Rems-Murr-Kreis

Corona-Impfungen starten bald: Auch in Waiblingen? Oder müssen Prio-Gruppen zunächst nach Stuttgart oder Rot am See?

Impfen
Symbolbild. © Benjamin Büttner

Die Arbeiten zur Einrichtung des Corona-Impfzentrums in der Waiblinger Rundsporthalle beginnen. Erste Vorbereitungen sollen schon an diesem Wochenende laufen. Derweil hat die Bundesregierung endlich eine Impf-Verordnung erlassen und priorisiert zu impfende Personen-Gruppen festgelegt. Was bedeutet dies alles für Impfwillige im Rems-Murr-Kreis? Ab wann kann man sich wo impfen lassen?

Das Landratsamt hat am Freitag (18.12.) einen Aufruf gestartet: „Zusammen schaffen: Sind Sie bereit, im Kreisimpfzentrum zu helfen?“ Gesucht werden Mitarbeitende für die Verwaltung und medizinisches Fachpersonal. Der Rems-Murr-Kreis baut gerade einen Personalpool für das künftige Impfzentrum auf. Rettungsdienste und Katastrophenschutz haben ihre Bereitschaft bekundet, freiwillige Helfer zu stellen. Das Landratsamt wird die für das Impfzentrum nötigen administrativen Aufgaben übernehmen. Die Rems-Murr-Kliniken zeichnen für die ärztliche verantwortlich, das Rote Kreuz für den medizinischen Dienst, teilt das Landratsamt mit.

Am Montag (18. 12.) wollen Landrat Dr. Richard Sigel und Oberbürgermeister Andreas Hesky Pressefotografen erste Eindrücke im Innern der zum Impfzentrum umzumodelnden Rundsporthalle erhaschen lassen. Auch andere Stadt- und Landkreise haben angekündigt, jetzt mit der Einrichtung ihrer Kreis-Impfzentren (KIZ) zu beginnen. Insgesamt werden es rund 50 in ganz Baden-Württemberg sein. Ob in den KIZ, und so auch in jenem in Waiblingen, bereits ab Mitte Januar geimpft werden kann, ist fraglich. Immerhin hat sich der Plan der Landesregierung, die neun Zentralen Impfzentren (ZIZ) bereits am 15. Dezember in Betrieb zu nehmen, auch zerschlagen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes für die EU erst für kommenden Montag (21.12.) angekündigt. Es handelt sich um den Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer. „Und die Bundesregierung hat nun endlich am Freitag eine Impf-Verordnung erlassen, wer wann, wie und wo priorisiert geimpft werden darf. Die war längst überfällig“, sagte Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Wer bekommt priorisiert Impf-Termine und voraussichtlich ab wann?

Laut Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn haben folgende Personengruppen „höchste Priorität“ und können sich voraussichtlich ab 27. Dezember bundesweit in den Zentralen Impfzentren impfen lassen:

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen gepflegt, behandelt oder betreut werden, oder dort tätig sind.
  • Personen, die in ambulanten Pflegediensten regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen betreuen.
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit einem sehr hohen Infektionsrisiko, besonders in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in Corona-Impfzentren.
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen mit sehr hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe haben - besonders in der Krebsbehandlung oder Transplantationsmedizin.

„Je nachdem, wie viele Impfdosen dem Land vom Bund zur Verfügung gestellt werden und wie viele sich impfen lassen wollen, dauert die Durchimpfung allein der höchsten Prio-Gruppe bis mindestens in den Februar, wenn nicht sogar März 2021 hinein“, sagte ein Sprecher des Landesministeriums für Integration und Soziales (inklusive Gesundheit) dieser Zeitung.

„Wenn wir so wie eigentlich vormals geplant, pro Tag 60 000 Impfungen in Baden-Württemberg landesweit vornehmen könnten, hätten wir nach zehn Tagen 600 000 Menschen geimpft, nach 20 Tagen 1,2 Millionen und wären schätzungsweise mit der höchsten Prio-Gruppe durch“, so der Ministeriumssprecher. „Natürlich lassen sich nicht alle impfen, es gibt ja keine Impfpflicht. Aber es ist sehr fraglich, dass wir so viele Impfstoffdosen für 60 000 Impfungen pro Tag überhaupt geliefert bekommen. Deshalb wird sich das alles sehr verzögern.“

Weitere, abgestuft priorisierte Gruppen werden in der Bundes-Impfverordnung genannt. Diese können also womöglich erst frühestens ab Februar, wahrscheinlich aber erst ab März geimpft werden.

Die zweite Gruppe mit Prioritätsstufe "hoch" besteht aus:

  • Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben
  • Personen mit sehr hohem oder hohem Risiko für einen schweren oder tödlichen Corona-Verlauf: mit Trisomie 21, Demenz oder geistiger Behinderung, nach Organtransplantation
  • eine enge Kontaktperson von Pflegebedürftigen und von Schwangeren
  • Beschäftigten, die geistig behinderte Menschen in Einrichtungen oder ambulanten Pflegediensten regelmäßig betreuen
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit hohem oder erhöhtem Corona-Ansteckungsrisiko - besonders Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt, Personal in Blut- und Plasmaspendediensten, in Corona-Testzentren
  • Polizei- und Ordnungskräften mit hohem Infektionsrisiko besonders bei Demonstrationen
  • Mitarbeitern im öffentlichen Gesundheitsdienst oder relevanten Positionen zum Aufrechterhalten des Klinikangebots
  • Bewohnern und Personal in Gemeinschaftsunterkünften für Obdachlose und Asylbewerber

Die dritte Gruppe mit Prioritätsstufe "erhöht" besteht aus:

  • Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben
  • Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren oder tödlichen Corona-Verlauf: mit Adipositas (Body-Mass-Index über 30), chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Immunschwäche oder HIV, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörung (Arrhythmie), Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit, arterieller Hypertension (Bluthochdruck), Schlaganfall, Krebs, Asthma, Autoimmunerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen
  • Personen in besonders relevanter Position des Staates - besonders in Verfassungsorganen (u.a. Bundestag, Bundesregierung), Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Justiz, Katastrophenschutz mit Technischem Hilfswerk
  • Personen in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen - besonders Apotheken, Pharma, Ernährungsbranche, Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft, Transport- und Verkehrswesen, Informationstechnik und Telekommunikation
  • Personal in medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Infektionsrisiko, besonders in Laboren; dortiges Personal, das keine Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten betreut
  • Personen im Lebensmitteleinzelhandel
  • Erzieherinnen, Lehrkräften
  • Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

Wie wird die Vergabe von Impfterminen ablaufen?

Die Terminvergabe für die Impfzentren, sowohl die Zentralen Impfzentren als auch die Kreis-Impfzentren, werde über die bekannte und kostenlose Patienten-Service-Telefonnumer 116117 laufen, sagt KVBW-Sprecher Kai Sonntag.  „Das ist jetzt schon die zentrale Telefonnummer zur Vermittlung von Terminem bei Fachärzten und dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst.“ Da werde dann, wenn es so weit ist, eine Schleife geschaltet, nach dem Motto: „Benötigen sie einen Corona-Impftermin, dann drücken Sie die Taste XY. Geht es um einen Facharzttermin, dann drücken Sie...“

Callcenter-Mitarbeiter werden über eine Software Zugriff auf die Termin-Listen aller Impfzentren im Land haben: „Man kann angeben, wo man gerne geimpft werden möchte, und dann kommt es halt auf die jeweilige Termindichte an, wann man wo drankommen könnte“, erläuterte ein Ministeriumssprecher, der betont, dass es auch die Möglichkeiten der Impftermin-Buchung online und per App geben wird. Einzelheiten würden noch bekannt gegeben.

Wer zur höchsten Prio-Gruppe gehört, kann sich also schon bald dort melden und um einen Termin bemühen.

Bekommen priorisierte Personen aus dem Rems-Murr-Kreis auch anderswo Impf-Termine?

KVBW-Sprecher Kai Sonntag geht nicht davon aus, dass in den Zentralen Impfzentren ab Ende Dezember bevorzugt oder gar ausschließlich priorisierte Gruppen aus einem engen Kilometer-Umkreis zuerst geimpft werden. „Die Zentralen Impfzentren sind ausdrücklich landesweite Impfzentren. Aber klar wird jemand aus dem Welzheimer Wald wohl nicht zu einem Impftermin nach Freiburg vermittelt werden, sondern eher nach Stuttgart oder nach Rot am See.“

Die Standorte der Zentralen Impfzentren befinden sich auf den vier Messen-Geländen von Freiburg, Ulm, Offenburg und Karlsruhe. Außerdem zwei in Stuttgart, und zwar im Bosch-Krankenhaus und im Katharinenhospital; eines im Patrick-Henry-Village in Heidelberg; eines in der Paul-Horn-Arena in Tübingen; und eines auf dem, Betriebsgelände eines Logistik-Unternehmens mit Tiefkühl-Kapazitäten in Rot am See (Landkreis Schwäbisch Hall).

„Bei der Zuordnung von Impfterminen zu einem ZIZ oder ab Mitte Januar dann zu einem KIZ wird es keinen Zwang geben“, betonte ein Ministeriumssprecher. „Wenn sie beispielsweise aus Schorndorf kommen, aber in Stuttgart arbeiten, können sie natürlich den Wunsch äußern, im Robert-Bosch-Krankenhaus oder Katharinen-Hospital geimpft zu werden. In den dortigen ZIZ werden nicht nur bevorzugt Stuttgarter geimpft werden.“

Mobile Impfteams für Pflegeheime: „Sicher nicht wie ein SEK-Einsatz“

Zusätzlich sollen Mobile Impfteams (MIT) eingerichtet werden. „Die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen kann man ja nicht alle in die Impfzentren bringen“, sagt KVBW-Sprecher Sonntag. Wird es im Rems-Murr-Kreis kreiseigene MIT geben und ab wann? Darauf war am Freitag keine Antwort zu bekommen. „Zu viele Dinge sind noch nicht geklärt“, so Kreis-Pressesprecherin Martina Keck am Freitag (18.12.).

„An mehreren Zentralen Impfzentren wurden bereits MIT aufgebaut“, sagte hingegen ein Sprecher des Landes-Sozialministeriums. „Zum Beispiel fünf am Robert-Bosch-Krankenhaus und fünf am Katharinen-Hospital. Und die sind nicht nur für Stuttgart gedacht.“ Diese MIT hätten bereits damit angefangen, Senioren- und Pflegeheime im Großraum anzuschreiben, um abzuklären, wer Impfbedarf habe.

„Es wird ja nicht so ablaufen, dass wir wie bei einem SEK-Einsatz mit Schutzanzügen in die Heime reinstürmen und jeden zwangsimpfen“, witzelte der Ministeriumssprecher. „Die Heime müssen erst selbst vor Ort schauen, wer sich impfen lassen möchte. In der Regel sind in Pflegeheimen 60 Prozent der Bewohner dement. Da muss also der jeweilige Betreuer gefragt werden. Dann ist vor einer Impfung jeweils immer noch ein Aufklärungs-Telefongespräch mit einem Arzt zu führen. Das sind alles sehr langwierige Vorgänge. Wir schätzen, dass vom Moment der Kontaktaufnahme mit einem Heim bis zum Zeitpunkt, dass ein MIT dort zum Impfen hinfahren darf, mindestens ein bis zwei Wochen vergehen. Das hängt auch von der Reaktionsschnelligkeit des Pflegeheims ab.“

Wer bezahlt das alles?

Das Landes-Sozialministerium bestätigt: „Der Bund bezahlt die Impfstoffe, das Land die Impfungen.“ Jedoch werde nach einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz eine hälftige Finanzierung aus Mitteln der Krankenkassen angestrebt.

Dem Vernehmen nach, hat Gesundheitsminister Manfred Lucha bereits detaillierte Kostenvoranschläge und Pläne zum Aufbau der Kreisimpfzentren als Kabinettsvorlage eingebracht habe. Danach könnten sich die monatlichen Personalkosten pro Kreis-Impfzentrum auf über 800 000 Euro belaufen. Nicht nur das medizinische Fachpersonal (Ärzte, Sanitäter, Laboranten), sondern auch Kommunikatoren, Registrierer, Dolmetscher, ja Reinigungskräfte wollen bezahlt werden. Hinzu kämen die monatlichen Mietkosten von 40- bis 50 000 Euro je Kreis-Impfzentrum und verschiedenste einmalige Ausstattungskosten von mehreren 10.000 Euro sowie Materialkosten.

Für den Zeitraum 15. Januar bis 30. Juni 2021 könnten sich die Gesamtkosten für alle rund 50 Kreis-Impfzentren in Baden-Württemberg auf über 250 Millionen Euro belaufen. Hier sind die Kosten für Zentrale Impfzentren nicht eingerechnet. Für den Betrieb der Zentralen Impfzentren und der Kreis-Impfzentren zusammen genommen könnten insgesamt eine halbe Milliarde Euro an Kosten anfallen. Die Landesregierung wird wohl Mittel der „Rücklage für Haushaltsrisiken“ abrufen müssen, heißt es.

Ab Juli 2021 sollen Corona-Impfungen im regulären Arztpraxen-Betrieb möglich werden und die Impfzentren schließen. Dieser Zeitplan der Corona-Impfstrategie der Landesregierung könnte sich aber auch insgesamt gesehen weiter nach hinten verschieben.

Die Arbeiten zur Einrichtung des Corona-Impfzentrums in der Waiblinger Rundsporthalle beginnen. Erste Vorbereitungen sollen schon an diesem Wochenende laufen. Derweil hat die Bundesregierung endlich eine Impf-Verordnung erlassen und priorisiert zu impfende Personen-Gruppen festgelegt. Was bedeutet dies alles für Impfwillige im Rems-Murr-Kreis? Ab wann kann man sich wo impfen lassen?

Das Landratsamt hat am Freitag (18.12.) einen Aufruf gestartet: „Zusammen schaffen: Sind Sie bereit, im

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