten?

Im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Ostalbkreis und im Kreis Biberach war die Zahl der Corona-Infektionen so sprunghaft angestiegen, dass jetzt Menschen ohne Immunisierung zwischen 21 Uhr abends und 5 Uhr am Morgen nur noch aus triftigen Gründen das Haus verlassen dürfen. Das heißt: Ausgang ist nur erlaubt, wenn ein medizinischer Notfall vorliegt, oder weil der Weg zur Arbeit angetreten werden muss. Im Kreis Biberach lag die Inzidenz Stand Samstag, 20. November, bei 631,9, im Ostalbkreis bei 702,2 und im Schwarzwald-Baar-Kreis bei 606.

Bis Sonntag, 21. November, Stand 16 Uhr stiegen die Zahlen noch weiter, nämlich auf 690,7 (Biberach), 712,7 (Ostalb) und 608,8 (Schwarzwald-Baar).

Im Rems-Murr-Kreis sieht es zum Glück noch nicht ganz so schlimm aus

Die Zahlen im Rems-Murr-Kreis sehen noch nicht ganz so schlimm aus. Lag die Inzidenz am Freitag, 19. November, noch bei 436,5, war sie am Samstag aber schon bei 465,3. Am Sonntag, 21. November, sank sie leicht auf 456,1. Stets mitbedacht werden muss, dass die dem Landesgesundheitsamt übermittelten Zahlen an den Wochenenden eher zu niedrig sind und viele Infektionen noch nachgemeldet werden. Es ist also anzunehmen, dass die Inzidenzen eigentlich höher liegen.

Der Amtschef im Sozialministerium Uwe Lahl erklärte der Deutschen Presseagentur daher, dass davon auszugehen sei, dass es in puncto nächtlicher Ausgangssperren für Ungeimpfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bei den bisherigen drei Kreisen bleibe.

Um der vierten Welle zu begegnen, gibt es für Ungeimpfte inzwischen diverse Einschränkungen. So dürfen viele Geschäfte nur von Menschen betreten werden, die geimpft oder genesen sind. Dasselbe gilt für die Gastronomie, für Kinos, Museen, Schwimmbäder. Im Gespräch ist inzwischen auch eine 2G-Regelung für junge Menschen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren.

Die Infektionslage ist so dramatisch, dass die Polizei bittet, vermehrt von ihren Online-Kontaktmöglichkeiten Gebrauch zu machen

Die Lage ist inzwischen so dramatisch, dass die Polizeidirektion Aalen, die unter anderem für den Ostalbkreis, aber auch für den Rems-Murr-Kreis zuständig ist, inzwischen die Bevölkerung darum bittet, Anzeigen wenn möglich online zu erstatten. Über die Internetwache der Polizei Baden-Württemberg könne virtuell Kontakt aufgenommen werden. Rund um die Uhr könnten Hinweise zu Straftaten, die kein sofortiges polizeiliches Einschreiten erforderten, online unter www.polizei-bw.de/internetwache/ übersendet werden.

Die Anzeigenerstattung auf den Dienststellen bleibe trotzdem möglich. In Fällen, in denen ein persönlicher Besuch unbedingt erforderlich sei, bittet die Polizei jedoch dringend darum, sich im Vorfeld telefonisch anzukündigen.

Im Rems-Murr-Kreis sind die Polizeireviere unter diesen Nummern zu erreichen:

  • Backnang: 07191/9090
  • Fellbach: 0711/57720
  • Schorndorf: 07181/2040
  • Waiblingen: 07151/950422
  • Winnenden: 07195/6940

Für Notrufe oder dringende Meldungen ist die Polizei nach wie vor über die 110 erreichbar.

Die sprunghaft gestiegenen Infektionszahlen lassen auch für die Krankenhäuser nur Schlimmes ahnen. Im Landkreis Biberach etwa sind Stand Sonntag, 21. November, 13.15 Uhr, nur noch vier der insgesamt 16 Intensivbetten frei. In den belegten Betten liegen vier Covid-Patienten, drei von diesen müssen beatmet werden. Der Anteil der an Corona erkrankten Intensivpatienten liegt in Biberach bei 25 Prozent. Im Schwarzwald-Baar-Kreis liegt der Anteil der Covid-Patienten auf Intensiv sogar bei 32,6 Prozent; drei der 15 Erkrankten müssen beatmet werden. Im Ostalbkreis liegen sieben Covid-Erkrankte auf der Intensivstation, das ist eine Quote von 14 Prozent. Drei werden beatmet. Nur noch acht von insgesamt 50 Intensivbetten sind frei.

Neun Intensivpatienten im Rems-Murr-Klinikum sind Corona-Patienten, sieben müssen beatmet werden

Der Rems-Murr-Kreis hat nur noch elf von 51 Intensivbetten frei. Und das bei einer Einwohnerzahl, die deutlich über jener der drei anderen Kreise liegt. Neun der belegten Betten sind mit Covid-Patienten belegt, das ist eine Quote von 17,65 Prozent. Sieben Menschen müssen beatmet werden.

Das Landratsamt, die Kommunen und die niedergelassenen Ärzte versuchen mit allen Kräften, die vierte Infektionswelle zu brechen und so viele Menschen wie irgend möglich gegen Corona zu impfen. Sei es, dass sie Erst- oder Zweitimpfungen geben, sei es, dass mit der Drittimpfung der Schutz aufgefrischt wird.

Da kommt es überhaupt nicht gut an, dass der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt hat, die Vergabe gerade jenes Impfstoffs zu deckeln, der bei der Bevölkerung am ehesten akzeptiert wird. Dr. Philipp Höschele, Arzt aus Rudersberg-Steinenberg, schreibt: „Ich habe hoch motivierte Mitarbeiterinnen, die bereit sind, zusätzlich an ihren freien Nachmittagen sowie auch samstags und sonntags zu impfen. So können wir unser Impfangebot nun deutlich ausweiten und mehrere Hundert Termine pro Woche anbieten und haben diese natürlich für die nächsten Wochen längst auch vergeben. Es macht mich sprachlos, dann am Freitagabend Folgendes zu erfahren: ...“

Der Rudersberger Arzt Philipp Höschele kann Jens Spahns Impfstoff-Reglementierung nicht verstehen

Was hat Höschele erfahren? „Der Bund wird ab Ende November die Impfstoffmenge von Biontech/Pfizer bis auf weiteres kontingentieren“, schrieb die Kassenärztliche Bundesvereinigung in ihrem Newsletter. Ab dem 29. November werde „überwiegend Impfstoff von Moderna bereitgestellt“. Vor allem Auffrischimpfungen, für die ein mRNA-Impfstoff verwendet werden muss, würden dann bei über 30-Jährigen vermehrt mit Spikevax von Moderna erfolgen müssen.

Die niedergelassenen Ärzte, die für die Woche vom 29. November bis 5. Dezember ihren Impfstoff schon bis Dienstag, 23. November, 12 Uhr bestellen müssen, können pro Arzt in der Praxis dann nur noch fünf der kleinen Impfstoff-Fläschchen bestellen! Das sind rund 30 Impfdosen.

Das sei, schreibt Philipp Höschele, „weniger als wir bisher nebenbei verimpft haben!“ Spahns Aktion bedeute, dass jeder Arzt viele der Impfwilligen nochmals aufklären müsse, erklären müsse, was der neue Impfstoff für die Menschen bedeute, fragen müsse, ob sie sich auch mit einem anderen Impfstoff impfen lassen möchten. „Ich empfinde dies als Schlag ins Gesicht.“

Für drei Landkreise in Baden-Württemberg gilt von Montag an eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte. Denn in diesen Kreisen war in den letzten Tagen die Zahl der Corona-Infektionen sprunghaft angestiegen. Im Rems-Murr-Kreis ist’s noch nicht so weit. Lässt der Anstieg der Zahlen dennoch Ähnliches befürchten?

Im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Ostalbkreis und im Kreis Biberach war die Zahl der Corona-Infektionen so sprunghaft angestiegen, dass jetzt Menschen ohne Immunisierung zwischen

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