Rems-Murr-Kreis

Die sechs besten Restaurants im Rems-Murr-Kreis. Avui, Bachofer, Nico Burkhardt, Goldberg Malathounis und Oettinger's

Bachofer
Bei Bernd Bachofers Restaurant in Waiblingen können noch Weihnachtsmenüs bestellt werden. © Benjamin Büttner

Keine Frage, Sterneküche hat ihren Preis. Weshalb der Hinweis erlaubt ist, dass man im Remstal oder auf dem Welzheimer Wald auch für unter 40 Euro am Abend pro Person sehr gut essen kann. Wer jedoch das Doppelte und mehr ausgeben kann oder will, dem seien außer dem Goldberg diese fünf Lokale ans Herz beziehungsweise den Geldbeutel gelegt.

Das Goldberg in Fellbach hat der Gourmetführer Michelin nun sogar mit zwei Sternen ausgezeichnet. Eine Premiere im Remstal, in dem es insgesamt sechs Sternelokale gibt. In der Bewertung der sechs besten Restaurants sind sich die beiden führenden Feinschmeckerführer, Michelin und Gault Millau, weitgehend einig. 

Philipp Kovacs darf sich als erster Koch im Rems-Murr-Kreis mit zwei Michelin-Sternen schmücken. „ We couldn’t be more proud of this outstanding reward!“ schreibt das Fellbacher Goldberg auf Facebook über die Auszeichnung, die nur 41 Gourmettempeln in Deutschland zuteilgeworden ist.

Avui: „Handwerklich präzise“

In Fellbach hat der „Hirschen“ mit seinem Ableger Avui eine für die vergängliche Gastroszene lange Sterne-Tradition. Mitte der 1990er Jahre leuchtete über dem Remstal nach mehrjähriger Abstinenz endlich wieder ein Stern. Damals führten Sabine und Günther Oberkamm („Obi“) im Fellbacher „Hirschen“ die Regie; an den Töpfen zeigte bereits Bernd Bachofer sein Können, das er inzwischen in seinem eigenen „Bachofer“ in Waiblingen unter Sternebeweis stellt.

Nach dem Abschied der Oberkamms übernahm Armin Karrer den Hirschen und kocht seither mit Stern: „Bekannt ist das schmucke historische Fachwerkhaus im Ortskern von Fellbach nicht zuletzt für seine Gastronomie“, urteilt der Michelin in seiner 2021er-Ausgabe: „Im Gourmetrestaurant „Avui“ des Hotels „Zum Hirschen“ kochen Patron Armin Karrer und sein engagiertes Team überaus harmonisch, handwerklich präzise und ohne große Schnörkel. Dass hier nur ausgesuchte Produkte verarbeitet werden (beispielsweise beim Zander mit Spitzkraut, Linsen und Avocado), steht völlig außer Frage. Und die Servicecrew tut ein Übriges: Freundlich und geschult kümmert sie sich um die Gäste.“

Nicht ganz so begeistert zeigt sich der Gault Millau vom Konzept des Avui. Es habe nur in den Wintermonaten geöffnet, mäkeln die Gault-Millau-Kritiker, und auch nur dann, wenn dort keine Events stattfänden. Und auch das Essen („geschmacklose Monotonie“) schmeckte ihnen an dem Abend nicht, was nichts an zwei Mützen und 16 Punkten änderte. Denn: „Wir wissen und hoffen darauf: Armin Karrer kann es besser!“

Oettinger's: „Edel, aber nicht steif“

Sternelokal Nummer drei in Fellbach ist das Oettinger’s in Schmiden: „Edel, aber nicht steif“, zitiert der Michelin dessen Motto: „Entsprechend angenehm sind das wohnliche Landhaus-Ambiente und die sympathisch-lockere Gästebetreuung.“ Michael Oettinger leitet den Familienbetrieb mit über 150-jähriger Tradition gemeinsam mit seinem Bruder Martin und war in renommierten Adressen wie zum Beispiel dem „Burgrestaurant Staufeneck“ in Salach oder dem „Louis C. Jakob“ in Hamburg tätig, bevor er 2005 die Küchenleitung übernahm. „Gekocht wird mit modernem Touch und absolut hochwertigen Zutaten.“ Zur Wahl stünden die Menüs „Teamwork“, „Old School“ und „Ab-ins-Beet“, wie die Vegi-Variante genannt werde.

Der Kritiker des Gault Millau setzt Michael Oettinger zwei Mützen auf, überschlägt sich schier mit Lob und rührt die Lobhudelei in einem sternewürdigen Schachtelsatz zusammen: „Wenn man nach einer intensiven Testsaison zurückblickt, bleiben unter vielen Abenden einige wenige zurück, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, deren Akzente und Inspirationen sich unter den von den Zutaten oft frappierend ähnlichen Gerichten der Spitzenküche ins Gedächtnis graben - oder deren Atmosphäre so angenehm war, dass man auch ganz privat gerne wiederkommen möchte.“ Nach vielen, den Mund wässrig machenden Beschreibungen der Menüs („Kracher“, „keine Langeweile“, „nirgendwo spannender und zarter kombiniert“) kommt der Gastrokritiker zum Ende: „Vier Gänge ohne Brimborium, der Mut des Chefs zu hauseigener Inspiration und die durchgängig hervorragende Küchenleistung - Chapeau!“

Malathounis: „Wohldosiert“

Nur zehn Kilometer sind’s von Schmiden zu „Malathounis“ in Kernen-Stetten, einem weiteren der fünf Sternelokale im Unteren Remstal. Nicht immer leuchteten über der Gastronomie im Remstal so viele Sterne wie heute. Ende der 1980er Jahre war es eher bewölkt. Rolf Schlegel hielt bis Mitte der 90er Jahre im Stettener Traditionslokal „Ochsen“ die Gourmetküche hoch. Schlegel wollte aber keine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Ochsen und verweigerte sich dem Trend, eine exquisite Gourmetküche für einen Teil der Gäste zu etablieren. Weg war der Stern. 1999 ging über dem „Hirschen“ in Fellbach wieder ein Stern über dem Remstal auf. 2014 folgte der Stern fürs Malathounis in Stetten.

Der Gault Millau erweist dem Malathounis seine Referenz mit zwei Mützen und ebenfalls 16 von 20 Punkten. Immer wieder ins Auge sticht die Begeisterung über die Gastfreundschaft der Familie, in der Joannis für das Essen in „Deutschlands vermutlich bestem griechischen Restaurant“ zuständig ist und Anna überschwänglich für den Service gelobt wird. Allerdings warnt der Kritiker, dass der Gast enttäuscht wird, der mit griechischer Küche „veredeltes Gyros und besonders ölgeschwängertes Gemüse“ verbindet.

Und so beschreibt der Michelin das Malathounis: „Griechische Küche mit Stern? „Modern greek cuisine“ liest man an der Haustür, und die findet man in dem geschmackvoll-charmanten Restaurant der Eheleute Malathounis dann auch vor. Filigran und mit mediterraner Leichtigkeit kommen die Gerichte daher. Wohldosiert bringt Patron Joannis Malathounis Aromen aus seiner griechischen Heimat mit ein, und das wirkt nie überladen oder forciert. Nicht fehlen darf da das hochwertige Olivenöl! Spannend, wie man hier die Küche Griechenlands interpretiert.“

Bachofer: „Nicht alltäglich“

Bloß sieben Kilometer sind’s von der Gartenstraße in Stetten zum Marktplatz in Waiblingen, wo Bernd Bachofer sein Sternelokal betreibt. Übrigens haben das Malathounis und Bachofer einst im selben Jahr ihren Stern erhalten. 2014 war das. Der Michelin begründet den Stern fürs Bachofer so: „Patron Bernd Bachofer hat seinen ganz eigenen Stil, und der zeigt deutliche - und sehr stimmige - Einflüsse der großen asiatischen Küchen. Klasse die Produktqualität. Seeteufel mit würzigem Som Tam (grüner Papaya-Salat) oder Unagi vom Grill bieten ein nicht alltägliches Geschmackserlebnis! Das wertige Ambiente samt Tresen (von hier hat man den besten Blick in die Küche) passt da ebenso gut ins Bild wie das professionelle, eingespielte und sehr freundliche Serviceteam. Fair kalkulierter Lunch.“

Der Gault Millau hat für Bachofer und seine asiatisch angehauchte Küche zwei Kochmützen und 15 Punkte übrig. Der Gastrokritiker erlebte offenbar ein Wechselbad der Gefühle. Hier „ein intensiver Dashi-Sud mit einem halbrohen Eigelb zum Schlürfen - kraftvoll, aromatisch, süffig, eine Wucht!“ Dort jedoch die rosige Entenbrust und die punktgenau gebratene Leber, die „unter einer Überdosis Süße durch Zwiebel-Miso und Hoisin-Jus, vor allem aber unter dem Trüffelöl im Foie-gras-Eis“ gelitten haben.

Nico Burkhardt: „Origineller Stil“

Von Waiblingen zum sechsten Remstal-Stern nach Schorndorf ist es nicht weit. 20 Kilometer. Und 2020 hat ihn Nico Burkhardt erhalten. Die wenige Zeit im Coronajahr hat Burkhardt genutzt, den Stern zu verteidigen, zumal ihm ja ein guter Ruf vorauseilt: „Sicher sagt Ihnen der Name Nico Burkhardt etwas, denn als Sterne-Koch hat er schon im Stuttgarter „Olivio“ von sich reden gemacht“, schreibt der Michelin. „Seit Herbst 2018 kocht er nun im Gourmetrestaurant seines ,Boutiquehotels Pfauen’, einem sehenswerten historischen Fachwerkhaus in der Altstadt. Mit eigenem Stil und reichlich Details bereitet er hervorragende Produkte modern zu, von der schön saftigen Wachtelbrust über den feinen Atlantik-Kabeljau bis zum perfekt gereiften Rehrücken! Serviert wird in einem geschmackvoll und warm eingerichteten Raum mit gerade mal vier Tischen. Hier fühlt man sich wirklich wohl, denn die Atmosphäre ist angenehm intim und man wird zudem noch richtig aufmerksam und herzlich umsorgt!“

Vor diesem Lob mag der Gault Millau nicht zurückstehen, setzte Burkhardt zwei Mützen auf und gab Küche und Service in diesem wahrlich sehr kleinen Gourmettempel 16 Punkte. Offenbar kennt ihn auch der Gault-Millau-Kritiker noch aus der Zeit im „Olivio“: „Die damaligen Ausflüge in die Molekularküche ersetzt er hier durch einen zunehmend eigenständigen, im besten Sinne originellen Stil, der von tadelloser Produktqualität, einer liebevollen Inszenierung am Tisch bis hin zu gekonntem Kitsch und einem feinsinnigen Spiel voller Zitate mit Textur- und Aromenkonstrasten lebt.“

Einem Tritt ans Schienbein gleicht die Bemerkung über die Weinkarte. Die in Zusammenarbeit mit einem Weinhändler entwickelte Karte zeige „ein entsprechend uninspiriertes Sammelsurium meist mittelmäßiger Tropfen aus aller Welt“.

Gourmetessen zum Mitnehmen

Übrigens müssen Feinschmecker in Coronazeiten nicht auf Remstäler Sterneküche verzichten. Das Bachofer bietet von Donnerstag bis Samstag „Bachofer zum Mitnehmen an: „Alle Speisen haben den typischen Bachofer-Style, sind vakuumiert oder eingeglast und müssen zu Hause nur noch regeneriert werden! Eine ausführliche ,How to cook’-Gebrauchsanweisung ist natürlich beigelegt.“

Bei Oettinger’s in Schmiden liegen „Weekend-Boxen“ zum Abholen bereit, und zwar zum fertigen Zubereiten am Freitag oder gekühlt am Samstag oder Sonntag.

Das Goldberg hingegen vertröstet seine Fans: Die „Oster Gourmet Box by Philipp Kovacs - Sterne-Dinner für zu Hause“ wird am Ostersamstag abgeliefert oder kann abgeholt werden.

Armin Karrer lässt zwar im Avui die Küche kalt, bietet aber aus seinem Hirschen eine reichhaltige Speisekarte an.

Keine Frage, Sterneküche hat ihren Preis. Weshalb der Hinweis erlaubt ist, dass man im Remstal oder auf dem Welzheimer Wald auch für unter 40 Euro am Abend pro Person sehr gut essen kann. Wer jedoch das Doppelte und mehr ausgeben kann oder will, dem seien außer dem Goldberg diese fünf Lokale ans Herz beziehungsweise den Geldbeutel gelegt.

Das Goldberg in Fellbach hat der Gourmetführer Michelin nun sogar mit zwei Sternen ausgezeichnet. Eine Premiere im Remstal, in dem es insgesamt

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