Rems-Murr-Kreis

Der Wald ist doch kein Freizeitpark: Manche leinen nicht einmal ihren Hund an

Hirsch und Reh
Rotwild grast und pausiert auf einer Lichtung. © Gabriel Habermann

Das Reh ist für viele immer noch die Frau vom Hirsch und nur wenige wissen um das Verhalten gegenüber Wildtieren im Wald: Vor diesem Hintergrund arbeiten Waldexperten und Jäger im Rems-Murr-Kreis bereits mit einer „Besucherlenkung“. Der Wald sei nun mal kein Freizeitpark, wenngleich er sich seit Corona größerer Beliebtheit erfreue.

„Im Wald und natürlich auch an sonstigen Orten in der freien Landschaft gelten die allgemeinen Rücksichtsregeln“, sagt Hartmut Unger von der Kreisjägervereinigung Waiblingen. Bei der Begegnung mit Wildtieren hätten Menschen Abstand zu halten und sich ruhig zu verhalten, um das Tier nicht unnötig in Stress zu versetzen. Wildtiere in die Enge treiben, anfassen und einfangen gehe gar nicht.

Was der Jäger seit Corona im Wald beobachtet, stört auch Experten wie den ehrenamtlichen Wildtierbeauftragten Hans-Joachim Bek und den zertifizierten Waldpädagogen Kilian Knötzele. Für den Wald habe nach dem Paragrafen 14 des Bundeswaldgesetzes zwar jeder ein freies Betretungsrecht, aber zusammen mit der unteren Forstbehörde des Landratsamtes versuchten sie, „Besucherlenkung“ zu machen.

Speziell der Waldbesuch mit dem Mountainbike habe seit Corona zugenommen, „dass es nicht mehr schön ist“, berichtet Bek und appelliert an die Fahrer, auf den offiziellen Trails zu bleiben. Führen Autofahrer unerlaubt in den Wald, würde das Kennzeichen notiert und ein „freundliches Gespräch“ geführt.

Kreisbehörde kann freies Betretungsrecht einschränken

Der Waldpädagoge Kilian Knötzele muss auch so manche Erwachsene noch lehren, was er schon den kleinsten Schulkindern beibringt, nämlich im Wald auf befestigten Wegen zu bleiben und keinesfalls in die Nähe von Wildeinständen zu gehen. Schilder wie „Biotop“ oder „Artenschutz“ stünden nicht zum Spaß des Menschen im Wald, der es manchmal nicht einmal für nötig hielte, seinen Hund angeleint zu lassen, sondern zum Schutz der Wildtiere mit ihren Brut- und Setzzeiten. Beschilderte Flächen bedeuteten Rückzugsgebiete für die Tiere.

Stört der Mensch den Waldfrieden, so kann die Kreisbehörde das freie Betretungsrecht einschränken. Denn schließlich ist der Wald immer noch der Lebensraum der Tiere, die – mal abgesehen vom gefräßigen Waschbären – nach Informationen der Kreisjäger übrigens nicht in menschliche Siedlungen flüchten, weil sie Futter suchen, sondern weil sie im Wald ihre Ruhe nicht mehr haben. Nicht füttern und nicht anfassen laute die oberste Maxime bei der Begegnung mit einem Wildtier. Sähen die Tiere ihren Lebensraum bedroht, gerieten sie unter Stress, wissen Jäger und Waldexperten. Die Habitat- und Wanderrouten der Wildtiere seien sowieso schon von Verkehrswegen zerschnitten, während die Menschen die Wälder immer mehr für ihre Freizeitaktivitäten nutzten.

„Als die Tiere den Wald verließen“: Die Kinderserie nach dem Buch „The Animals of Farthing Wood“ von Colin Dann scheint heute, in Zeiten der immer noch herrschenden Zerstörung natürlichen Lebensraums durch den Menschen, aktueller denn je. Und weil die Bedürfnisse der Waldtiere nun einmal andere sind als die des Menschen, kann es zu Konflikten kommen, die nach dem baden-württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz auch mit dem Einsatz von Stadtjägern gelöst werden sollen, die übrigens alles andere tun als schießen. Die Aufgabe der Stadtjäger liegt vielmehr in der Aufklärung von Menschen über das korrekte Verhalten gegenüber Wildtieren, um deren Bedrohung in Sachen Artenschutz zu lindern. Wer Fragen zum Verhalten im Wald oder zu Wildtieren hat, kann sich unter Tel. 0 71 91/8 95-43 69 oder per Mail an forst@rems-murr-kreis.de ans Landratsamt wenden.

Das Reh ist für viele immer noch die Frau vom Hirsch und nur wenige wissen um das Verhalten gegenüber Wildtieren im Wald: Vor diesem Hintergrund arbeiten Waldexperten und Jäger im Rems-Murr-Kreis bereits mit einer „Besucherlenkung“. Der Wald sei nun mal kein Freizeitpark, wenngleich er sich seit Corona größerer Beliebtheit erfreue.

„Im Wald und natürlich auch an sonstigen Orten in der freien Landschaft gelten die allgemeinen Rücksichtsregeln“, sagt Hartmut Unger von der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper