Rems-Murr-Kreis

Ein uralter Feuerlöscher nutzt niemandem, und wenn's schon brennt: Schnell raus!

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Markus Huckle demonstriert im Hof der Waiblinger Feuerwehr, wie man mit einem Feuerlöscher einem Kleinbrand zu Leibe rückt. © Ralph Steinemann

Mal ehrlich: Wer bringt regelmäßig den Feuerlöscher zum Check?

Fast niemand.

„Der beste Feuerlöscher bringt nichts, wenn er seit 30 Jahren ohne Prüfung im Keller hängt“, gibt Markus Huckle zu bedenken. Er ist bei der Waiblinger Feuerwehr für Aus- und Fortbildung zuständig und verweist aufs empfohlene Prüf-Intervall: Alle zwei Jahre sollte ein Feuerlöscher zur Wartung. Mit der Zeit lässt der Druck im Löscher nach, das Löschmittel könnte verkleben – und, und, und. „Es hat schon seine Gründe, warum man sie prüfen muss“, sagt Markus Huckle.

Im Notfall steht der Mensch unter Stress

Im Hof der Waiblinger Wehr in der Winnender Straße demonstriert er, wie man einen Feuerlöscher richtig bedient – auch das dürfte viel zu vielen Bürgern nicht bekannt sein. Schwierig ist es nicht, doch im Notfall steht der Mensch unter Stress und wird nicht die Nerven aufbringen, erst mal in Ruhe eine Gebrauchsanleitung zu studieren.


Verschiedene Arten von Feuerlöschern stehen zur Auswahl. Pulver-, Schaum- oder Wasserlöscher unterscheiden sich erheblich. Die Waiblinger Feuerwehr stellt Bürgern und Kursteilnehmern zu Trainingszwecken Wasserlöscher zur Verfügung. Man zieht oben am Hebel den Sicherungsring heraus, löst den Schlauch aus der Verankerung, hebt den Löscher an, drückt den oberen Hebel nach unten – und binnen kurzem ist der Probebrand eines Computergehäuses im Hof der Feuerwehr erloschen. Das ist gut so, denn ruck, zuck ist das Löschmittel verbraucht – schneller, als man denkt.

Löschpulver verteilt sich in der gesamten Wohnung

Privatpersonen rät Markus Huckle zu Wasserlöschern, „weil die Folgeschäden geringer sind“. Löschpulver verteilt sich in der kompletten Wohnung. Zu achten sei ferner auf den ABC-Vermerk: Diese Löscher eignen sich sowohl für brennende feste, flüssige wie gasförmige Stoffe.

Giftige Gase, die bei einem Brand entstehen, sind nicht zu unterschätzen: Selbst nach einem Mini-Brand in einer Wohnung können Gegenstände bereits kontaminiert sein. Nick Bley, der bei der Waiblinger Feuerwehr für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, rät dringend davon ab, direkt nach einem Brand in der betreffenden Wohnung zu übernachten. Fachleute der Feuerwehr können messen, ob und welche Schadstoffe zurückgeblieben sind. Selbst wenn es gar nicht in der eigenen, sondern in einer anderen Wohnung im Haus gebrannt hat, sei Vorsicht geboten. Kohlenmonoxid (CO) durchdringt selbst Betondecken, warnt Markus Huckle.

Tückisch: Bei jeder Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid

Fazit: Wer einen „Entstehungsbrand“ selbst erfolgreich gelöscht hat, sollte dennoch die Feuerwehr rufen. Ohnehin eigne sich ein Feuerlöscher nur dafür, einen beginnenden Kleinbrand zu bekämpfen. Sollte eine glimmende Kippe aufs Sofa gefallen sein oder Fleisch in der Pfanne zu kokeln beginnen, mag der Löscher nützen. Brennt bereits ein Sessel oder ist die Küche schon von Rauch durchdrungen – bloß schnell raus und draußen die 112 wählen. Wer glaubt, noch schnell Sachen retten zu müssen, bringt sich in Lebensgefahr. Rauchgas führt sehr schnell zu Bewusstlosigkeit. Bei jeder Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid, „das ist das Tückische“, warnt Markus Huckle. Es reichen wenige Atemzüge, bis die Sinne schwinden. Nach acht bis zwölf Minuten tritt der Tod ein.

Zusätzlich Melder für Kohlenmonoxid installieren

Gewöhnliche Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid, weshalb Markus Huckle rät, zusätzlich CO-Melder in der Wohnung zu installieren. VDS-geprüfte Geräte sind vom Verband der Sachversicherer für gut befunden, und auch Rauchmelder sollten mit VDS-Siegel ausgestattet sein. „Die Rauchmelderpflicht sollte jedem bekannt sein“, hofft Markus Huckle – wohl wissend, in vielen Haushalten fehlen die Lebensretter nach wie vor.

Unterdessen demonstriert Markus Huckle im Hof der Feuerwehr, wie man mit einem konventionellen Löscher einem Kleinbrand zu Leibe rückt. Regel Nummer eins: Windrichtung beachten und das Feuer „von vorne nach hinten angreifen“. Dies gilt nicht, sofern ein Wasserkocher oder sonst ein elektrisches Gerät in Brand geraten ist. „Finger weg“, rät Huckle für diesen Fall. „Eigenschutz geht vor.“

Wohnzimmer brennen heute viel schneller aus: Zu viel Kunststoff überall

Sollte sich am Auto ein Brand entwickeln, könnte ein erster Löschversuch vor Eintreffen der Feuerwehr eher angezeigt sein als in einer Wohnung. In Filmen explodieren zwar dauernd Autos, doch im realen Leben passiert das nicht, beruhigt Markus Huckle. Allerdings könnten Reifen platzen, was mit einem sehr lauten Knall einhergeht.

Wohnzimmer brennen heutzutage schneller aus als vor Jahrzehnten, erklärt der Fachmann. Früher stattete man Wohnraum mit Massivholzmöbeln und Sofas mit Federkern aus. Heute dominieren Möbel aus Kunststoff. „Die brennen hervorragend und geben Unmengen an Giftstoffen ab. Der Brandschaden ist schon da, bevor man ihn sieht.“

Mal ehrlich: Wer bringt regelmäßig den Feuerlöscher zum Check?

Fast niemand.

„Der beste Feuerlöscher bringt nichts, wenn er seit 30 Jahren ohne Prüfung im Keller hängt“, gibt Markus Huckle zu bedenken. Er ist bei der Waiblinger Feuerwehr für Aus- und Fortbildung zuständig und verweist aufs empfohlene Prüf-Intervall: Alle zwei Jahre sollte ein Feuerlöscher zur Wartung. Mit der Zeit lässt der Druck im Löscher nach, das Löschmittel könnte verkleben – und, und, und. „Es hat schon

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