Rems-Murr-Kreis

Corona: Ungeimpfte und Geimpfte in den Rems-Murr-Kliniken - die harten Fakten

Intensiv neu
Wie viele Ungeimpfte mussten seit Sommer intensivmedizinisch in den Rems-Murr-Kliniken behandelt werden? Und wie viele Geimpfte? Detaillierte Daten geben Aufschluss. © Adobestocvk/Firma V

Kaum eine Frage ist uns in jüngerer Zeit öfter (meist mit vorwurfsvollem Unterton) gestellt worden: Stimme das Gerücht, dass in Wahrheit in den Rems-Murr-Kliniken ein erheblicher Anteil der Covid-Patienten geimpft sei – „und warum schreibt ihr das nicht endlich?“ Die folgenden Klinikdaten geben darauf sehr detailliert Antwort. Die Kurzversion vorab: Ungeimpfte sind krass stärker gefährdet.

Erste Annäherung: Covid-Patienten vom 1. Juli bis zum 14. November

Für die Abfrage bei den Rems-Murr-Kliniken haben wir den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 14. November gewählt. Denn im ersten Halbjahr 2021 war im Kreis die Impfquote noch so niedrig, dass ein Vergleich wenig ergiebig ist. Ende Juni indes waren im Rems-Murr-Kreis immerhin schon 30 Prozent doppelt geimpft und Ende Oktober bereits etwa 60 Prozent. Bis zum 14. November stieg die Kreis-Impfquote auf 61,5 Prozent.

  • Insgesamt wurden im Betrachtungszeitraum 309 Menschen stationär behandelt wegen einer Covid-Erkrankung. Davon ungeimpft: 231 (75 Prozent).
  • Bei 81 der Covid-Patienten spitzte sich die Lage so zu, dass intensivmedizinische Versorgung notwendig wurde. Davon ungeimpft: 73 (90 Prozent).

Zwischenbilanz: Ungeimpfte sind in krasser Weise stärker gefährdet. Aber Moment – hat sich das zuletzt vielleicht geändert?

Zweite Annäherung: Covid-Patienten nur im November

In der Tat wäre eine Verschiebung der Verhältnisse zu erwarten: Je mehr Leute geimpft sind, desto größer wird ihr Anteil am Erkrankungsgeschehen, das ist simple Mathematik. Zur Veranschaulichung ein fiktives Rechenbeispiel – angenommen, mit Impfung läge die Erkrankungsgefahr bei 1 Prozent, ohne Impfung bei 10 Prozent, dann ergäbe sich Folgendes:

  • In einer Gruppe mit 500 Geimpften und 500 Ungeimpften läge der Anteil der Ungeimpften am Erkrankungsgeschehen bei über 90 Prozent. Denn erkranken würden 5 Geimpfte und 50 Ungeimpfte.
  • In einer Gruppe mit 900 Geimpften und 100 Ungeimpften läge der Anteil der Ungeimpften am Erkrankungsgeschehen nur bei 52 Prozent! Denn erkranken würden 9 Geimpfte und 10 Ungeimpfte.

Allein schon aufgrund dieser statistischen Logik müsste derzeit (Impfquote 61,5 Prozent) der Anteil der Geimpften am Krankheitsgeschehen höher sein als zwischen Anfang Juli und Ende Oktober (Impfquote zunächst 30, später 60 Prozent).

Hinzu kommt: Der Impfschutz lässt langsam nach; vor allem für betagte Leute, die bereits früh im Jahr 2021 ihren Piks bekamen, steigt die Gefahr eines Impfdurchbruchs. Auch das könnte dazu führen, dass der Anteil der Geimpften am Krankheitsgeschehen mit der Zeit steigt.

Und das sind die Daten für den Zeitraum vom 1. bis zum 14. November:

  • 102 Menschen wurden stationär behandelt wegen Covid-Erkrankung. Davon ungeimpft: 66 (65 Prozent).
  • Bei 25 der Covid-Patienten spitzte sich die Lage derart zu, dass eine intensivmedizinische Versorgung notwendig wurde. Davon ungeimpft: 22 (88 Prozent).

Zwischenbilanz: Auch wenn sich die Verhältnisse erwartungsgemäß leicht verschoben haben, sind Ungeimpfte weiterhin in krasser Weise stärker gefährdet.

Aber schauen wir noch genauer hin ...

Dritte Annäherung: Covid-Patienten nach Altersgruppen

Schlüsseln wir nun alle Fälle vom 1. Juli bis zum 14. November nach Altersgruppen auf:

  • 0 bis 17 Jahre: 14 Patienten hospitalisiert, alle ungeimpft (100 Prozent).
    Davon ein Patient auf der Intensivstation, alle ungeimpft (100 Prozent).
  • 18 bis 39 Jahre: 38 Patienten hospitalisiert, 35 ungeimpft (92 Prozent).
    Davon 6 Patienten auf der Intensivstation, alle ungeimpft (100 Prozent).
  • 40 bis 59 Jahre: 77 Patienten hospitalisiert, 66 ungeimpft (86 Prozent).
    Davon 25 Patienten auf der Intensivstation, alle ungeimpft (100 Prozent).
  • 60 bis 79 Jahre: 104 Patienten hospitalisiert, 81 ungeimpft (78 Prozent).
    Davon 38 Patienten auf der Intensivstation, 33 ungeimpft (87 Prozent).
  • 80 Jahre und älter: 76 Patienten hospitalisiert, 35 ungeimpft (46 Prozent).
    Davon 11 Patienten auf der Intensivstation, 8 ungeimpft (73 Prozent).

Daraus lassen sich Erkenntnisse ableiten ...

Vierte Annäherung: Beobachtungen und Einordnungen

Einige Auffälligkeiten verdienen nähere Erwähnung und Erklärung:

  • Kein einziger geimpfter Mensch unter 60 Jahren musste im Betrachtungszeitraum in den Rems-Murr-Kliniken intensivmedizinisch behandelt werden. Hingegen landeten 31 Ungeimpfte unter 60 Jahren auf der Intensivstation.
  • Bei Geimpften unter 60 Jahren ist auch die Gefahr einer einfachen Hospitalisierung äußerst gering: Es gab in den Rems-Murr-Kliniken im Betrachtungszeitraum nur 14 solcher Fälle. Bei den Ungeimpften waren es hingegen 115.
  • Selbst in den beiden höchsten Altersgruppen, wo die Impfquote landesweit schon Anfang Juli weit überdurchschnittlich war und mittlerweile bei 84 Prozent liegt, gab es bislang unter Geimpften nur 8 Intensivfälle; in der kleinen Teilgruppe der Ungeimpften waren es hingegen 41.
  • In der höchsten Altersgruppe ab 80 ist zu beobachten, dass die Impfung gegen eine Intensiv-Eskalation noch sehr gut schützt. Bei der einfachen Hospitalisierung aber ist die Mehrzahl der Fälle (41 von 76) geimpft. Das liegt einerseits daran, dass die Impfung im hohen Alter weniger gut anschlägt (weshalb hier die Booster-Impfung besonders dringend zu empfehlen ist). Andererseits und vor allem aber liegt es daran, dass es eben unter den Betagten schon im Juni 2021 viel mehr Geimpfte als Ungeimpfte gab.

Christoph Schmale, Pressesprecher der Rems-Murr-Kliniken, ergänzt: Die wenigen Menschen, die trotz einer Impfung auf der Intensivstation landeten, hätten fast alle Risikogruppen angehört. Sprich, sie brachten neben der Covid-Infektion Vorerkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Lungen- und Atemwegserkrankungen, Krebs oder Adipositas mit. Und: „Unsere Statistik deckt sich mit der bundesweiten Aussage, dass etwa 90 Prozent der Intensiv-Corona-Patienten ungeimpft sind.“

Bilanz: Man kann es drehen und wenden, wie man will – Ungeimpfte sind in krasser Weise stärker gefährdet.

Kaum eine Frage ist uns in jüngerer Zeit öfter (meist mit vorwurfsvollem Unterton) gestellt worden: Stimme das Gerücht, dass in Wahrheit in den Rems-Murr-Kliniken ein erheblicher Anteil der Covid-Patienten geimpft sei – „und warum schreibt ihr das nicht endlich?“ Die folgenden Klinikdaten geben darauf sehr detailliert Antwort. Die Kurzversion vorab: Ungeimpfte sind krass stärker gefährdet.

Erste Annäherung: Covid-Patienten vom 1. Juli bis zum 14. November

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