Rems-Murr-Kreis

Der Weinbau im Rems-Murr-Kreis und die EU-Verordnung: Das Totalverbot fällt

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

Zusammenkunft in Stetten: Drei Weinprofis, alle dem Bio-Ansatz verpflichtet, treibt die Angst um. Die Angst vor dem Umweltschutz der Zukunft, den die EU mit ihrer geplanten Pflanzenschutzverordnung voranzutreiben sucht. Man fürchtet das Aus für den Weinbau. Doch so schlimm kommt's wohl nicht für die Wengerter aus dem Rems-Murr-Kreis. Es gibt gute Nachrichten.

Niemand hat was gegen Schutzgebiete - doch die geplante Pflanzenschutzverordnung macht die Wengerter fassungslos

Die Gastgeber des Treffens, die Beurers vom gleichnamigen Weingut, arbeiten nach Demeterstandard; das Weingut Zimmer, vertreten durch Stephanie Karpf, ist ein Bio-Weingut; die Weinkellerei Kern, Christoph Kern ist anwesend, trägt das Siegel des Vereins Fair and Green.

Sie alle würden unterschreiben, was Christoph Kern ausspricht: „Niemand hat was gegen die Schutzgebiete“. Und trotzdem blicken sie alle fassungslos auf das, was in der EU-Kommission derzeit im Namen des Umwelt- und Insektenschutzes geplant wird. Würde die Verordnung so wahr werden, wie sie entworfen worden ist, wären zwei Drittel der Weinberge im Rems-Murr-Kreis nicht mehr zu bewirtschaften.

Denn sie liegen in Landschaftsschutzgebieten. Und darum dürften so gut wie keine Pflanzenschutzmittel mehr ausgebracht werden. Selbst die vielgepriesenen Piwis, die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, wären dann keine Lösung mehr. Denn ganz ohne Pflanzenschutz geht's auch bei diesen nicht.

Benedikt Paulowitsch, der Kernener Bürgermeister, hat seine Beziehungen spielen lassen und den SPD-EU-Abgeordneten René Repasi nach Stetten geholt. Paulowitsch wollte – die CDU hatte schon gewirbelt, die Grünen waren auch an die Presse gegangen, die FDP hatte am Tag zuvor den EU-Abgeordneten Andreas Glück in Fellbach zu Gast – nun auch „über die sozialdemokratische Schiene“ nach Brüssel melden, dass solch ein Vorhaben eine Katastrophe wäre.

Zukunftsangst: Lohnt es sich überhaupt noch zu investieren? Weiterzumachen?

Denn bei den Wengertern fallen Wörter wie „Zukunftsangst“. Oder „enttäuschend und unfair“. Die Wengerter fragen sich, ob Investitionen überhaupt noch lohnen, ob sie noch weitermachen können. Stefanie Karpf glaubt, dass viele Kolleginnen und Kollegen aufhören werden. Jochen Beurer fürchtet, dass dann die Kultur vor Ort verlorengeht und die Gegend verwahrlost. Christoph Kern erklärt: „Wir tun so viel! Und dann so ein Verbot – von einer Stelle, in die man ja Vertrauen hat ...“

Diese Stelle, die EU-Kommission, habe, sagt René Repasi, inzwischen „das Totalverbot politisch aufgegeben“. Der Entwurf der Pflanzenschutzverordnung habe europaweit große Wellen geschlagen. Es habe überall Widerstand gegeben. Der Entwurf wird überarbeitet. Das sei zwar noch keine offizielle Aussage, aber bereits als „Nonpaper“, als informeller Entwurf rausgegangen.

Die Verordnung: Bislang nur ein Vorschlag, ein „grobschlächtiger Entwurf“

Man stehe, sagt Repasi, erst am Anfang des Verfahrens. Die Inhalte der diskutierten Pflanzenschutzverordnung seien „nur ein Vorschlag“ gewesen. Festzuhalten sei: Das Insektensterben halte an. „Wir müssen was tun.“ Doch der Entwurf sei ein „grobschlächtiger“ gewesen, der an drei Stellen kranke: Es sei nicht zwischen verschiedenen Schutzgebietsdefinitionen unterschieden worden. Man habe alle Pflanzenschutzmittel über einen Kamm geschert. Man habe sich keine Gedanken über die Folgen der geplanten Verordnung gemacht.

Die EU-Kommission werde jetzt, so Repasi, neue Optionen entwickeln. Dabei würden die verschiedenen Naturschutzkategorien betrachtet. Auch bei den Pflanzenschutzmitteln würde differenziert. Vielleicht stelle sich die Frage: Was darf wo eingesetzt werden? Wo darf definitiv gar nichts eingesetzt werden? Vielleicht denke man auch über Ausnahmeregelungen nach. Etwa: 60 Tage lang sind in einem Schutzgebiet Pflanzenschutzmittel erlaubt. „Wir müssen mit Verboten arbeiten“, sagt Repasi. „Aber ein Totalverbot geht nicht.“

Zusammenkunft in Stetten: Drei Weinprofis, alle dem Bio-Ansatz verpflichtet, treibt die Angst um. Die Angst vor dem Umweltschutz der Zukunft, den die EU mit ihrer geplanten Pflanzenschutzverordnung voranzutreiben sucht. Man fürchtet das Aus für den Weinbau. Doch so schlimm kommt's wohl nicht für die Wengerter aus dem Rems-Murr-Kreis. Es gibt gute Nachrichten.

Niemand hat was gegen Schutzgebiete - doch die geplante Pflanzenschutzverordnung macht die Wengerter fassungslos

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