Rems-Murr-Kreis

Die Baumärkte Toom, Obi, BayWa, Globus und Wiedmann im Lockdown: Wer darf dort was und wie noch einkaufen?

Baumarkt Toom
Zum Beispiel Weihnachtsbaum-Verkauf an Privatkunden, sofern er im Freien stattfindet, ist nach wie vor erlaubt (hier vor dem Toom-Markt in Schorndorf, von links: Verkäufer Jörg Hoflacher und Marktleiter Christoph Sugg).. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Parkplatz ist beinahe leer. Weit und breit ist kein Kunde zu sehen. Zwei Wachleute stehen vor dem Eingang des Waiblinger Obi-Baumarktes. Für einen Werktagmorgen herrscht hier beinahe gespenstische Ruhe. Doch der Eindruck täuscht. Der Baumarkt ist geöffnet. Jedoch nur für Handwerker mit Gewerbeschein, sagt einer der Wachleute. Der Andrang hält sich jedoch in Grenzen - genauer gesagt: Es gibt keinen, sagt ein Mitarbeiter des Baumarktes, der auf Kunden für die Weihnachtsbäume - und eben auf Handwerker wartet. Bis kurz vor 11 Uhr konnte er noch keinem Kunden mit Gewerbeschein dienen. Betreten dürfen die den Baumarkt jedoch auch nicht. Vor dem Eingang können sie ihre Bestellungen abgeben, ein Obi-Mitarbeiter besorgt die Ware und bringt sie vor die Tür.

Ein Auto fährt vor. Der Fahrer hat bei der Parkplatzsuche die Qual der Wahl. Es ist viel Freiraum vorhanden „Wer darf noch rein in den Markt?“ fragt ein Hausmeister der Stadt Waiblingen einen der Wachleute. Nur interessehalber, gibt er im Gespräch zu. „Falls wir einen Wasserhahn oder so was Ähnliches brauchen…“ Denn Hausmeister seien auch während des Lockdowns im Dienst. So wie übrigens auch die Beschäftigten der Bäckerei im Obi, deren Türen zum sonnigen Parkplatz hin geöffnet sind. Viel zu tun haben sie an diesem Vormittag aber auch nicht.

Seit Mittwoch (16.12.) gilt der Lockdown. Er betrifft auch die Baumärkte wie Obi, Toom, BayWa oder Globus. Und deren Beschäftigte und Kundschaft wussten teilweise noch gar nicht, was sie noch dürfen und was nicht. „Die Lage am Mittwochmorgen war echt diffus. Da kamen viele Privatkunden, die hatten noch gar nicht mitbekommen, dass Baumärkte schließen müssen und dass sie selbst Streumittel oder Gasflaschen nicht mehr vor Ort einkaufen beziehungsweise abholen dürfen“, sagt Christoph Sugg, Toom-Marktleiter in Schorndorf.

Florian Bürkle, Marktleiter des Toom in Fellbach, bestätigt: „Es ist für Privatkunden jetzt schon sehr schwierig. Gerade das Thema Gas oder Brennstoffe. Oder wenn der Wasserhahn kaputt geht oder der Strom weg ist, weil eine Sicherung ausgetauscht werden muss.“

In Baden-Württemberg hat die Landesregierung erst ziemlich spät, nämlich in der Nacht zum Mittwoch, die Lockdown-Regelungen verkündet, die in die novellierte Corona-Verordnung eingeflossen sind. Danach müssen Baumärkte, Verkaufsstätten für Baustoffe und Gartenbaubedarf sowie Verkaufsstätten des Landhandels für den Publikumsverkehr geschlossen bleiben. Zulässig sind ausschließlich noch Lieferdienste, einschließlich solcher des Online-Handels, sowie der Verkauf von Weihnachtsbäumen an Privatkunden, sofern dieser nicht in geschlossenen Räumen stattfindet.

Zulässig ist ferner die Einrichtung eines Abholservice nur (!) für gewerbliche Kunden und Landwirte, sofern für deren ausgeübte Tätigkeit erforderlich.

Was ist mit Dingen des täglichen Bedarfs wie Schutzkleidung und Masken, Gas, Brennstoffe, Streumittel und dergleichen?

Noch völlig unklar ist, ob Baumärkte bestimmte Verkaufsbereiche etwa die für Tier- und Vogelfutter, für Gas und Brennstoffe oder für Schutzkleidung und Masken für den Kundenverkehr offen lassen dürfen. „Wir lassen alles erstmal geschlossen und warten ab. Als Marktleiter hafte ich ja, wenn das nicht alles verordnungskonform ist. Wir bieten für Privatkunden aber einen Lieferservice an“, sagen Sugg und Bürkle praktisch gleichlautend (Stand: Mittwoch, 16.12., 15.20 Uhr).

„Wenn ich mir jedoch die Landes-Corona-Verordnung so anschaue, dann ist ja dem stationären Einzelhandel explizit erlaubt, bestimmte Verkaufsbereiche des täglichen Bedarfs eventuell für Kunden offen zu halten. Das muss alles noch abschließend geklärt werden, ob wir bestimmte Bereiche öffnen dürfen. Das klären wir gerade noch mit dem Ordnungsamt ab“, sagt Sugg. (Stand: Mittwoch, 16.12., 15.20 Uhr).

Der BayWa-Marktleiter in Schorndorf, Jochen Steiner bestätigt: „Wir sind zwar kein Baumarkt wie der BayWa in Backnang, sondern eher ein Garten- und Tierbedarfshandel. Aber wir haben unser Gartenmarktsegment gemäß der Vorgaben der Corona-Verordnung abgesperrt. Lebensmittel, Tierbedarfswaren und Brennstoffe sind weiter auch für Privatkunden offen.“

Im BayWa in Backnang sind ebenfalls nur die Baumarktbereiche abgesperrt, so Marktleiter Lars Decker. „Der Tierbedarfsmarkt, die Futtermittel, Getränke, Lebensmittel sind auch für Privatkunden noch geöffnet. Das Ordnungsamt hat uns nach Deutung der Corona-Verordnung dafür grünes Licht gegeben.“

Catherina Tamler, Sprecherin der Dortmunder Hellweg-Gruppe, zu der die BayWa-Garten- und Baumärkte gehören, bestätigt: "Für Privatkunden, Gewerbetreibende und Handwerker auch unser  Backnanger BayWa-Bau- und Gartenmarkt weiterhin geöffnet. Folgende eingeschränkte Sortimente können gekauft werden: Tiernahrung, Futtermittel & Zubehör, Wintervogelfutter, Lebensmittel, Getränke, Wein." Momentan hat der BayWa Bau- und Gartenmarkt in Backnang folgende (vom Normalbetrieb abweichende) Öffnungszeiten: Mo – Fr: 8.00 – 18.30 Uhr, Sa: 8.00 – 13.00 Uhr. 

Ähnlich ist es im BayWa in Schorndorf, so Catherina Tamler: "Folgende eingeschränkte Sortimente für den täglichen notwendigen Bedarf können von allen Kunden vor Ort gekauft werden: Brennstoffe (Gas, Holz, Kohle, Briketts), Streugüter, Tiernahrung, Futtermittel & Zubehör, Wintervogelfutter, Lebensmittel, Getränke, Wein." Die vom Normalbetrieb abweichende Öffnungszeiten des BayWa in Schorndorf: Mo – Fr: 8.00 – 18.30 Uhr, Sa: 8.00 – 16.00 Uhr.  (Aktualisierung vom 17.12., 9.20 Uhr).

Wer darf seit Mittwoch eigentlich noch wie bei Baumärkten einkaufen?

Gewerbetreibende mit bestimmten Tätigkeiten, wie Handwerker oder Beschäftigte des Baugewerbes dürfen noch Waren bei Baumärkten abholen, sagen die Corona-Verordnung und die Landesregierung.

Aber Nummer eins: „Wenn Sie als Pizzabäcker mit Gewerbeschein kommen und sagen, bei ihnen ist ein Rohr kaputt, dürfen wir trotzdem nicht an Sie Ersatzteile vor Ort verkaufen. Das beschränkt sich wirklich auf Handwerker und Bauarbeiter, deren ausgeübte Tätigkeit den Bedarf beruflich rechtfertigt. Das heißt: Nicht jeder mit Gewerbeschein darf weiter bei Baumärkten Waren abholen“, sagt der Fellbacher Toom-Marktleiter Fabian Bürkle.

„Bei uns müssen Handwerker einen Handwerksausweis vorzeigen. Gewerbeschein haben ja viele Leute, die auch in anderen Branchen tätig sind. Das wäre schwer zu überprüfen“, sagt der Backnanger BayWa-Marktleiter Lars Decker.

Aber Nummer zwei: Auch für Gewerbekunden gibt es keinen Marktzutritt. „Nach ihrer Bestellung wird die Ware an Gewerbekunden vor dem Markt überreicht“, erläutert eine Sprecherin der Obi-Unternehmenszentrale in Wermelskirchen, an die der Waiblinger Marktleiter vehement verwiesen hat. Obi hat im Rems-Murr-Kreis ansonsten noch in Winnenden eine Filiale.

Auch in allen Filialen von Toom in Baden-Württemberg und so auch in Fellbach und Schorndorf wird „Handwerkern und Gewerbetreibenden (mit entsprechendem Gewerbenachweis)“ angeboten, telefonisch oder vor Ort ihre Bestellung aufzugeben und an der mobilen Kasse vor dem Markt zu bezahlen“, sagt Daria Ezazi, Pressesprecherin der Rewe Group, zu der auch die Toom Baumarkt GmbH gehört. „Ebenfalls kann bei Toom eine Online-Reservierung unter toom.de mit online hinterlegtem Zahlungsmittel erfolgen. Es erfolgt kein Zutritt in den Markt.“

Der Schorndorfer Toom-Marktleiter Christoph Sugg ergänzt: Gewerbetreibende dürfen vor Ort an unserer Abholstation Waren ordern und dann im Auto warten. Die Waren werden dann innen kommissioniert und ihnen draußen überreicht. Natürlich alles mit Einhaltung strenger Hygiene-Regeln. Alle müssen zum Beispiel Mundnasenschutz tragen und Abstände einhalten.“ Noch besser wäre allerdings, wenn Gewerbetreibende vorher telefonisch oder per Mail Waren bestellen und abholen: telefonisch unter 07181/9393011 oder per E-Mail unter schorndorf@toombm.de.

„Vorherige Bestellungen sind wirklich besser“, sagt der Fellbacher Toom-Marktleiter Fabian Bürkle. „Wir wollen ja gewährleisten, dass der Kontakt zwischen Kunden und Beschäftigten möglich kurz erfolgt und das mögliche Ansteckungspotenzial gering bleibt.“ Im Toom-Markt Fellbach können Handwerker über das Einkaufswagen-Tool unter toom.de Bestellungen und Reservierungen vornehmen, oder aber direkt telefonisch unter 0711/57886225 oder per Mail unter fellbach@toombm.de.

Für den BayWa-Markt in Backnang sagt Marktleiter Lars Decker: Der Ansturm von Handwerkern auf den geschlossenen Baumarktbereich sei am Mittwoch ausgeblieben. (Stand 15.45 Uhr). „Deshalb kann man als Handwerker bei uns in Backnang auch vorerst einfach noch vorbeikommen, an der Info bestellen, und kriegt dann später die Ware an der Warenausgabe ausgehändigt.“

Und was machen Hobby-Heimwerker und sonstige Privatkunden?

Einkaufen und auch Warenabholung ist für Privatkunden mit dem Lockdown fortan verboten, dies in Baumärkten und auch weiten Teilen des anderen stationären Einzelhandels. Erlaubt sind laut Corona-Verordnung für Privatkunden aber Lieferdienste.

„Weiterhin haben unsere Privatkunden die Chance, online über www.obi.de zu bestellen und auch eine digitale persönliche Beratung über unsere App „heyOBI“ zu erhalten“, sagt eine Sprecherin der Obi-Zentrale.

„Der Toom-Markt in Schorndorf bietet eine Lieferung direkt aus dem Markt für online reservierte Artikel mit Zahlung an der Haustür an (zuzüglich Versandkosten)“, sagt Sprecherin Daria Ezazi. Alle Detailinformationen und aktuellen Möglichkeiten finde man auch für den jeweiligen Markt auf der Internetseite toom.de.

Für Privatkunden richtet der Schorndorfer Toom einen Lieferservice ein. „Der steht spätestens am Freitag (18.12.)“, sagt Marktleiter Sugg. Bestellen kann man ab dann unter: schorndorf.reservierung@toombm.de.

Der Fellbacher Toom-Marktleiter Bürkle verweist auf die Bestellmöglichkeiten unter toom.de. „Wir liefern dann vor die Haustüre. Klingeln, warten bis jemand kommt, sagen mit Abstand Hallo und verabschieden uns auch wieder. Damit der Kontakt, jetzt zu Zeiten der Pandemie möglichst gering bleibt.“

Die Baumarkt-Kette Globus mit Filiale in Weinstadt bietet für Privatkunden in einem Lieferradius von 20 Kilometern im Umkreis ebenfalls einen Lieferservice an, so Diana Doriguzzi, Pressesprecherin der Unternehmenszentrale in Völkingen. Bestellen könne man unter https://www.globus-baumarkt.de/info/markt/weinstadt/. Der örtliche Marktleiter bestätigt am Telefon: „Bei uns bitte alles nur online bestellen“, sowohl Privatkunden als auch Handwerker mit Gewerbeschein.

Auch bei BayWa in Backnang kann man als Privatkunde Baumarktartikel bestellen und bekommt sie ausgeliefert: telefonisch unter 07191 / 18622 oder per Mail unter bm204@baywa-baumarkt.de. Oder online bestellen und liefern lassen: baywa-baumarkt.de

Bei allen Baumärkten gibt es jeweils Mindestbestellwerte und eventuell auch zusätzliche Lieferkosten, die bedacht werden sollten. Bitte beachten!

Wie läuft’s bei Baustoffe Wiedmann?

„Unsere Baumarktgeschäfte sind für den Kundenverkehr geschlossen. Aber für gewerbliche Kunden läuft’s eigentlich fast so wie vor dem Lockdown. Die bestellen, wir kommissionieren, und sie holen ab. Abholung auf Lieferschein eben“, sagt Stefanie Wiedmann, Geschäftsführerin der Gottfried Wiedmann Baustoffe GmbH. „Unsere Telefonnummern für Bestellungen sind den Handwerkern bekannt.“ Ansonsten einfach im Internet nachschauen: wiedmann-baustoffe.com.

Die Baustoffzufuhr für Privatkunden könne ebenfalls weiter erfolgen, auf telefonische Bestellung, sagt Stefanie Wiedmann. „Also wenn jemand Pflastersteine für die Hofzufahrt oder Materialien für die Baustelle braucht, einfach anrufen, wir liefern.“

Lediglich bei Kleinteilbestellungen gibt es Einschränkungen für Privatkunden von Wiedmann. Auf der Internetseite steht dazu: „Für Kleinteile bieten wir als Übergangsfrist bis zum 23.12.2020 einen eingeschränkten Bestell- und Lieferservice an“:

  • nur für Kunden mit bestehendem Kundenkonto,
  • nur an folgenden Standorten im jeweils maximalen Umkreis von zehn Kilometern und nur auf telefonische Vorbestellung (8 bis 12 Uhr): Alfdorf (Tel. 07172 / 30847), Haubersbronn (Tel. 07181 / 9944413), Neresheim (Tel. 07326 / 963617), Welzheim (Tel. 07182 / 496011),
  • Mindestbestellwert 20 Euro, Liefergebühr: fünf Euro (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer).

Der Parkplatz ist beinahe leer. Weit und breit ist kein Kunde zu sehen. Zwei Wachleute stehen vor dem Eingang des Waiblinger Obi-Baumarktes. Für einen Werktagmorgen herrscht hier beinahe gespenstische Ruhe. Doch der Eindruck täuscht. Der Baumarkt ist geöffnet. Jedoch nur für Handwerker mit Gewerbeschein, sagt einer der Wachleute. Der Andrang hält sich jedoch in Grenzen - genauer gesagt: Es gibt keinen, sagt ein Mitarbeiter des Baumarktes, der auf Kunden für die Weihnachtsbäume - und eben auf

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