Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr-Kreis: Was bringt der April? Und was der Herbst? Die Prognose

Coronavirus, Covid. SARS-Cov-2
Das Virus. © Pixaybay

Am 3. April fallen wohl die Masken, an Schulen und vielen anderen Orten – und dann? Wird sich die Lage verschärfen? Und wie lautet die Prognose für den Herbst? Antworten auf Schlüsselfragen zur derzeitigen und künftigen Lage im Rems-Murr-Kreis (Stand: 25. 3. 2022).

Trifft das Wort "exorbitant" das derzeitige Infektionsgeschehen?

Aber hallo! Halten Sie sich fest: Gut 105.000 Infektionen wurden bislang im gesamten Verlauf der Pandemie seit März 2020 im Rems-Murr-Kreis diagnostiziert – mehr als 60 Prozent davon im Jahr 2022!

Von Samstag bis Freitag, 19. bis 25. März, sind im Rems-Murr-Kreis 7545 Neu-Ansteckungen gemeldet worden. Das sind so viele binnen sieben Tagen wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Sind die Zahlen realistisch?

Bei den derzeitigen Infektionsmeldungen handle es sich doch nur noch um Schätzwerte, höhnen manche. Das stimmt nicht. Richtig ist: Die jeweils aktuell vom Landratsamt angegebenen Zahlen sind unvollständig; sie werden aber durch die Bank nachträglich präzisiert. Sprich: nach oben korrigiert.

Beispiel: Für die Woche vom 12. bis zum 18. März war ursprünglich von 6832 Infektionen die Rede. Mittlerweile wurde die Zahl um satte 609 Fälle auf 7441 berichtigt.

Damit sind auch die Daten für die vergangenen Tage unter Vorbehalt zu stellen.

Es ist damit zu rechnen, 

Wie ist die Lage in den Kliniken?

Es ist frappierend, wie wenig die seit zwei Monaten enormen Omikron-Infektionszahlen auf die Rems-Murr-Kliniken durchschlagen: In dieser gesamten Hochinzidenzzeit waren durchweg weniger als zehn Covid-Intensivpatienten gleichzeitig zu behandeln, oft weniger als fünf, manchmal nur einer! Derzeit: drei; wobei niemand beatmet wird.

Vergleich zu den schlimmsten Pandemiephasen im Winter 2020/21 und Spätherbst 2021: Da waren es phasenweise 25 und mehr gleichzeitig! Die meisten von ihnen mussten beatmet werden.

Folgerung: Solange Omikron das Geschehen bestimmt, ist mit einer grenzwertigen Belastung der Intensivstationen auch künftig überhaupt nicht zu rechnen.

Drohen Krankheitsausfälle?

Dies ist die größte Gefahr, die von den Regellockerungen im April ausgehen könnte: Falls daraufhin die Infektionszahlen noch einmal drastisch steigen sollten und sich deutlich mehr Leute als derzeit schon in den Krankenstand begeben müssten, ist akute Personalnot in manchen Unternehmen und auch den Rems-Murr-Kliniken oder bei Institutionen wie Feuerwehr und Polizei nicht auszuschließen.

Wer sind derzeit die Infektionstreiber?

Mitte der Woche waren rund 7700 Menschen im Rems-Murr-Kreis aufgrund einer aktuellen Infektion in Quarantäne. Davon entfielen (gerundet) ...

  • 40 Prozent auf die Altersgruppe 0 bis 30,
  • 46 Prozent auf die Altersgruppe 31 bis 60,
  • 13 Prozent auf die Gruppe 61 und älter.

Die mittleren Jahrgänge die Infektionstreiber? Moment. Das Bild ist etwas verzerrt, weil die Altersgruppen verschieden groß sind. Im Rems-Murr-Kreis gehören zur ...

  • Gruppe 0 bis 30 rund 136.000 Menschen,
  • Gruppe 31 bis 60 rund 177.000 Menschen,
  • Gruppe 61 plus rund 114.000 Menschen.

Deshalb empfiehlt sich ein genauerer Blick: Wie viele Menschen pro 1000 Leute sind derzeit – gerundet auf ganze Zahlen – in der jeweiligen Altersgruppe wegen Infektion isoliert?

  • 0 bis 10 Jahre: 17 pro 1000
  • 11 bis 20 Jahre: 27 pro 1000
  • 21 bis 30 Jahre: 24 pro 1000
  • 31 bis 40 Jahre: 23 pro 1000
  • 41 bis 50 Jahre: 21 pro 1000
  • 51 bis 60 Jahre: 17 pro 1000
  • 61 bis 70 Jahre: 12 pro 1000
  • 71 bis 80 Jahre: 6 pro 1000
  • 81 Jahre und älter: 7 pro 1000

Daraus lässt sich mehrerlei ableiten:

  • Die Kinder sind momentan eindeutig nicht die Haupt-Infektionstreiber; unter neun Altersgruppen liegen sie, was die Ansteckungsdichte betrifft, nur auf Platz fünf. Und das, obwohl die Kleinen jede Menge Schnelltests über sich ergehen lassen müssen.
  • Auch die Jugendlichen sind im Vergleich zu den mittleren Gruppen zumindest nicht krass stärker betroffen. Von 11 bis 50 Jahren gilt nämlich: Durchweg sind etwa zwei bis drei Leute unter hundert Menschen angesteckt.
  • Spannende Frage: Wird sich das ändern, wenn die Schulmaske fällt?
  • Erfreulich: Die besonders gefährdeten Älteren, Alten und Ältesten sind dank einer überdurchschnittlich guten Impfquote offenbar nicht nur sehr gut gegen schwere Verläufe geschützt, sondern auch recht ordentlich gegen einfache Ansteckungen.

Was bringt der Herbst?

Deutschland hat die Pandemiesommer 2020 und 2021 verschnarcht und vergeigt: Unvorbereitet, uneinig und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen stolperten wir jeweils im Herbst in schlimme Not. Viele Menschen verdrängen die schrecklichen Folgen bis heute so gründlich, dass man wohl von einer „Unfähigkeit zu trauern“ sprechen muss.

Im Rems-Murr-Kreis starben um die Jahreswende 2020/21 binnen drei Monaten 186 Menschen im Zusammenhang mit einer Infektion. Das böse Spiel wiederholte sich im Winter 2021/22. Immerhin half nun, dass bereits viele Menschen geimpft waren. Dennoch: 122 Todesfälle in einem Vierteljahr.

Allein während dieser beiden recht kurzen Krisenphasen starben also 308 Menschen – in allen 19 anderen Pandemie-Monaten zusammen waren es nur 240.

Kann sich so etwas wiederholen? Der Virologe Christian Drosten hat dazu diese Woche der „Zeit“ ein Interview gegeben. Er klang eigentlich recht gelassen.

Im Herbst sollten „für Risikopatienten wirksame Medikamente bereitliegen“; für Alte und Vorerkrankte empfehlen sich obendrein „Auffrischungsimpfungen“; sprich: Dosis Nummer 4. Abgesehen davon aber könnten „relativ milde Maßnahmen“ reichen, um das Infektionsgeschehen einzuhegen – und die „jungen dreifach Geimpften“ könnten sich gar „frei bewegen“.

Großes Fragezeichen: Mit was für einem Virus werden wir es dann überhaupt zu tun haben? Mit Omikron oder einer Omikron-Abart? Dann müssten wir uns nicht groß sorgen. Denkbar, sagt Drosten, sei aber auch die Rückkehr von Alpha und Delta in originaler oder modifizierter Form. Oder mit "Deltakron"? Auch ganz neue Corona-Mutationen sind möglich: „Die Virologie steht mit offenem Mund staunend davor, wie schnell immer neue Varianten des Virus entstehen.“

Dennoch: Tendenziell sieht es gut aus mit Blick auf den Herbst.

Und die Impfpflicht?

Komischerweise stellt der Reporter im Zeit-Interview eine Frage nicht; und Drosten kommt von sich aus auch nicht darauf zu sprechen: Allgemeine Impfpflicht ja/nein?

Was hat diese irritierende kommunikative Leerstelle zu bedeuten? Da können wir nur spekulieren: Womöglich rechnet weder der Virologe noch der Zeit-Journalist ernsthaft mit der ganz großen Lösung.

Am 3. April fallen wohl die Masken, an Schulen und vielen anderen Orten – und dann? Wird sich die Lage verschärfen? Und wie lautet die Prognose für den Herbst? Antworten auf Schlüsselfragen zur derzeitigen und künftigen Lage im Rems-Murr-Kreis (Stand: 25. 3. 2022).

Trifft das Wort "exorbitant" das derzeitige Infektionsgeschehen?

Aber hallo! Halten Sie sich fest: Gut 105.000 Infektionen wurden bislang im gesamten Verlauf der Pandemie seit März 2020 im

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