Rems-Murr-Kreis

Danke, Tanke: Wie man mit Zutaten von der Tankstelle ein Feiertag-Essen zaubert

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Auf kulinarischer Mission: Kann man mit Zutaten von der Tanke ein schmackhaftes Essen zubereiten? © ZVW/Alexander Roth

Es soll ja Menschen geben, für die Feiertage überraschend kommen. Mich zum Beispiel. Das hat einen großen Vorteil: Durch den Überraschungseffekt freue ich mich jedes Mal wie Bolle, wenn ich erfahre, dass ich am nächsten Tag gar nicht zur Arbeit kommen muss. Das hat aber auch einen großen Nachteil: Ich bin schlecht darauf vorbereitet, im Vorratsschrank herrscht gähnende Leere. Doch der Mensch muss essen. Gut, dass es Tankstellen gibt. Aber lässt sich aus den Zutaten, die man dort kaufen kann, ein leckeres Essen kochen? Ich habe es ausprobiert.

Fertiggerichte sind tabu: Die Regeln für den Selbstversuch

So ein Selbstversuch will gut vorbereitet sein. Also erstmal die Rahmenbedingungen abstecken: fertige Gerichte zählen nicht. An der Tankstelle gibt es oft Backwaren, Instant-Suppen, manchmal sogar Fertig-Pizzen. Aber ich will ja kochen. Außerdem muss es vegetarisch sein, ich ernähre mich nun mal seit über zehn Jahren so. Zutaten aus der heimischen Küche, und sei es nur Öl oder Salz, sind ebenfalls tabu. Könnte ja zufällig gerade ausgegangen sein am Feiertag.

Der Rahmen ist abgesteckt, auf zur Tanke. Ich habe mir für mein Kochprojekt die Jet-Tankstelle an der Westtangente in Waiblingen ausgesucht. Warum? Weil sie unweit der Redaktion liegt, und ich faul bin. Und weil ich weiß, dass sie kein halber Supermarkt ist, wie andere Tankstellen mittlerweile. Es soll ja eine Herausforderung sein.

Jet-Tankstelle in Waiblingen: Auf Futtersuche

Ich also hin. Tür geht auf, erstmal Ernüchterung. Hui, das sind gar nicht mal so viele Regale, denke ich. Aber dann werde ich schnell fündig. Ein Regal widmet sich ausschließlich verzweifelten Nahrungssuchenden wie mir. Es gibt Instant-Nudeln, Konserven, sogar Mehl und Milch für die Fraktion Backofen. Wer Fleisch isst, kann welches aus der Dose kaufen, auch Thunfisch steht im Regal.

Ich greife mir erstmal Spaghetti. Und weil ich ein Glückspilz bin, schnappe ich mir die allerletzte Packung passierte Tomaten. Ob da schon Leute für den Feiertag gehamstert haben? Das ist jedenfalls fast schon ein Gericht. Etwas Gemüse wäre noch gut. Champignons im Glas? Waren noch nie mein Ding. Mais? Brutal überschätzt. Erbsen und Karotten? Meh. Ah! Kidneybohnen aus der Dose. Die nehme ich mit. Das ist zwar eine kulinarisch vielleicht fragwürdige Kombo, aber damit kann ich leben.

Mitarbeiter gefragt: Was Tankstellen-Kunden am Feiertag kaufen

Salz fehlt. Da ich die gleiche Packung, die es an der Tanke gibt, schon bei mir zuhause habe, lasse ich sie stehen. Da ich die Regeln selbst mache, ist das offiziell regelkonform. Und jetzt noch schnell zum Kühlschrank, denn dort gibt es Augustiner Helles. Das packe ich zur Sicherheit mit ein, damit im Notfall wenigstens irgendwas garantiert lecker schmeckt. Wer keinen Alkohol trinken mag, findet an der Tanke zahlreiche Alternativen.

Ab zur Kasse, ich muss ja auch noch kochen. Kostenfaktor: Knapp unter 8 Euro. Ich frage den jungen Mann hinterm Tresen, ob das öfter vorkommt, dass Leute am Feiertag auf der Suche nach Essen zu ihm in die Tanke kommen. „Nicht so wie Sie“, sagt er. Die Leute würden eher Brötchen oder Chips kaufen, also Dinge, die schon verzehrfertig sind. „Bei meiner Schicht über Weihnachten haben auch einige Milch und Salz gekauft.“ Also scheint sich das Kochen mit Tankstellen-Zutaten noch nicht durchgesetzt zu haben. Vielleicht kann ich einen Trend setzen?

Wie beim Fernsehkoch: Das Rezept für mein Tanke-Essen

Zuhause packe ich alle Zutaten auf den Tisch. Dann geht es ans Kochen. Damit alle mitmachen können, folgt jetzt das Rezept mit Anleitung in bester Fernsehkoch-Manier:

Zutaten

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Die Einkäufe: Aus diesen Zutaten soll mein Essen entstehen. © ZVW/Alexander Roth
  • Spaghetti (Menge nach Bedarf, etwa 100-150 g pro Person)
  • Packung passierte Tomaten
  • Dose Kidney-Bohnen
  • Salz (nach Geschmack)
  • Augustiner Helles (eine Flasche)

Schritt für Schritt: Kochen mit Tipps vom Profi

Zuallererst: Das Augustiner in den Kühlschrank stellen. Das soll nicht warm werden. Parallel dazu Wasser in einem Topf zum Kochen bringen. Dann die Spaghetti dazugeben und ordentlich Salz reinleeren – so kocht das Wasser schneller wieder auf, das ist Wissenschaft. Die Kochdauer steht in der Regel auf der Spaghetti-Packung, in meinem Fall waren es etwa neun Minuten. Erfahrungsgemäß dauert es eher länger, wenn man seine Spaghetti nicht bissfest mag.

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Spaghetti: Wenn es blubbert, ab in den Topf damit. © ZVW/Alexander Roth

Während die Spaghetti kochen, kann man die passierten Tomaten in einen zweiten Topf geben. Dann die Bohnendose öffnen. Profi-Tipp: Wer kein Sieb hat, öffnet die Dose nur ein Stück weit, und gießt das Wasser ab. So fallen keine Bohnen ins Waschbecken. Bohnen zu den Tomaten, Platte aufdrehen, köcheln lassen. Und natürlich nach Belieben mit dem Salz würzen. Am Ende mischt man Soße und Spaghetti auf einem Teller, macht sich das Bier auf – und plopp, fertig ist das Tankstellen-Menü.

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Die Soße: Das sieht doch richtig nach was aus. © ZVW/Alexander Roth

Schmeckt es? Ich will es mal so sagen …

Und? Schmeckt es? Nun, ich will ehrlich sein: Man kann das schon essen, wenn man nichts anderes zuhause hat. Es schmeckt nicht direkt schlecht. Aber lecker ist anders. Im Nachhinein würde ich dringend dazu raten, mehr Gewürze zur Soße zu geben. Kräuter, geräucherte Paprika, Pfeffer, irgendwas. Die hat man in der Regel auch am Feiertag zuhause. Notfalls irgendeine scharfe Soße. So richtig überzeugt hat bei dem Menü nur das Bier. Aufgegessen habe ich trotzdem.

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Es ist angerichtet: So sieht mein Tanke-Essen aus. Mit Bier als Beilage. © ZVW/Alexander Roth

Aber man muss auch die positiven Seiten sehen: Die Tankstelle ist eine Super-Alternative zum geschlossenen Supermarkt. Mein Gericht ist ein richtiges Essen, kein Fertigprodukt. Es macht satt, ist warm und sogar für Veganer geeignet. Fleisch-Esser hätten sogar noch weitere Optionen, um Geschmack ans Essen zu bringen. Und weil von der Soße noch was übrig war, gibt es zum Frühstück Bohnen. Fühle mich wie Terence Hill. Fazit: Feiertag gerettet. Danke, Tanke!