Rems-Murr-Kreis

"Das ist ja wie beim Hitler": Wonnemar Backnang erntet Shitstorm wegen 2G-Regel

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Das Wonnemar in Backnang (Symbolfoto). © Benjamin Büttner

Beleidigungen, Verschwörungserzählungen, Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus: Weil das Wonnemar in Backnang angekündigt hatte, dass dort künftig die 2G-Regel gelte, erntete das Freizeitbad einen üblen Shitstorm auf Facebook.

Mit dabei in der Kommentarspalte: Stephan Bergmann, Mitgründer des rechtsextremen Schorndorfer Reichsbürgervereins „Primus inter Pares“ und ehemaliger Pressesprecher von „Querdenken 711“.

„Faschistenpack“: Eine Sprachnachricht auf Telegram

„Ich habe vor ein paar Tagen in Facebook auf der Wonnemar-Seite […] gesehen, dass die jetzt 2G haben – und hab dann reinkommentiert das Wort ‚Faschistenpack‘.“ Das erzählte Bergmann seinen Anhängern per Sprachnachricht am Montag (08.11.). Und nun habe er "Hoffnung".

Mittlerweile gäbe es nämlich „Hunderte von Posts“, die sich ebenfalls über die 2G-Regel beschweren würden. Wenn diese Menschen alle nicht mehr ins Wonnemar gingen, so Bergmanns Logik, müsse das Bad schließen oder die Maßnahme zurücknehmen.

Dass Stephan Bergmann sich gegen die 2G-Regel ausspricht, ist nicht weiter verwunderlich. Der Corona-Leugner, der zeitweise im Rems-Murr-Kreis wohnte, forderte in der Vergangenheit unter anderem Beweise dafür, dass Viren überhaupt existieren.

„Naziregeln“: Pandemie der NS-Vergleiche

Ein Blick auf die Facebook-Seite des Freizeitbades. Am Dienstag (09.11.) fanden sich unter dem Beitrag des Wonnemars knapp 100 Kommentare. Und die hatten es teilweise in sich.

„Das ist ja wie beim Hitler“, schreibt ein Nutzer beispielsweise. „Dort wurden die Juden auch ausgegrenzt und später vernichtet.“ Ein anderer spricht von „Naziregeln“. Es finden sich neben plumpen Beleidigungen und Verschwörungserzählungen zur Corona-Schutzimpfung noch weitere Kommentare, die einen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus herstellen.

Vergleiche dieser Art sorgen seit Monaten für Schlagzeilen. Geäußert werden sie vor allem im Umfeld der Querdenker-Bewegung. Telegram-Kanäle der Szene aus Kreis und Region sind voll mit Beiträgen, die die Situation von Maskenverweigerern und Ungeimpften mit der Situation der Juden im Dritten Reichen gleichsetzen. Oder vom angeblichen "Impfholocaust" handeln.

„Es schmerzt die jüdische Community, dass die Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden in Zeiten des Nationalsozialismus und die Maßnahmen der Bundesregierung zur Pandemiebekämpfung als dasselbe angesehen werden.“ Das teilte das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) kürzlich gegenüber tagesschau.de mit. Solche Vergleiche seien eine perfide Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus und bei nahezu allen Akteuren aus dem Querdenker-Milieu zu beobachten.

„Extreme Reaktionen“: Was sagt das Wonnemar?

Wie verhält sich das Wonnemar zu den Kommentaren auf Facebook? „Wir haben die zum Teil extremen Reaktionen zur Kenntnis genommen“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Auch außerhalb der Kommentarspalte hätten sich vereinzelt verärgerte Badegäste an der Kasse oder am Telefon zur Einführung der 2G-Regel geäußert. „Die zahlreicheren positiven Reaktionen, die uns auf unterschiedlichste Wegen erreichen, bestärken uns jedoch in unserer Entscheidung.“

Was auf Facebook geschrieben wurde, wolle man nicht kommentieren, so der Sprecher weiter. „Wir behalten uns vor, einzelne Kommentare zur Klärung an die zuständigen Behörden weiterzuleiten.“

„Geheimstation für Impfgeschädigte“: Bergmanns Sprachnachrichten und die Realität

Bleibt die Frage offen, wo die „Hunderte von Postings“ zu finden sein sollen, von denen Stephan Bergmann in seiner Nachricht spricht. Auf der Facebook-Seite des Wonnemars offensichtlich nicht. Bergmann erklärt sich das so: Die Verantwortlichen hätten „ständig“ Kommentare unter dem Beitrag zur 2G-Regel gelöscht. Der Wonnemar-Sprecher hält dagegen: Man habe nicht einen einzigen Kommentar entfernt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine von Bergmanns Sprachnachrichten im Kreis für Aufsehen sorgt – und mit der Realität kollidiert. Im August 2021 behauptete er, es gebe eine "Geheimstation für Impfgeschädigte" am Rems-Murr-Klinikum Winnenden.

Beweise für diese Verschwörungserzählung lieferte er keine, ein entsprechendes Gerücht hatten wir damals schon widerlegt – und trotzdem wurde die Sprachnachricht tausendfach geteilt. Neben dem Coronavirus verbreitet sich eines während der Pandemie offenbar ebenfalls besonders rasend: Desinformation.

Beleidigungen, Verschwörungserzählungen, Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus: Weil das Wonnemar in Backnang angekündigt hatte, dass dort künftig die 2G-Regel gelte, erntete das Freizeitbad einen üblen Shitstorm auf Facebook.

Mit dabei in der Kommentarspalte: Stephan Bergmann, Mitgründer des rechtsextremen Schorndorfer Reichsbürgervereins „Primus inter Pares“ und ehemaliger Pressesprecher von „Querdenken 711“.

„Faschistenpack“: Eine Sprachnachricht auf

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