Rems-Murr-Kreis

Die Grünen werfen den Waiblinger Alfonso Fazio raus: Unsere Einordnung dazu - und ein deftiger Kommentar von Fazio selbst

Fazio
Alfonso Fazio plakatiert  Alfonso Fazio. © Benjamin Büttner

Parteiausschlussverfahren? So heißt das, was der grüne Landesvorstand diese Woche gegen Alfonso Fazio auf den Weg gebracht hat, offiziell – präziser ausgedrückt handelt es sich in diesem Fall um einen Rauswurf im hohen Bogen. Das war absehbar, ja, unausweichlich. Was Fazio derzeit aufführt, ist krass parteischädigend. Und doch ist damit nicht alles gesagt. Zu reden ist auch über Idealismus und Karrierismus bei den Grünen. Rollen wir den Fall auf ...

Der Waiblinger Alfonso Fazio, so hat es dieser Tage der grüne Landesvorstand verkündet, habe „vorsätzlich und erheblich“ gegen Ordnung und Grundsätze der Partei verstoßen, habe ihr „schweren Schaden zugefügt“; und weil es ein bisschen dauern kann, bis die Ausschlussformalien vollends abgewickelt sind, wird Fazio schon mal „mit sofortiger Wirkung“ von seinen Mitgliedsrechten „suspendiert“. Nicht bald, nicht schnell - jetzt. Ein deftigeres Basta-Wort hat man von den Grünen selten gehört. Wie kam es zu dieser Eskalation?

Alfonso Fazio, Swantje Sperling und die Geschichte einer Eskalation

Eigentlich wollte im Wahlkreis Waiblingen Fazios Tochter Marilena Landtagskandidatin für die Grünen werden – und hätte es auch fast geschafft. Nur knapp unterlag sie in der parteidemokratischen Vorausscheidung gegen Swantje Sperling, die bis dato im Nachbarkreis Ludwigsburg politisch tätig gewesen war.

Worauf Vater Alfonso erklärte: Dann trete ich an! Nicht für die Grünen. Als Einzelbewerber. Und damit de facto: gegen die Grünen. Gegen die mit Parteimehrheit gekürte Bewerberin Sperling.

Man kann das verschieden deuten. Als kindischen Trotz eines beleidigten Papas, alternden Platzhirsches und selbstgerechten Machos, der die politische Impulskontrolle über sein seit je gischtendes Temperament nun vollends und total verloren hat. Oder als letztes verzweifeltes Aufbäumen eines altgrünen Idealisten gegen den um sich greifenden Karrierismus in der Partei.

Früher haben die Grünen genüsslich gelästert: Wer bei der CDU, dieser Streber-Bande, was werden will, muss sich nach oben dienern und intrigieren – bei uns hingegen zählt das Engagement, die Leidenschaft für die gute Sache! Schwarz: die Partei für die Ehrgeizlinge. Grün: die Partei für die Weltretter. So mag das mal gewesen sein. Solange es bei der CDU dauernd Posten zu gewinnen gab und bei den Grünen immer nur die Ehre. Die Zeiten aber sind vorbei. Auch wenn die Grünen manchmal immer noch so klingen, als hielten sie sich für idealistische Underdogs – in Wahrheit verkörpern sie seit zehn Jahren die Macht im Ländle. Wer was werden will, muss sich ein CDU-Parteibuch zulegen? Man kommt auch mit grünem Ticket flott voran.

Idealismus und Macht: Zu den Spannungen bei den Grünen

Es gärt in der Partei, davon berichten Insider schon länger. Altgediente seien irritiert, nachgerade verstört darüber, mit welcher Ellbogenwucht, welchem Netzwerkergeschick, welcher Kampagnen-Kompetenz da neuerdings ehrgeizige junge Leute nach vorne drängen. Und Jüngere seien verblüfft, nachgerade schockiert darüber, mit welcher Beharrungskraft Altvordere meinen, es müsse immer noch quasi naturgesetzlich alles nach ihnen gehen.

Das sind die komplexeren Hintergründe der Affäre Fazio. Und wenn er deshalb vor dieser Landtagswahl lautstark darauf aufmerksam gemacht hätte, dass die Grünen aufpassen sollten, nicht ihre Idealistenseele zu verlieren – die Partei hätte kein Ausschlussverfahren einleiten dürfen. Sie hätte ihm womöglich gar dankbar sein müssen. Allein, Fazio hat es dabei nicht belassen. Um das Ausmaß seines zerstörerischen Mutwillens einzuordnen, bemühen wir ein Beispiel vom Fußball.

Alfonso Fazio und Thomas Hitzlsperger: Ein Gedankenspiel

Stellen wir uns vor, es gäbe beim VfB einen AG-Chef namens Hitzlsperger, der nicht klarkommt mit der Amtsführung eines Präsi namens Vogt. Was tun?

Intern Kritik äußern? Wäre absolut okay.

Was an die Medien durchstecken, weil das Murren im kleinen Kreis kein Gehör findet? Kann eine sinnvolle Option sein.

Gegen Vogt einen entfesselten Schimpfbrief mit vagen und unbelegten Vorwürfen rausledern? Schwierig.

Fazio aber ist weit darüber hinausgegangen. Was er derzeit tut, ist, als hätte Hitz gesagt: Da mir Vogt nicht passt, fädele ich jetzt mal, um ihm zu schaden, den Verkauf von Silas an den KSC ein, für den Preis von 100 Euro.

Das nämlich macht Fazio: Mit seiner Einzelbewerbung mäht er lustvoll das Wieschen der CDU. Jede Stimme, die er Swantje Sperling abluchst, fehlt der offiziellen grünen Bewerberin im Kampf um das Direktmandat gegen den CDU-Kandidaten. Wenn es je einen lachenden Dritten gab, dann heißt er Siegfried Lorek.

Dieser Tage hat Fazio gar gemeinsam mit Lorek einen Wahlkampftermin zelebriert, eine Kochshow, hat auf die Aufmerksamkeitstrommel gekloppt für den stärksten Gegner der Grünen.

Lorek ist ganz gewiss nicht im Allergeringsten vorzuwerfen, dass er Fazios Spielchen – beim VfB würde man es wohl „Guerilla-Marketing“ nennen – genüsslich mitspielt. Dass Alfonso Fazio dafür aber im hohen Bogen bei den Grünen rausfliegen muss, ist sonnenblumenklar. Denn dermaßen enthemmt wie Fazio hat kein Polit-Promi im Rems-Murr-Kreis gegen die eigene Partei agitiert, seit Ralf Özkara erklärt hat, die AfD werde „von Idioten geleitet“. Wobei man Özkara allerdings nicht davonjagen musste. Er trat selber aus. 

Parteiausschlussverfahren? So heißt das, was der grüne Landesvorstand diese Woche gegen Alfonso Fazio auf den Weg gebracht hat, offiziell – präziser ausgedrückt handelt es sich in diesem Fall um einen Rauswurf im hohen Bogen. Das war absehbar, ja, unausweichlich. Was Fazio derzeit aufführt, ist krass parteischädigend. Und doch ist damit nicht alles gesagt. Zu reden ist auch über Idealismus und Karrierismus bei den Grünen. Rollen wir den Fall auf ...

Der Waiblinger Alfonso Fazio, so

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