Rems-Murr-Kreis

Die Crashpropheten: Das Bestseller-Duo Matthias Weik und Marc Friedrich wandeln jetzt auf Solopfaden

Freidrich - Weik
Marc Friedrich (links) und Matthias Weik gehen getrennte Wege. © verlag

„Crashpropheten“ werden sie genannt. Mit „Der größte Raubzug der Geschichte“, das 2012 erschien, sind die beiden aus Waiblingen stammenden Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich auf einen Schlag bekannt geworden. Bestseller folgte auf Bestseller: „Sonst knallt’s“ auf „Der Crash ist die Lösung“, „Der größte Crash aller Zeiten“ auf „Kapitalfehler“. Seit Oktober gehen die beiden Querdenker getrennte Wege. Die Sprachregelung lautet: Wir haben uns auseinandergelebt - wie dies in einer Ehe nun mal so sei. „Wir hatten elf erfolgreiche Jahre“, versichert Matthias Weik. Inhaltlich befänden sie sich weiterhin auf einer Linie. „Alles andere wäre auch schwierig.“

Die gemeinsame Firma „Friedrich & Weik Vermögenssicherung“ ist Vergangenheit. Matthias Weik ist nun mit seiner Firma „F&W Finanzen und Wirtschaft Strategien zur Vermögenssicherung“ solo unterwegs. Marc Friedrich ist mit der Friedrich Vermögenssicherung GmbH von Lorch nach Adelberg umgezogen. Friedrich wie Weik bieten wie gehabt Honorarberatungen in Vermögensfragen an. Obwohl Autorenlesungen coronabedingt ausfallen, ist vor allem Friedrich in den Medien präsent. Mit seiner zugespitzten These, der Lockdown zeitige wirtschaftlich schlimmere Folgen als die Seuche, stieß er auf heftigen Widerspruch.

Was geschieht mit dem „Weik & Friedrich Wertefonds“?

Die Frage ist: Was geschieht nach der Trennung mit dem „Weik & Friedrich Wertefonds“, den sie 2017 gemeinsam aus der Taufe hoben und deren Namensgeber sie sind? Der Fonds laufe weiter, sagt Weik. Aber sie seien lediglich die Ideengeber gewesen für den Fonds. Mit der Verwaltung des Fonds und dem Tagesgeschäft, versichert er, haben weder er noch Friedrich irgendetwas zu schaffen. Darum kümmerten sich Fachleute, nämlich die Knösel & Rongs Vermögensverwaltung und die Plutos Vermögensverwaltung. In seinen Beratungen verliere er kein Wort über den Fonds, der seinen Namen trägt. „Sonst wäre ich ja ein Finanzproduktverkäufer.“

Der Fonds setzt auf Sachwerte - hauptsächlich Gold und Goldminenaktien. Schließlich raten Weik und Friedrich ihren Kunden und Zuhörern bei ihren Lesungen ein ums andere Mal, die Finger von Geld und Immobilien zu lassen, um sich selbige im Fall des Kollapses der Weltwirtschaft nicht  daran zu verbrennen.

Die Finanzexperten der Stiftung Warentest haben übrigens dem Fonds Anfang des Jahres ein vernichtendes Urteil ausgestellt: Der Fonds liefere eine sehr geringe Rendite, habe zu hohe Kosten und sei ethisch fragwürdig.

Dass das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem spätestens nach der Finanzkrise 2008/2009 auf einen Kollaps zutreibt, diese These vertraten Weik und Friedrich bereits in ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte – Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. 2012 gab Friedrich dem Finanzsystem keine vier Jahre. Der Euro sei eine Fehlkonstruktion, die Therapien gegen die Finanzkrise ein riesiger Schwindel. Die Verschuldung wachse ins Unermessliche, und ein Kollaps sei unvermeidlich. All die Euro-Rettungsversuche verschafften höchstens ein paar Atempausen, mehr nicht.

Über Nacht wurden die beiden Vermögensberater berühmt

Der Raubzug, noch im kleinen Tectum-Verlag erschienen, wurde zum Bestseller, stand monatelang in der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in Dutzende Sprachen übersetzt. Aus den unbekannten Vermögensberatern aus der schwäbischen Provinz wurden über Nacht gefragte Gesprächspartner in den Medien; Autoren, die bei ihren Lesungen große Hallen füllten. Mehrfach hat auch der Zeitungsverlag Waiblingen mit Weik und Friedrich gut besuchte Lesungen veranstaltet.

Der Crash lässt jedoch auf sich warten. „Wir erleben momentan die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit“, erklärten sie die Verzögerungen. 2014 schrieben die zu einem renommierten Verlag gewechselten Autoren ihr zweites Buch: „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“. Es wurde wieder ein Bestseller. „Sach’ bleibt Sach'“, rieten sie ihren Zuhörern: „Raus aus den Papierwerten, rein in die Sachwerte.“

2016 schrieben Weik und Friedrich ihr drittes Buch: „Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Auf der Hülle klebte der Hinweis „Spiegel: Bestseller-Autoren“. Ihre Erklärung für das Ausbleiben des Kollapses lautete: Die Politik spiele schlicht auf Zeit – und verschlimmere mit ihren falschen Therapien die Krisen.

2017 hieß es: „Sonst knallt’s“. Marc Friedrich und Matthias Weik hatten wieder einen reißerischen Titel für ihr Buch gefunden, das sie zusammen mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm, geschrieben haben: „Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“, versprach der Untertitel. Es handelte sich um das gemeinsame Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ein gesellschaftliches Thema, das wie kaum ein anderes zum Streit reizt. „Die digitalisierte Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft macht ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht nur möglich. Sie wird ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht mehr funktionieren.“

2019 kehrten Weik und Friedrich zu ihrem Leib- und Magenthema zurück: „Der größte Crash in der Geschichte: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können“. Wer die ersten drei Bücher gelesen hat, werde im vierten Buch allenfalls auf den neuesten Stand des Untergangs gebracht, schrieben wir in einer Rezension. Es habe sich aus ihrer Sicht nichts in der verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik geändert. Der Zusammenbruch werde nur hinausgezögert. Immerhin legten sie sich nun auf ein Datum für den Crash fest. „Bis spätestens 2023“ werde der Euro scheitern, kündigen die beiden Ökonomen an.

An einem sechsten Buch arbeitet Matthias Weik derzeit nicht. „Ich warte ab, wie sich Corona entwickelt.“ Mitten in der weltweiten Pandemie mit ihren radikalen Auswirkungen auf das tägliche Leben eine ökonomische Analyse vorzulegen, diesen Mut habe er nicht. Viel mehr als „Kaffeesatzleserei“ könnten in diesen Zeiten solche Analysen sowieso nicht darstellen. Ein Vorwurf, der den beiden Crashpropheten seit ihrem ersten Buch gemacht wird.

„Crashpropheten“ werden sie genannt. Mit „Der größte Raubzug der Geschichte“, das 2012 erschien, sind die beiden aus Waiblingen stammenden Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich auf einen Schlag bekannt geworden. Bestseller folgte auf Bestseller: „Sonst knallt’s“ auf „Der Crash ist die Lösung“, „Der größte Crash aller Zeiten“ auf „Kapitalfehler“. Seit Oktober gehen die beiden Querdenker getrennte Wege. Die Sprachregelung lautet: Wir haben uns auseinandergelebt - wie dies in einer Ehe nun

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