Rems-Murr-Kreis

Das neue Buch des Bestsellerautors Marc Friedrich: Der große Crash als größte Chance

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Marc Friedrich. © FBV

Der Titel des Buches ist Programm: „Die größte Chance aller Zeiten“. Der Crashprophet Marc Friedrich erklärt den Leserinnen und Lesern, wie sie ihr Vermögen über den größten Crash aller Zeiten hinweg nicht nur retten können, sondern wie sie vom Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems auch noch profitieren werden. Schließlich stecke in jeder Krise eine Chance, die bloß beim Schopf gepackt werden muss.

Fast zehn Jahre ist es her, dass zwei aus Waiblingen stammende Ökonomen sich einen Namen als Crashpropheten gemacht haben. Matthias Weik und Marc Friedrich trafen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 den Nerv der Zeit und landeten mit ihrem ersten Buch 2012 einen Überraschungshit: „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“.

Neun Jahre und vier Bestseller später wandelt Marc Friedrich auf Solopfaden und veröffentlichte im Münchner Finanzbuchverlag sein Werk „Die größte Chance aller Zeiten. Was wir jetzt aus der Krise lernen müssen und wie Sie vom größten Vermögenstransfer der Menschheit profitieren“.  Zwei Wochen nach dem Erscheinen scheint das Buch wieder ein Bestseller zu werden: Platz drei auf der Spiegel-Sachbuch-Liste; Platz elf unter den meist verkauften Büchern bei Amazon.

„Wir werden nicht mehr in der alten, gewohnten Welt aufwachen“

Marc Friedrich nimmt seine Leser auf fast 400 Seiten mit in die Welt eines außer Rand und Band geratenen Finanz- und Wirtschaftssystems, das nur mit Hilfe einer unermesslichen Flut neuen Geldes notdürftig am Laufen gehalten wird. Friedrich schreibt pathetisch von einem „historischen Paradigmenwechsel“. „So bitter es für viele auch sein mag, aber wir werden nicht mehr in der alten, gewohnten Welt aufwachen und zu unserem alten Leben zurückkehren.“ Sein Buch soll eine Anleitung sein, „wie die Zyklen funktionieren, wie Sie sich positionieren können und wie Sie sich finanziell, aber auch mental auf das Kommende vorbereiten können“.

Dazu muss man freilich wissen, dass Marc Friedrich - wie auch sein Ex-Kompagnon Matthias Weik - ihren Lebensunterhalt weniger mit dem Bücherschreiben denn als Anlage- und Vermögensberater verdienen. So gab es eben auch einen Fonds, der ihren Namen trug, jetzt aber in „Solit Wertefonds“ umgetauft ist. Die Zusammensetzung - Gold, (Minen)-Aktien, Bitcoin und Cash - entspricht just den Empfehlungen, die der 45-jährige Friedrich seinen Lesern im zweiten Teil von „Die größte Chance aller Zeiten“ anheimgibt, wie sie als Krisengewinnler in spe ihr Geld am sinnvollsten anlegen sollten.

„Noch nie wurde eine Krise durch Gelddrucken gelöst“

Der erste Teil des Buches widmet sich in gewohnt polemischer Form der Analyse. Beginnend mit der Coronapandemie bis hin zu den wie wild laufenden Geldruckereien der Notenbanken. Friedrichs Grundthese lautet: „Noch nie wurde eine Krise durch Gelddrucken gelöst“, schreibt er und belegt diese These mit atemberaubend vielen Zahlen und Statistiken. Wer - wie der Autor dieser Zeilen - die früheren Weik/Friedrich-Bücher gelesen hat, erkennt Wiederholungen („Was bis dahin noch passiert, ist eine Fortsetzung der Insolvenzverschleppung durch die Notenbanken“). Für Neueinsteiger, die mit ökonomischem Grundwissen gesegnet sind, ist Friedrichs Crashwelt vermutlich eine erhellende Lektüre. Sie löst bei den einen zustimmendes Nicken aus, bei den anderen dürfte sie zu heftigem Widerspruch führen. Wer sich ohne volks- und betriebswirtschaftliche Kenntnisse an das Buch wagt, sollte den Mut haben, über weite Strecken der rein ökonomischen Analysen einfach hinwegzulesen. Es findet sich noch genügend gut lesbarer, diskussionswürdiger Stoff, Anekdoten und Geschichten.

Aber natürlich fragt man sich als Weik/Friedrich-Kenner, wann denn nun der Euro endlich scheitert und wann der vor Jahren von ihnen angekündigte Crash endlich kommt. 2019 („Der größte Crash aller Zeiten“, Seite 33) hatten sie sich auf 2023 festgelegt, bis das Finanzsystem kollabiert und die globale Wirtschaft in den Abgrund reißt. Soloautor Marc Friedrich hält an diesem Datum fest (Seite 169). Es bleiben uns also noch zwei Jahre.

„Bitcoin ist Hoffnung, Bitcoin ist Freiheit“

Die Uhr tickt. Also wohin mit dem ganzen Vermögen, so Sie denn welches besitzen? „Noch nie zu unserer Lebzeit war es wichtiger, sich aktiv um sein Geld und seine Investments zu kümmern.“ Ohne auf die Anlageempfehlungen im Einzelnen einzugehen, lautet der Rat: Sachwerte, Sachwerte, Sachwerte. Wozu auch die Kryptowerte Bitcoins zählen, denen Marc Friedrich in geradezu hymnischer Form huldigt und ihnen eine noch rosigere Zukunft verspricht. Probe gefällig? „Geld kommt und geht - Bitcoin bleibt!“ Oder: „Bitcoin ist Hoffnung, Bitcoin ist Freiheit.“

Des Weiteren versprechen Rohstoffe, Aktien sowie Gold und Silber, krisenfeste Anlagen zu sein, nebst schuldenfreie Immobilien. Zu Risiken und Nebenwirkungen, fällt mir spontan ein: Fragen Sie bloß nicht Ihren Finanz- und Anlageberater.

„Hochmut, Habgier, Zorn, Maßlosigkeit, Neid und Trägheit“

Ärgerlich werden Friedrichs Ratschläge in einem Punkt. Auf Seite 193 hatte sich der Humanist noch der Menschlichkeit verschrieben und „Ethik, Respekt und Moral“ als Fundament einer funktionierenden und gesunden Gesellschaft beschworen. Seine Kapitalempfehlungen strotzen jedoch von „Hochmut, Habgier, Zorn, Maßlosigkeit, Neid und Trägheit“, die Zivilisationen in den Abgrund treiben und die er zuvor beklagt hat. Friedrich huldigt auch und insbesondere in der Krise dem schieren Mammon, ohne Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Uran? Knapper Rohstoff, beste Rendite, klasse Anlage!

Es wäre durchaus interessant, wie der Vermögensprofi und Crashprophet zu ethischen, nachhaltigen Anlageformen steht, die sich immer mehr Menschen wünschen und anstreben - die globale Klimakatastrophe, unmenschliche Arbeitsbedingungen oder den Rüstungswahnsinn vor Augen. Leider fehlen Antworten auf die Frage: Wohin mit der ganzen Knete, ohne sich (mit-)schuldig zu machen?

Der Bitcoin jedenfalls wird wohl nicht die Lösung bringen. Diesem Heilsbringer widmen sich übrigens Friedrich und sein Co-Autor Florian Kössler im nächsten potenziellen Bestseller, der für Herbst bereits angekündigt ist. „Die größte Revolution aller Zeiten“ - darunter macht es Friedrich nicht: „Warum unser Geld stirbt und wie Sie davon profitieren“.

Der Titel des Buches ist Programm: „Die größte Chance aller Zeiten“. Der Crashprophet Marc Friedrich erklärt den Leserinnen und Lesern, wie sie ihr Vermögen über den größten Crash aller Zeiten hinweg nicht nur retten können, sondern wie sie vom Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems auch noch profitieren werden. Schließlich stecke in jeder Krise eine Chance, die bloß beim Schopf gepackt werden muss.

Fast zehn Jahre ist es her, dass zwei aus Waiblingen stammende Ökonomen sich einen

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