Rems-Murr-Kreis

Eine schnelle Radroute durchs Remstal: Der Radschnellweg RS5 hat inzwischen einige Steigungen genommen

remstalradweg
Der Remstalradweg ist zwar idyllisch und für Ausflüge mit dem Fahrrad ideal. Aber für eilige Alltagsradler ist die Strecke nicht geeignet. Für sie ist der Radschnellweg RS 5 in Planung. © Büttner

Drei Radschnellwege sind an Rems und Murr geplant. Die schnelle Verbindung zwischen Schorndorf und Waiblingen/Fellbach ist einer Realisierung am nächsten. Die ersten Beschlüsse von Anliegerkommunen am Radschnellweg RS 5 liegen vor. „Jetzt kann es konkret mit der Entwurfsplanung weitergehen“, teilt das Landratsamt Rems-Murr mit.

Das nasskalte Wetter zwischen den Jahren ist nicht jederradlers Sache. Die Verkehrsplanung im Rems-Murr-Kreis hat sich jedoch längst vom eindimensionalen Blick auf die Autofahrer verabschiedet. Der Ausbau der Radinfrastruktur ist beschlossene Sache. Die beiden Radschnellwege Waiblingen-Ludwigsburg und Fellbach-Waiblingen-Schorndorf gelten aufgrund des ermittelten Bedarfs als förderfähig, was hohe Zuschüsse bedeutet – und vor allem, dass das Land Baden-Württemberg für den Unterhalt dieser Wege sorgen muss. Vorbereitet wird ferner eine Machbarkeitsstudie für den Schnellweg Backnang-Waiblingen.

Radschnellwege sind, wie der Name schon sagt, für eilige Radler gedacht, die möglichst rasch zwischen A und B unterwegs sein wollen. Notwendig sind dafür eine Breite, die Gegenverkehr und Überholen gefahrlos ermöglicht, wenig Kreuzungen und eine Beleuchtung. Der derzeitige Remstalradweg zwischen Waiblingen und Schorndorf ist zwar herrlich für eine Radtour abends und am Wochenende – aber für Pendler nur bedingt geeignet. In Fellbach soll der Anschluss für die Alltagsradler auf ihrem schnellen Weg nach Stuttgart erfolgen.

„Radschnellverbindungen ebnen den Weg für nachhaltige Mobilität“

„Beim Thema Radschnellweg treten wir weiter kräftig in die Pedale, denn wir fühlen uns als Preisträger beim Deutschen Fahrradpreis als Landkreis in der Pflicht, in Sachen Fahrradmobilität weiterhin eine treibende Kraft zu sein“, wird Landrat Richard Sigel in einer Pressemitteilung zitiert. Das Fahrrad werde als umweltfreundliches Verkehrsmittel immer wichtiger: „Radschnellverbindungen ebnen den Weg für nachhaltige Mobilität und können perspektivisch auch die Hauptverkehrsachsen im Remstal entlasten“, so Richard Sigel. „Allerdings bleibt die Planung und Umsetzung eines gut ausgebauten Radschnellweges im dicht bebauten Remstal eine große Herausforderung.“

Bereits im Sommer habe der Landkreis den ersten Planungsauftrag für die 15 Kilometer zwischen Waiblingen und Schorndorf vergeben. Dieser umfasst die Festlegung des endgültigen Trassenverlaufes in Abstimmung mit den Anliegerkommunen unter Berücksichtigung öffentlicher Belange sowie die Bildung sinnvoller Planungs- und Bauabschnitte. Mit dem Ziel die endgültige Vorzugstrasse zu bestimmen, hat Bauingenieurin Karen Fischer, Radwegekoordinatorin und Leiterin der eigens eingerichteten Stabsstelle Radwege, in mehreren Abstimmungsrunden mit den Verwaltungen der Anliegerkommunen sowie den jeweiligen Gremien die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vertieft betrachtet und alternative Trassenverläufe untersucht. Erste Planskizzen sind bereits entworfen.

Mittlerweile liegen auch die ersten Beschlüsse aus den Anliegerkommunen vor. Den Planungen bereits zugestimmt haben die Gemeinderäte der Stadt Waiblingen und Gemeinde Winterbach. Die weiteren Beratungen und Beschlussfassungen in den Gemeinderäten entlang der Rems sollen im Frühjahr 2021 folgen. Für den Remstal-Radschnellweg im Abschnitt Fellbach-Weinstadt übernimmt das Land die Baulast und damit auch die Baukosten. Für diesen Abschnitt ist das erwartete Potenzial am höchsten. Die Baulast im Abschnitt Weinstadt-Schorndorf wird beim Landkreis liegen. Die Fördermöglichkeiten seien aber attraktiv: Wie für die Planung können auch für den Bau bis zu 87,5 Prozent der Kosten durch Fördergelder von Bund und Land abgedeckt werden.

Bei den Plänen sollen auch die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, sich umfassend über den Planungsstand zu informieren und sich frühzeitig einzubringen. „Unser Versuch, die Bürgerschaft aktiv in die Planungen des Radwegenetzes mit einem digitalen Meldeportal einzubeziehen, war mit über 1000 Rückmeldungen ein so großer Erfolg, dass wir daran anknüpfen wollen.“ Transparenz schaffe Akzeptanz bei einem solchen Projekt, ist Sigel überzeugt. Dabei komme das Online-Meldeportal wieder zum Einsatz, das sich bereits bei der Beteiligung zum Radwegenetz des Rems-Murr-Kreises bewährt habe. Über eine interaktive Karte können Bürger die Planungen zu den einzelnen Streckenabschnitten einsehen und Kommentare dazu abgeben.

Das Radwegenetz Rems-Murr umfasst mehr als 1200 Kilometer

Außer den zwei beziehungsweise mit Waiblingen-Backnang drei Radschnellwegen plant der Rems-Murr-Kreis, sein Radwegenetz auszubauen und zu verbessern. Das Landratsamt hat dazu 1225 Kilometer Radwege abgefahren, digital erfasst und katalogisiert. Das Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Radwege entspricht den Anforderungen und Notwendigkeiten von Radfahrern – ganz zu schweigen von deren Wünschen. Die meisten Radwege laufen unmarkiert entlang von Straßen, sind zu schmal und oft genug in einem schlechten Zustand, lautete im Herbst das eher deprimierende Ergebnis der Untersuchung.

Eine halbe Million Euro aus dem Sechs-Millionen-Euro-Topf für den Straßenerhalt und -bau ist im Kreis für Radwege vorgesehen. Von den 1225 Kilometer Radwege verläuft mehr als die Hälfte auf Straßen und weist keine Schutzstreifen auf. 45 Prozent der Radwege verlaufen abseits der Straße. Prima. Jedoch ist ein Großteil (70 Prozent) sehr schmal. Es sind Radwege mit weniger als 2,50 Meter Breite, was Gegenverkehr gefährlich und ein Überholen schwierig macht. Lediglich ein Drittel der Radwege sind breiter als 2,50 Meter und entsprechen damit den Anforderungen für einen komfortablen Radverkehr.

Drei Radschnellwege sind an Rems und Murr geplant. Die schnelle Verbindung zwischen Schorndorf und Waiblingen/Fellbach ist einer Realisierung am nächsten. Die ersten Beschlüsse von Anliegerkommunen am Radschnellweg RS 5 liegen vor. „Jetzt kann es konkret mit der Entwurfsplanung weitergehen“, teilt das Landratsamt Rems-Murr mit.

Das nasskalte Wetter zwischen den Jahren ist nicht jederradlers Sache. Die Verkehrsplanung im Rems-Murr-Kreis hat sich jedoch längst vom eindimensionalen Blick

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