Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis – die Prognose: Was sicher auf uns zukommt und was noch nicht absehbar ist

Warnapp
Corona-Warnapp - wie sind die derzeitigen Infektionszahlen im Rems-Murr-Kreis einzuordnen? © Joachim Mogck

Wo steuern wir hin, worauf dürfen wir hoffen, was müssen wir befürchten, was bringt der Januar? Manche sagen, die einzige wissenschaftlich fundierte Vorhersagetechnik in Sachen Corona bestehe derzeit darin, mit der Nase das Kaffeesatz-Aroma zu erschnobern. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht komplett richtig. Corona im Rems-Murr-Kreis: Versuch einer Prognose.

Corona, Prognose-Thema 1: Die Infektionszahlen

Die Infektionszahlen: Im Sinkflug, fast im freien Fall – während es zwischen dem 1. und 23. Dezember pro Woche fast 1000 Neuansteckungen im Rems-Murr-Kreis gab, ist der Trend seither harsch gebrochen; nur noch gut halb so viele Positiv-Befunde zwischen dem 24. und 30. Dezember.

Hier die Daten im Überblick: Gemeldete Neu-Infektionen im Rems-Murr-Kreis ...

  • vom 3. bis zum 9. Dezember: 946
  • vom 10. bis zum 16. Dezember: 967
  • vom 17. bis zum 23. Dezember: 990
  • vom 24. bis zum 30. Dezember: 562

Dass wir uns darob aber nicht allzu kühnen Hoffnungen hingeben sollten, hat sich herumgesprochen. Das Robert-Koch-Institut beschreibt es so: „Während der Feiertage und zum Jahreswechsel werden Covid-19-Fälle nur verzögert detektiert, erfasst und übermittelt.“

Ist der Rückgang bei den Infektionszahlen also ein Trugbild? Es könnte doch etwas mehr dahinterstecken ...

  • Als im Frühjahr die erste Welle hochgischtete, traten zwischen dem 17. und 21. März Zug um Zug Lockdown-Regeln in Kraft. Danach stieg im Rems-Murr-Kreis die Inzidenz (Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen) zunächst zwar noch bis Ende März weiter steil an, stagnierte dann aber und sank bald. Das spricht dafür, dass der Lockdown wirkte – was sich nach etwa zehn Tagen in den Zahlen zu spiegeln begann.
  • Dasselbe im November: Nachdem am 2. der Teil-Lockdown begonnen hatte, stieg die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis zunächst mit großem Schwung weiter bis zum 12., sank dann aber leicht; nach etwa zehn Tagen, genau wie im Frühjahr.
  • Allerdings verpuffte der Effekt diesmal schnell, im Dezember stieg die Inzidenz wieder; weshalb am 16. der Lockdown kam. Wenn aber seit dem 25. die Zahlen absacken, deckt sich das ungefähr mit der Zehn-Tage-Regel.

Zeigt sich da also tatsächlich ein – wenngleich von der statistischen Verzerrung durch weniger Tests und weniger Auswertungen optisch verstärkter – Lockdown-Effekt? Das ist zu hoffen und scheint durchaus plausibel. Eine wirklich belastbare Aussage wäre allerdings erst möglich, falls der Trend sich im Januar verstetigen würde.

Wird das geschehen? Das ist aus vier Gründen schwer zu sagen:

  • Niemand weiß genau, ob die Menschen die Regeln über Weihnachten eingehalten haben und an Silvester einhalten werden. Falls nein, würde ein Negativeffekt in Form steigender Infektionszahlen wohl ab dem 5. bis 10. Januar sichtbar.
  • Am 11. Januar beginnt wieder die Schule. Das könnte eine Anstiegstendenz auslösen – das Robert-Koch-Institut schrieb Anfang Dezember: „Zunehmend“ seien auch Infektionsketten „in Schulen und Kitas“ zu beobachten. Dieser Trend wurde durch die Ferien unterbrochen, könnte sich aber etwa ab dem 20. Januar wieder in der Infektionsbilanz spiegeln.
  • Welche Rolle wird die neue Virusvariante spielen, die deutlich ansteckender sein soll? Wir wissen es nicht.
  • Bis heute kann niemand schlüssig erklären, weshalb es nach der Stagnationsphase im November ab Anfang Dezember plötzlich wieder zu einem drastischen Anstieg der Fallzahlen kam. Selbst das RKI begnügt sich mit der Feststellung, dass es so war; und schreibt nicht, warum. Wenn so etwas früher geschehen ist, kann es auch künftig geschehen.

Corona, Prognose-Thema 2: Die Todesfallzahlen

So viel zu den Infektionszahlen. Was die Todesfallzahlen betrifft, lässt sich leider eine sehr viel zuverlässigere Prognose erstellen. Denn wer da die Zukunft absehen will, muss nur in die Vergangenheit blicken, was morgen geschieht, hat seine Ursachen im Gestern. Immer steigen zunächst die Ansteckungsbefunde und dann erst, mit etwa drei Wochen Verzögerung, die Todesfallmeldungen, weil es einige Zeit dauert, bis Infektionen in schwere, oft langwierige Krankheitsverläufe münden. Das bedeutet zweierlei:

  • Wenn Anfang eines Monats die Infektionszahlen hochschnellen, ist Ende des Monats vermehrt mit Sterbefällen zu rechnen.
  • Wenn das Infektionsgeschehen abklingt, dauert es noch Wochen, bis sich auch die Lage in den Intensivstationen entspannt.

Dieses Phänomen war bestürzend klar während der zweiten Welle ab dem 5. Oktober zu beobachten.

  • Im gesamten Oktober gab es nur fünf Todesfälle im Rems-Murr-Kreis.
  • Die Folgen der steigenden Infektionszahlen begannen erst im November durchzuschlagen: 32 weitere Todesfälle.
  • Im Dezember starben bislang 79 Infizierte, mehr als in jedem anderen Monat seit Beginn der Pandemie (zum Vergleich - März: 9; April: 62; Mai: 19; Juni: 3; Juli: 3; August: 1; September: 1).

Da aber die Inzidenz vom 10. bis zum 24. Dezember durchgängig zwischen 216 und 243 lag und damit permanent so hoch war wie nie zuvor in der Corona-Krise, ist leider absehbar, dass mindestens bis Mitte Januar ähnlich viele Menschen sterben wie derzeit. Selbst Ende Januar wird das momentan ja immer noch starke Infektionsgeschehen weiterhin bedrückende Auswirkungen zeitigen.

Und danach? Das hängt davon ab, wie sich in den nächsten Wochen die Inzidenz entwickelt.

Insofern passt präzise, was vor Weihnachten der Winnender Arzt Dr. Torsten Ade zur Lage in den Rems-Murr-Kliniken gesagt hat: Niemand wisse, ob es noch schlimmer wird; sicher sei nur, „dass es in den nächsten drei bis vier Wochen nicht deutlich besser wird“.

Wo steuern wir hin, worauf dürfen wir hoffen, was müssen wir befürchten, was bringt der Januar? Manche sagen, die einzige wissenschaftlich fundierte Vorhersagetechnik in Sachen Corona bestehe derzeit darin, mit der Nase das Kaffeesatz-Aroma zu erschnobern. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht komplett richtig. Corona im Rems-Murr-Kreis: Versuch einer Prognose.

Corona, Prognose-Thema 1: Die Infektionszahlen

Die Infektionszahlen: Im Sinkflug, fast im freien Fall –

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