Rems-Murr-Kreis

Die besten deutschen Gartenbücher bieten jede Menge Lesestoff

Gartenbücher 2021
Der Deutsche Gartenbuchpreis wird in elf Kategorien vergeben. © Joachim Mogck

Es ist Jahr für Jahr erstaunlich, welche Vielfalt an Gartenbüchern in den Verlagshäusern sprießen. Ratgeber und Kochbücher, Romane und Bildbände ... Unsere ZVW-Redakteurinnen und Redakteure haben in den von Schloss Dennenlohe mit dem Deutschen Gartenbuchpreis 2021 ausgezeichneten Gartenbüchern geblättert.

Im Garten soll’s leben! Tipps fürs kleine Paradies

Ein ganz normaler Hausgarten könnte ein blühendes, summendes, zwitscherndes, raschelndes – es gibt bestimmt noch mehr passende und verheißungsvolle Adjektive – Paradies sein. Wenn der Gartenbesitzer nicht nur einen glattgrünen Rasen und eine Thujahecke reinpflanzt. Bruno P. Kremer und Klaus Richarz laden ein „zum Mitmachen“. Sie stellen Schmetterlinge, Hummeln, Bienen, Eidechsen, Igel, Fledermäuse und viele weitere Tiere vor, die in einem ganz normalen Garten zu Hause sein könnten, wenn . . . Ja, wenn der Besitzer desselben das nachmacht, was er beim Stöbern im Buch entdeckt. Da geht’s um blühende Blumen, Büsche und Bäume, unaufgeräumte Eckchen fürs Wohnen und Verstecken, Trockenmäuerchen, die schöner nicht sein können und so viel Lebensraum bieten. Ein tolles Buch: informativ und inspirierend.

Bruno P. Kremer, Klaus Richarz: „Tiere in meinem Garten – Wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Wildtiere“, Hauptverlag, 29,90 Euro.

Bastelspaß mit Lerneffekt: Ein Buch für die Familie

Die Kleinen haben draußen mal wieder einen ganzen Eimer voller Schleimschnecken gesammelt? Regenwürmer sind auch dabei? Spannend! Was gibt es denn zu diesen Tieren zu erzählen? Oder zum Löwenzahn, zum Marienkäfer und der Libelle? Autorin Simone Wunschel sucht sich zu jedem ihrer Hauptdarsteller aus der Natur ein paar kleine, interessante Fakten heraus und packt sie in kindgerechte Kurztexte, die nach dem Vorlesen bestens noch mit Mama oder Papa besprochen werden können. Dazu gibt’s einen Basteltipp: mal ein selbst gemachtes Spiel, bei dem die Regenwürmer gerettet werden sollen, mal ein tanzendes Glühwürmchen oder einen Geldbeutel aus Papier. Alles ist frühlingsbunt, ganz einfach nachzumachen und das meiste Material findet sich irgendwo im Haushalt. Ein schönes Buch für die ganze Familie.

„Was krabbelt, summt und quakt denn da? Das Bastelbuch für mehr Natur- und Umweltschutz“, Simone Wunschel, Edition Michael Fischer, 12,99 Euro.

Legenden und Mythen über den Safran

Göttervater Zeus schlief mit seiner Gemahlin Hera in einem Bett aus Safran. Ein Missgeschick des Götterboten Hermes beim Diskuswerfen soll gar der eigentliche Grund für die Entstehung der Safranblüte gewesen sein: Hermes traf versehentlich seinen Freund Krokos und dessen Blut tropfte in einen Krokus. Ein eigenes Kapitel über antike Legenden über Safran aus der griechischen und römischen Mythologie und ihre im Laufe der Zeit bis heute abgewandelten Versionen durfte natürlich im 280 Seiten starken Buch von Sandra und Urs Durrer (Safran, Das Rote Gold, Anbau Geschichte Handel Rezept) nicht fehlen. Tatsächlich soll die Mutation des Wildkrokus zum heutigen Safrankrokus um etwa 2000 vor Christus in der Nähe von Athen stattgefunden haben, ganz entgegen dem Bild in den Köpfen, Safran sei ein vor allem urtümlich orientalisches Gewürz, obschon das Wort Safran tatsächlich seinen Ursprung in der arabischen Sprache hat. Krokos hingegen stammt aus dem Altgriechischen.

Irgendwie ist das Werk von Sandra und Urs Durrer sowieso mehr ein Geschichtsbuch als ein reines Gartenbuch. „Es beschreibt die Herkunft der Pflanze, die historischen und aktuellen Anbaugebiete, den Handel sowie die Verwendung in der Färberei, Kunst, Medizin, Kosmetik, und Kulinarik“, wie beide auch schon im Vorwort erläutern. Heutzutage gilt vor allem der Iran als „Safran-Hochburg“. Es gibt jedoch auch kommerzielle Anbauer sogar in Deutschland, Österreich, und der Schweiz.

Passend für Otto Normalverbraucher, Hobbygärtner und Hobbyköche wird die absolut lesenswerte Anthologie mit Kapiteln zum Pflanzen und Ernten im eigenen Garten und zum Verarbeiten sowie mit Lieblingsrezepten und Kochanleitungen wunderbar abgerundet.

Sandra Durrer, Urs Durrer: Safran. Das rote Gold. Anbau, Geschichte, Handel, Rezepte, AT-Verlag, Aarau (CH) und München 2020.

Ernährung als „politischer Akt“

Alles hängt mit allem zusammen. Ob wir uns Fertigfraß aus der Plastikpackung antun oder uns Geschmackskunst aus der eigenen Küche gönnen, wirkt sich sowohl aufs Wohlbefinden wie aufs Weltklima aus. Autorin Meret Bissegger bezeichnet es gar als „politischen Akt“, die „Grundlagen unserer täglichen Ernährung wieder selbst in die Hand zu nehmen“. Sie selbst folgt diesem Prinzip mit Inbrunst. Ihre Gerichte schmückt sie mit essbaren Blüten oder verleiht ihnen mit außergewöhnlichen Kräutern eine extra feine Note. Spezielle Peperoni füllt sie mit Linsensprossen, Ricotta, Knoblauch und Majoran; aus Fenchel fertigt sie süße Variationen und Karotten wie Zucchini verschmelzen bei ihr mit Datteln, Aprikosen, Nüssen und Zitrone zu Pralinen, die nach einem Tag Aufenthalt im Kühlschrank jedes Menü auf ungeahnt genussreiche Weise abrunden. Die Rezepte nehmen nur einen Teil des Buches ein. Meret Bissegger berichtet von Jungpflanzen-Produktion im Biogemüsebau, von der Bedeutung krummer Karotten fürs Einkommensgefüge regionaler Bauern oder von Besuchen bei Gemüseproduzenten, denen sie Löcher in den Bauch fragte: „Gerade beim Gemüse ist die Vielfalt an Geschmacksnuancen, Farben und Konsistenzen so groß, dass es einem nie langweilig wird, vor allem wenn man saisonal kocht.“

„Meine Küche im Frühling und Sommer – Gemüse, Kräuter, Blüten und Wildpflanzen“, Meret Bissegger, AT-Verlag, 39,90 Euro

„Fremdes Gemüse“ lädt zum Schmökern ein

Ein wunderschönes „Handbuch für den Anbau von fremden Gemüse- und Salatsorten“ hat die Agronomin, Agrar- und Gartenjournalistin Eveline Dudda 2020 im kleinen und unabhängigen Schweizer Sprießbürger-Verlag herausgebracht. Schon im Vorwort trotzt sie möglichen Unkenrufen von nationalistischen Spießern, die auf vermeintlich heimatliche essbare Gewächse setzen. Denn deren Zahl ist in Wirklichkeit gar nicht so groß. Weder die bürgerliche Kartoffel, die Tomate, der Kürbis noch der Kopfsalat oder der Spinat hatten ihre Urheimat in Europa. Und der Klimawandel dränge heutzutage ohnehin dazu, erneut „die Fremde in unsere Gärten aufzunehmen“, so Dudda.

Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet, mit vielen Abbildungen, und 264 Seiten stark, im Anhang finden sich ein Stichwort- und ein Pflanzenverzeichnis sowie das amüsante Glossar „Schweizerdeutsch - Deutsch“. Vom Algiersalat, der Inkagurke über Qinoa & Huazontle bis hin zur Wassermelone und Yacon: Dudda beschreibt rund 40 verschiedene essbare Gewächse einzeln und erläutert ihre Geschichte, ihre Eigenheiten, ihre Bedürfnisse und wie, wann und wo man sie am besten heranzieht, anbaut, erntet und auf den Teller bringt. Auch die Saatgutgewinnung und -lagerung lässt sie nicht aus. Zuletzt folgt noch ein eigenes Kapitel, in dem Dudda mit mehreren Mythen aufräumt: Stichstofffixierung, andine Pflanzen, Superfood und gesunde Kulturen. Ein hervorragendes und übersichtliches Handbuch, das zum Schmökern einlädt, sich aber auch zum gezielten Nachschlagen eignet.

„Sprießbürger Spezial - Handbuch für den Anbau von fremden Gemüse- und Salatarten“ von Eveline Dudda: „Bester Ratgeber“, Sprießbürger-Verlag, 29,50 Euro.

Alle mit dem Deutschen Gartenbuchpreis 2021 ausgezeichneten Bücher

Bestes „European Garden Book“: „Naturalistische Gartengestaltung“ von Nigel Dunnett, Ulmer Verlag. Auf den zweiten Platz kam „Ein Jahr in meinem Garten“ von Jaqueline van der Kloet aus dem GU-Verlag. Anne C. Repnow mit „Some Snowdrops“ aus dem Prinz5-Verlag kam auf den dritten Platz.

„Bester Bildband“: „Mein Garten im Wandel“ von Peter Janke und Jürgen Becker aus dem Becker-Joest-Verlag. Den zweiten Platz belegte „Paradiese mit Seeblick“ von Andreas Honegger aus dem Prestel-Verlag und der 3. Platz ging an Konstanze Neubauer mit „Gärten des Jahres 2021“, das im Callwey-Verlag erschienen ist.

„Bestes Buch über Gartengeschichte“: Karin Seeber mit ihrem umfassenden Werk „Marie Luise Gotheins“. Der zweite Platz ging an Dominik Flammer und Sylvan Müller mit ihrem Buch „Die historischen Gemüsegärten der Schweiz“ aus dem AT-Verlag. Der dritte Platz ging an „…und damit war die Hexerei geschehen“ von Andreas Schaaf, der das Buch selbst verlegt und gedruckt hat.

„Bester Garten-Reiseführer 2021“: „Das große Buch der Gärtnerinnen und Gärtner“ von Marion Nickig und Anja Birne, Callwey-Verlag. Anja Birne belegte mit Ihrem Buch „Die schönsten Gartenreisen in England“ aus dem Callwey-Verlag auch den zweiten Platz dieser Kategorie. Auf den dritten Platz kamen Heidi Howcroft und Marianne Majerus mit „Luxemburg – Land der Rosen“.

„Bestes Pflanzenporträt“: Andreas Bärtels, „Wild- und Zieräpfel“ aus dem Quelle&Meyer-Verlag. Mechthild Frintrup und ihr Werk „Das Brennnesselbuch“ kamen auf den zweiten Platz und auf dem dritten Platz konnten sich Sandra und Urs Durrer mit „Safran – das rote Gold“ behaupten – beide Bücher erschienen im AT-Verlag.

„Bestes Gartenbuch für Kinder 2021“: „Was krabbelt, summt und quakt denn da?“ von Simone Wunschel aus dem EMF-Verlag. Der zweite Platz ging an Sabine Simeoni für das Buch „Mit der Natur verbunden“ aus dem AT-Verlag. „Expedition Vitamine“ aus dem EMF-Verlag kam auf den dritten Platz.

„Bestes Buch zur Gartenprosa“: „Der Garten unter dem Eiffelturm“ von Elena Eden. Felicias Molenkamps „Pflanzengeflüster“ aus dem AT-Verlag landete auf dem zweiten Platz und der dritte Platz ging an Andreas Barlage mit seinem Werk „Wie kommt die Laus aufs Blatt“ aus dem Thorbecke-Verlag.

„Tiere im Garten“ ist seit zwei Jahren eine neue Kategorie und Bruno P. Kremer und Klaus Richarz mit dem gleichnamigen Buch „Tiere in meinem Garten“ aus dem Haupt-Verlag kamen hier auf den ersten Platz. „Besonders: Schmetterlinge“ von Michael Altmoos aus dem Pala-Verlag wurde Zweiter und „Hühner“ von Jakob Eggenhofer aus dem EMF-Verlag errang den dritten Platz.

„Bester Ratgeber“: Eveline Dudda und ihr Buch „Spriessbürger Spezial“ erschienen im gleichnamigen Spriessbürger Verlag. Den zweiten Platz erhielt Heidi Lorey für ihr Werk „Wintergemüse“ und der dritte Platz ging an Tjards Wendebourg mit seinem Buch „Der Kies muss weg!“ - beide Bücher stammen aus dem Ulmer Verlag.

„Bestes Gartenkochbuch“: „Meine Küche im Frühling und Sommer“ von Meret Bissegger. „All‘orto“ von Claudio Del Principe erhielt den zweiten Platz. Beide Bücher sind im AT-Verlag erschienen. Janine Hissel und Elke Schwarzer wurden Dritter mit ihrem Buch „Das kleine Unkraut Kochbuch“, Ulmer Verlag.

„Bester Garten-Blog 2021“: „Beetwunderung.de“ von Sven Beck. Xenia Rabe-Lehmann mit ihrem „Berlingarten.de“ errang den zweiten Platz und „grüneliebe.de“ von Sandra Jägers kam auf den dritten Platz.

Neu in diesem Jahr ist die Kategorie „Bester Gartenpodcast“ - diese Auszeichnung erhielt Heike Sicconi mit Ihrem „Gartenradio – Der Garten-Podcast“.

Der mit 1500 Euro dotierte Dehner Sonderpreis für den Besten Einsteiger-Ratgeber ging an Bärbel Oftring für ihr Buch „Mach mich locker“, erschienen im Kosmos-Verlag.

Die drei Stihl-Sonderpreise für außergewöhnliche Leistungen in der Gartenliteratur erhielten in diesem Jahr die folgenden Autoren: Andreas Schaaf mit „ …damit war die Hexerei geschehen …“, Print on Demand (Preisgeld: 5000 Euro); Sandra und Urs Durrer mit „Safran – Das rote Gold“, AT-Verlag (3000 Euro); Andreas Bärtels mit „Wild- und Zieräpfel“, Quelle&Meyer-Verlag (2000 Euro).“

„European Garden Photo Award“ für die besten europäischen Gartenfotos, der von Schloss Dennenlohe mit 1000 Euro dotierte erste Preis ging an Richard Bloom für sein Werk „Sunrise in the Tietar Valley“. Der zweite Platz wurde an Vincenzo Di Nuzzo und sein Bild „Villa Porfidia Garden“ vergeben, gefolgt von Ulrike Adam mit ihrem Foto „Moon Gate".

Der Deutsche Gartenbuchpreis

Schloss Dennenlohe hat zum 16. Mal den Deutsche Gartenbuchpreis verliehen. Der Gartenbuchpreis, präsentiert von Stihl, wird in elf Kategorien vergeben. Der „European Garden Book Award“ und der „European Garden Photo Award“ werden von Baron und Baronin Süsskind verliehen. Insgesamt wurden bei den vorhergehenden Jurysitzungen über 120 von den Verlagen eingereichte Bücher von der Jury bewertet. Zusätzlich wurden die besten europäischen Gartenfotos, Gartenblogs und, neu in diesem Jahr, Gartenpodcasts gekürt.

Mit dem „Premium Award“ für Gartenbücher würdigt Schloss Dennenlohe außergewöhnliche literarische Leistungen auf dem Gebiet des Gartenbaus und der Gartenkultur. Der Deutsche und Europäische Gartenbuchpreis ist als Auszeichnung für Autorinnen und Autoren gedacht, die durch ihre Veröffentlichungen, den Menschen grünes Wissen auf besondere Art nahebringen und darauf hinweisen, dass Pflanzen, Tiere, Menschen, Gartenkultur- und Landschaft eine unteilbare Einheit bilden.

Der Deutsche und Europäische Gartenbuchpreis unterstützt die Siegerinnen und Sieger mit Geldpreisen in Höhe von 12.500 Euro.

Es ist Jahr für Jahr erstaunlich, welche Vielfalt an Gartenbüchern in den Verlagshäusern sprießen. Ratgeber und Kochbücher, Romane und Bildbände ... Unsere ZVW-Redakteurinnen und Redakteure haben in den von Schloss Dennenlohe mit dem Deutschen Gartenbuchpreis 2021 ausgezeichneten Gartenbüchern geblättert.

Im Garten soll’s leben! Tipps fürs kleine Paradies

Ein ganz normaler Hausgarten könnte ein blühendes, summendes, zwitscherndes, raschelndes – es gibt bestimmt noch mehr

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