Rems-Murr-Kreis

Corona: Wie viel Lärm muss ich im Homeoffice ertragen?

Home-Office-Angebotspflicht
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Viele haben coronabedingt die vergangenen Wochen im Home-Office verbracht. Diejenigen, die sonst einen weiten Arbeitsweg haben, dürften sich über die Zeitersparnis gefreut haben. Für andere hingegen war das Arbeiten von zu Hause aus eine Geduldsprobe. Etwa dann, wenn zu laute Nachbarn oder Baustellenlärm das Arbeiten erschwert haben. Doch müssen Nachbarn wegen der Heimarbeit mehr Rücksicht auf mich nehmen?

„Nein“, sagt Dr. Ulrich Brachmann, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht von der Kanzlei Künzel & Partner in Waiblingen. Home-Office während der Corona-Pandemie hat an den bisherigen Arbeitsverhältnissen nichts geändert. Führt der Nachbar umfassende Renovierungsarbeiten durch, sollte er Rücksicht nehmen. Das heißt, er sollte abwägen, ob er seine Nachbarn stört. Lärmgeschädigte können den Renovierenden jedoch nicht dazu zwingen, leise zu sein.

Worauf es ankommt, wenn der Nachbar renoviert

Wichtig für Betroffene ist vor allem, wie lange die Renovierungsarbeiten andauern. Sind es lediglich einige Tage oder mehrere Wochen? Zu welchen Uhrzeiten tritt der Lärm auf? Wie lange dauert er?

Dauern die Arbeiten des Nachbarn ein oder zwei Wochen an, muss man den Lärm ertragen, erklärt Brachmann. Das bestätigt auch Heidi Knop vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Waiblingen. Ziehen sich die Renovierungsarbeiten über mehrere Wochen hin, raten sowohl Brachmann als auch Knop dazu, sich an den Vermieter oder die Hausverwaltung zu wenden.

Dieser bzw. diese ist verpflichtet, für Abhilfe zu sorgen. Kümmert der Vermieter sich nicht um eine Besserung, kann der Mieter die Miete mindern, erklärt Knop. Wichtig sei, die geplante Mietminderung vorher schriftlich anzukündigen.

Wie sieht es mit der Mittagsruhe aus?

Wie es sich mit den Ruhezeiten verhält, hängt laut Brachmann von den jeweiligen Kommunen ab. Eine generelle Ruhezeit gibt es nicht, sondern lediglich eine allgemeine Richtschnur. Der Nachbar darf nicht zwischen 22 und 7 Uhr bohren oder hämmern. Laut Knop regelt jede Gemeinde bzw. die Hausordnung im jeweiligen Mietvertrag die Ruhezeiten. Eine pauschal festgelegte Ruhezeit gibt es nicht, das bestätigt auch Knop.

Auf Nachfrage teilt die Stadt Waiblingen mit, dass es seit vielen Jahren keine allgemein geregelte Mittagsruhe mehr in Deutschland gibt. Auch in der städtischen Polizeiverordnung sei sie nicht mehr enthalten.

Lärmgeplagten rät die Stadt, einen Blick in die Hausverordnung zu werfen. Dort ist in der Regel eine Mittagsruhe festgelegt, an die sich die Mieter halten müssen. Verstößt ein Nachbar gegen die Hausordnung, handelt es sich jedoch um privatrechtliche Angelegenheiten. Dafür ist nicht das Ordnungsamt zuständig, sondern der Vermieter oder die Hausverwaltung.

Wann gibt es Einschränkungen? Was gilt bei Baustellenlärm oder besonders lauten Geräten?

Grundsätzlich dürfen Nachbarn von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends haushaltsübliche Geräte verwenden. Einschränkungen gibt es gemäß der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. Bundesimmissionsschutzverordnung) nur zwischen 20 und 7 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen. Auch Lärm, den nahe gelegene Baustellen erzeugen, müssen Betroffene zwischen 7 und 20 Uhr hinnehmen. Außerhalb dieser Zeit besteht die Möglichkeit, die Gewerbeaufsicht einzuschalten. Besitzt die Baufirma jedoch eine Sondergenehmigung, ist auch hier nichts zu machen.

Gesonderte Einschränkungen gelten hingegen für besonders laute Geräte. Dazu zählen motorbetriebene Laubbläser und Laubsammler, Grastrimmer, Graskantenschneider und Freischneider. Diese dürfen werktags von 17 bis 9 Uhr und von 13 bis 15 Uhr nicht betrieben werden.

Wie verhält es sich mit Kinder- und Hundelärm?

Schwierig wird es bei Lärm, der von Kindern oder Hunden verursacht wird. Tobende Kinder oder schreiende Babys muss man dulden. Bellt der Nachbarshund immer mal wieder, während sein Besitzer arbeiten ist, kann auch hier nichts unternommen werden. Anders sieht es aus, wenn das Tier stundenlang am Stück bellt oder jault. In diesem Fall besteht laut der Stadt Waiblingen die Möglichkeit, das Veterinäramt einzuschalten, da es dabei um den Tierschutz geht.

Was ist, wenn ich im Home-Office absolut nicht arbeiten kann?

Im Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz, kurz IfSG) ist die Arbeit im Home-Office geregelt. „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Die Beschäftigten haben dieses Angebot anzunehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen.“

Wer triftige Gründe vorweisen kann, kann auch weiterhin im Büro arbeiten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen ihren Vorgesetzten ihre Gründe schriftlich mitteilen. Zu den triftigen Gründen zählen zum Beispiel eine unzureichende technische Ausstattung, räumliche Enge, aber auch Störungen durch Dritte, die eine Arbeit von zu Hause aus unmöglich machen. Die sogenannte "Homeoffice-Pflicht" läuft zum 30. Juni aus.

Viele haben coronabedingt die vergangenen Wochen im Home-Office verbracht. Diejenigen, die sonst einen weiten Arbeitsweg haben, dürften sich über die Zeitersparnis gefreut haben. Für andere hingegen war das Arbeiten von zu Hause aus eine Geduldsprobe. Etwa dann, wenn zu laute Nachbarn oder Baustellenlärm das Arbeiten erschwert haben. Doch müssen Nachbarn wegen der Heimarbeit mehr Rücksicht auf mich nehmen?

„Nein“, sagt Dr. Ulrich Brachmann, Fachanwalt für Miet- und

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