Rems-Murr-Kreis

Dank Corona-Maßnahmen: Hand-Fuß-Mund-Krankheit im Kreis fast verschwunden

Coronatest
Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Ob die Corona-Schutzmaßnahmen – Kontaktbeschränkungen, Maske, Hygienedisziplin – wirklich sinnvoll und wirksam sind, darüber gibt es seit März 2020 immer wieder Streit. Einen verblüffenden Umweg-Beleg, der hilft, die Effekte der Regeln einzuordnen, liefert nun die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr - sie legt frappierende Daten zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit im Landkreis vor. Und auch der Blick auf die Grippe hat wuchtige Beweiskraft. Man muss dabei allerdings ein bisschen um die Ecke denken ...

Was ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit?

„Pandemiebedingte Maßnahmen reduzierten Auftreten der Hand-Fuß-Mund-Krankheit im Landkreis“ - so ist eine aktuelle AOK-Pressemitteilung überschrieben. Aber was ist überhaupt diese HFMK?

Das Robert-Koch-Institut schreibt: Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit werde „vorwiegend durch Enteroviren der Gruppe A (EV-A) verursacht“. Enteroviren sind kleine, unbehüllte RNA-Viren. Die HFMK ist eine sehr verbreitete Infektionskrankheit. Betroffen sind vorwiegend Kinder unter zehn Jahren, die Erkrankung tritt traditionell gehäuft in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Grundschulen auf. Besonders Kinder bis zum zehnten Lebensjahr sind verstärkt betroffen.

Zwar können sich durchaus auch ältere Kinder und Erwachsene anstecken, aber sie bemerken das oft schlichtweg gar nicht. Denn insgesamt und vor allem bei den Älteren verläuft die Mehrzahl der Infektionen symptomfrei.

Die HFMK tritt ganzjährig auf, insbesondere aber im Spätsommer und Herbst. Die Krankheit beginnt normalerweise mit Fieber, geringem Appetit und Halsschmerzen. Später können sich sogenannte Enantheme auf Mundschleimhaut, Zunge und Zahnfleisch bilden: kleine, rote Flecken, die Bläschen austreiben. Auch Hautausschlag auf Handflächen und Fußsohlen gehört zu den typischen Symptomen.

Die HFMK ist fast verschwunden

Und nun das Bemerkenswerte – die AOK schreibt: „Während sich im Rems-Murr-Kreis im Zeitraum zwischen 2016 und 2019 jedes Jahr zwischen 281 und rund 377 AOK-Versicherte wegen dieser Erkrankung in Behandlung befanden, mussten im Jahr 2020 nur 46 Patientinnen und Patienten deswegen zum Arzt.“

Wichtig im Corona-Kontext: HFMK-Infizierte sind in der ersten Woche der Erkrankung hochansteckend.

Insbesondere der Pandemiebrauch, einander nicht mehr die Hand zu geben, könnte hier eine Rolle spielen. Denn die Hand-Fuß-Mund-Krankheit überträgt sich meist durch Schmierinfektionen. Vor allem die Hände spielen dabei eine große Rolle. Zudem kann man sich über verunreinigte Oberflächen anstecken.

Möglich ist allerdings „auch eine Tröpfcheninfektion durch Niesen oder Husten“ oder durch „kleinste Tröpfchen beim Sprechen“, schreibt die AOK – hier kämen also Abstand, Masken und die in der Pandemiezeit verbreitete Gewohnheit, in die Armbeuge zu husten oder zu niesen, als Drossler der Infektionsdynamik ins Spiel.

Manchmal führen Umwege zur Erkenntnis

Ein großes Medienthema war die HFMK bislang eigentlich nie, denn die Krankheit verläuft normalerweise milde. „Ernsthafte Komplikationen sind sehr selten“, schreibt die AOK. Meistens ist die Infektion, selbst wenn sie sich symptomatisch äußert, nach etwa einer Woche ausgestanden. Aber im Zusammenhang mit Corona ergibt sich nun eben ein Umweg-Hinweis auf die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen.

Wir sind ja bei Covid mit dem Problem konfrontiert, dass es keine Vergleichszahlen aus früheren Jahren gibt. Wir können keine Jahre ohne Maßnahmen und Jahre mit Maßnahmen gegeneinanderhalten, um die Unterschiede zu ermessen (und wir wissen auch sonst so vieles noch nicht).

Bei HFMK aber ist das möglich. Und wenn die Fallzahlen bei einer Erkrankung, die sich durchaus ähnlich überträgt wie das Covid-Virus, 2020 um etwa 85 bis 90 Prozent zurückgegangen sind, ist das ausgesprochen aussagekräftig.

Bei der Influenza ist der Effekt noch stärker

Dieser Befund passt zu einem ähnlichen Phänomen bei der Influenza. Vor der Pandemie gab es in Deutschland pro Grippesaison (also jeweils etwa zwischen Herbst und Frühjahr) etwa 60 000 bis 250 000 laborbestätigte Influenza-Infektionen. Seither aber sind die Werte eingebrochen: auf etwa 750 Influenza-Diagnosen in der Saison 2020/21 und knapp 1900 in der Saison 2021/22.

Hier reden wir also gar von einem Rückgang um mindestens rund 97 Prozent.

Ob die Corona-Schutzmaßnahmen – Kontaktbeschränkungen, Maske, Hygienedisziplin – wirklich sinnvoll und wirksam sind, darüber gibt es seit März 2020 immer wieder Streit. Einen verblüffenden Umweg-Beleg, der hilft, die Effekte der Regeln einzuordnen, liefert nun die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr - sie legt frappierende Daten zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit im Landkreis vor. Und auch der Blick auf die Grippe hat wuchtige Beweiskraft. Man muss dabei allerdings ein bisschen um die Ecke denken

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