Rems-Murr-Kreis

EM-Gucken und Autokorsos: Das planen Kalaluna, Polizei und Ordnungsämter in Schorndorf und Waiblingen

Autokorso in Winnenden
Auch Autokorsos gehören zur Volkskultur. © Gabriel Habermann

Eng zusammensitzende, sich zuprostende Fußballfans, wilder Torjubel mit Umarmungen und freudiges Gegröle, und am Ende vielleicht sogar Autokorsos und feiernde Menschentrauben: So unbeschwert und aerosollastig ablaufen wie in den vorherigen Jahren sollte diese Fußball-EM ab Freitagabend, 11. Juni, unter Pandemiebedingungen sicherlich nicht. Was, wenn doch? Wie bereiten sich Polizei, Ordnungsämter und Gastronomen darauf vor?

Skeptische Vorfreude in der Kalaluna-Sportsbar in Schorndorf

„Wir zeigen alle EM-Spiele auf unseren Bildschirmen und Leinwänden“, sagt Matthias Kalafatis, Geschäftsführer der Kalaluna-Sportsbar in Schorndorf. „Draußen im großen Zelt auch auf unserer fünf auf sechs Meter großen LED-Wand.“ Das Zelt ist an den Seiten offen, so zählt es als Außengastronomie und bei der momentanen Inzidenz von unter 35 entfällt damit die 3-G-Pflicht (getestet, genesen oder geimpft) für die Besucher. „Das ist natürlich von Vorteil für uns und unsere Gäste. Zumal die Wetterlage ja gerade sehr unsicher ist. Da hat man ein Dach überm Kopf.“

Euphorie und Vorfreude wie bei anderen Fußball-EMs oder -WMs sei aber gerade eh nicht festzustellen, sagt Kalafatis. „Nach der Wiedereröffnung der Gastronomie nach dem Lockdown verläuft das Geschäft sehr zäh. Das ist aber auch verständlich, die Leute sind zu Recht vorsichtig wegen Corona.“ Das Kalaluna hat seit 8. Juni geöffnet.

Fußball-Partys wie sonst erwartet Kalafatis nicht. „Das ginge ja auch gar nicht unter Pandemiebedingungen.“ Es gelten weiterhin die Kontaktbeschränkungen, Tisch-Abstandsregeln und damit auch Gästezahl-Beschränkungen. Ein großer Ansturm sei während der EM-Vorrunde aber sowieso nicht zu erwarten. „Da schauen die Leute unserer Erfahrung nach eher zu Hause“, sagt Kalafatis.

Er wäre schon zufrieden, wenn 200 Leute zum Fußballgucken kommen würden. Man könne aber auch bis zu circa 400 Leute coronakonform bewirten. „Wenn die Plätze im Zelt draußen nicht ausreichen, haben wir hinten noch weitere Biergartenplätze. Und innen übertragen wir die EM ja auch.“ Da würde dann aber die 3-G-Pflicht gelten. „Auch darauf sind wir gut vorbereitet. Wir sind geschult und berechtigt, Selbst-Schnelltests durchzuführen und zu bestätigen. Schnelltests können dazu selbst mitgebracht oder aber bei uns käuflich erworben werden“, sagt Kalafatis.

EM-Gucken als Kulturveranstaltung bringt nur wenig Flexibilität

Dass das Landes-Sozialministerium mittlerweile seine Meinung zum Fußball-Rudelgucken konkretisiert habe und als Kulturveranstaltung mit bis zu 750 Personen im Freien einstufe (bei einer U-35-Inzidenz), bringe leider wenig, bestätigt Joern Rieg, kommissarischer Ordnungsamtsleiter in Schorndorf. „Es gelten ja weiterhin all die anderen Regelungen für die Gastronomie wie Abstände und Dokumentationspflicht für die Kontaktdaten der Gäste.“

Ministeriumssprecher Florian Mader: Neben öffentlichen TV-Übertragungen der EM etwa in einem Biergarten seien tatsächlich „auch mit einem Kino oder Freiluftkino vergleichbare Organisationsformen unter entsprechender Anwendung der Regelungen der Corona-VO zu den Kulturveranstaltungen“ denkbar. So habe der Veranstalter zum Beispiel durch Ordner insbesondere auf die Einhaltung der Abstände zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hinzuwirken. „Soweit dies durch kontrollierten und kontrollierbaren Einlass zu dem Event, feste Sitzplätze unter Wahrung der Abstände, Datenerhebung und Maskenpflicht (Ausnahme: im Freien am Sitzplatz) umrahmt wird, kann grundsätzlich von einem zulässigen Event zum gemeinsamen Fußballschauen im Rahmen der Corona-Verordnung ausgegangen werden“, sagt Mader. „Bei Inzidenzen unter 35 kann bei Veranstaltungen, die ausschließlich im Freien stattfinden, auf den Test-, Impf- oder Genesenennachweis verzichtet werden.“

Bislang keine großen Public Viewings geplant

Größere Public Viewings sind gleichwohl im Rems-Murr-Kreis bislang nicht geplant. „Das wirtschaftliche Risiko ist den Gastronomen dieses Jahr wohl zu hoch. Wir gehen auch im Falle von Biergärten von zurückhaltenden Besucherzahlen aus“, sagt Joern Rieg. „Wir beobachten die Lage aber von Spiel zu Spiel und sind in Absprache mit der Polizei vorbereitet, bei Verstößen gegen die Corona-Verordnung tätig zu werden.“ Städtische Ordnungshüter seien im Streifendienst.

Im Waiblinger Ordnungsamt sieht man das ähnlich. „Je nach Ergebnis der Vorrundenspiele wird sich die EM-Begeisterung in Grenzen halten oder sogar noch weiter steigern. Insoweit sind Fußballereignisse grundsätzlich nur schwer im Voraus planbar“, erläutert Birgit David, Sprecherin der Waiblinger Stadtverwaltung. Der städtische Vollzugsdienst werde im Rahmen der normalen Streifentätigkeit während der EM-Spiele im Stadtgebiet präsent sein, so David.

Und was passiert im Falle von Autokorsos?

Auch das Entstehen von Autokorsos sei möglich, so Birgit David. „Bei früheren WM- oder EM-Spielen kam es je nach Endergebnis zu kleineren Autokorsos im Bereich der Innenstadt. Das Polizeirevier hat dieses Thema im Blick und greift bei einem Autokorso in der Regel spätestens bei einer Gefährdung des Straßenverkehrs oder bei Anwohnerbeschwerden ein.“

Rudolf Biehlmaier, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen, bestätigt: „Wir haben ja schon Erfahrungen mit solchen Sport-Großereignissen und eventuell spontan entstehenden Autokorsos. In Waiblingen, aber auch in Fellbach zum Beispiel.“ Wenn diese im Rahmen ablaufen, es zu keinen Gefährdungen komme, nicht zu viele Betrunkene unterwegs seien und die Corona-Regeln eingehalten werden, kein Problem. „Wenn es sein muss, schreiten wir aber auch ein, leiten den Verkehr ab oder um und erteilen Platzverweise.“ Die Polizei sei vorbereitet, je nach Lage zu reagieren. „Die Gastronomie wird aber nicht etwa gezielt kontrolliert. Wenn unseren Streifen jedoch etwas auffällt, zum Beispiel unzulässige Menschenansammlungen, oder entsprechende Meldungen eingehen, dann müssen wir natürlich tätig werden“, sagt Biehlmaier.

In Waiblingen hat zum Beispiel der Schwaneninsel-Biergarten angekündigt, für seine Gäste im kleinen Rahmen Groß-Fernseher aufzustellen, während CBC-Geschäftsführer Matthias Hönes auf Fußballübertragungen dieses Mal verzichtet, sowohl in Waiblingen und Fellbach als auch im Biergarten in Korb. „Die Leute kommen ja dann häufig kurz vor dem Anpfiff. Dann hätten sie lange Schlangen oder eine Riesen-Menschentraube am Eingang. Bevor sie deren persönliche Kontaktdaten erfasst haben, ist das Spiel schon vorbei“, sagt Hönes.

Dieses Problem sieht Kalaluna-Chef Kalafatis als nicht so kritisch an. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir drei Eingänge öffnen können und das Einchecken mit der Luca-App, das sehr flüssig läuft, auch per Lautsprecher bewerben können. Wer dann doch ein Kontaktformular ausfüllen muss, muss sich halt abseits stellen. Natürlich würden wir Stopp machen und Leute wegschicken müssen, wenn wir sehen, dass zu viele kommen. Das Risiko gehen wir nicht ein, womöglich noch als Corona-Hotspot in den nächsten Tagen in der Zeitung zu stehen“, sagt Kalafatis.

Eng zusammensitzende, sich zuprostende Fußballfans, wilder Torjubel mit Umarmungen und freudiges Gegröle, und am Ende vielleicht sogar Autokorsos und feiernde Menschentrauben: So unbeschwert und aerosollastig ablaufen wie in den vorherigen Jahren sollte diese Fußball-EM ab Freitagabend, 11. Juni, unter Pandemiebedingungen sicherlich nicht. Was, wenn doch? Wie bereiten sich Polizei, Ordnungsämter und Gastronomen darauf vor?

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