Rems-Murr-Kreis

Da Vinci, der Roboter: Der Star-Operateur an den Rems-Murr-Kliniken zittert nie

Lungensymposium
Operieren mit Joystick, 3-D-Bildschirm und Da-Vinci-Roboter. © ALEXANDRA PALMIZI

Bei Lungen- und Atemwegserkrankungen ist interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig – der Star aber beim Lungensymposium der Rems-Murr-Kliniken im Alfred-Kärcher-Auditorium Winnenden war kein ärztliches Team und auch kein einzelner Mediziner, sondern ein Roboter, der bei Operationen spektakuläre Möglichkeiten eröffnet. Rund 80 Ärzte und auch ein paar Pharmavertreter nahmen an dem Treffen am Samstag teil und staunten über "Da Vinci".

Gastgeber des Symposiums waren Professor Dr. Alessandro Marra, Chefarzt der Winnender Thoraxchirurgie, und Dr. Tobias Merk als Chefarzt der Pneumologie in Winnenden. Sie stellten den „Da-Vinci-OP-Roboter“, mit dem Patienten operiert werden, auch für praktische Übungen zur Verfügung, um aufzuzeigen, wie modern die Ausstattung des Rems-Murr-Klinikums sei.

Was Unterwäsche, Zehennägel und Haut über die Lunge verraten

„Zwei Jahre lang war kein Symposium möglich“, erinnerte sich Landrat Dr. Richard Sigel als Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken an die Eröffnung des Lungenzentrums im Jahr 2019. Da die Corona-Pandemie alle in Atem gehalten habe, halte er es für umso wichtiger, transparent zu machen, dass Patienten im Rems-Murr-Kreis „auf Spitzenniveau“ versorgt werden können.

Die Kliniken in Winnenden und in Schorndorf, so das erklärte Ziel, seien auf dem Weg zu einem bedeutenden Gesundheitsstandort in der Region Stuttgart.

„Das muss der Landkreis anbieten“, berichtete Tobias Merk aus dem Lungenzentrum, wo in der „Tumorkonferenz“ alle Fachdisziplinen an einen Tisch kämen, um die bestmögliche Therapie für Kranke zu finden. Er brachte Fallbeispiele von Patienten, wo die Mediziner über Symptome in ganz anderen Körperregionen als der Lunge oder den Atmungsorganen auf die tatsächliche Krankheit kamen. „Über die Lunge hinauszudenken und mit anderen Fachdisziplinen zusammenzuarbeiten“, habe schon für so manchen Patienten ein Happy End gebracht.

Wie zum Beispiel die Lunge mit der Haut zusammenhängt, erklärte Dr. Joachim Weber, Lungenfacharzt aus Tuttlingen. Auch er führte Beispiele an, woran Hausärzte, Internisten, HNO-Ärzte, Gynäkologen, Urologen und Kardiologen vom komischen Fleck in der Unterwäsche über seltsame Hustenauswürfe, Probleme bei der Atmung und Hautausschläge bis hin zu gelben Zehennägeln erkennen könnten, dass sie Patienten besser dem Lungenzentrum zuweisen, anstatt Cortisontabletten und Sprays zu verschreiben. Auch alle Autoimmunerkrankungen könnten zuweisende Ärzte an der Lunge manifestieren.

Die Ärzte konnten beim Symposium nach jedem Vortrag Fragen stellen und sich bei den Fallbeispielen am Finden der richtigen Diagnose beteiligen. Am Bildschirm sahen sie mit Professor Alessandro Marra, was der als Operateur eingesetzte Roboter bei Lungentumoren, Lungenmetastasen, Lungenabszessen oder Brustwandtumoren leisten kann.

Da Vinci: Operieren mit der Hand am Joystick und Blick auf den 3-D-Bildschirm

Wann er den Roboter einsetzt, der er eine ruhigere Hand habe als ein Mensch, entscheide der Chirurg, berichtete Marra aus der Praxis. Im Falle des Robotereinsatzes befinde sich die steuernde Hand des Arztes dann an einem Joystick – und der Roboter übernehme die Rolle des Assistenzarztes. „Auch der Chirurg mit der ruhigsten Hand hat einen unterbewussten Tremor“, erklärte Marra.

Weltweit würden schon Millionen Menschen jeden Tag mit dem Roboter minimalinvasiv operiert. Die Vorteile gegenüber offenen chirurgischen Eingriffen mit relativ großen Schnitten beim Eingriff in den Körper liegen auf der Hand: kleinere Schnittwunden, dadurch geringerer Blutverlust, weniger Schmerzen, kürzerer Klinikaufenthalt und schnellere Heilung.

Von selbst macht der Roboter natürlich keine Bewegung. Er wird vom Arzt gesteuert, der auf einem Bildschirm dreidimensional alles viel größer sieht als mit dem bloßen Auge.

Wie präzise „da Vinci“ arbeiten kann, sahen die Teilnehmer beim Lungensymposium, als dieser beispielsweise schlaffe Muskeln an der Thymusdrüse zusammenfaltete. Der Roboter konnte am Zwerchfell auch besser nähen als eine menschliche Hand. Alessandro Marra auf die Frage eines Zuhörers zum ferngesteuerten Assistenzarzt im OP-Alltag: „Es ist uns nur zweimal passiert, dass wir umsteigen mussten vom Roboter auf die Hand.“

Bei Lungen- und Atemwegserkrankungen ist interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig – der Star aber beim Lungensymposium der Rems-Murr-Kliniken im Alfred-Kärcher-Auditorium Winnenden war kein ärztliches Team und auch kein einzelner Mediziner, sondern ein Roboter, der bei Operationen spektakuläre Möglichkeiten eröffnet. Rund 80 Ärzte und auch ein paar Pharmavertreter nahmen an dem Treffen am Samstag teil und staunten über "Da Vinci".

Gastgeber des Symposiums waren Professor Dr.

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