Rems-Murr-Kreis

Entwarnung? Darum sind Groß-Waldbrände im Rems-Murr-Kreis sehr unwahrscheinlich

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Dieter Seitz an der Waldbrandstelle (vom Sonntagnachmittag, 7.8.) im Murrhardter Waldgebiet Linderst. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Wassertragende Bodenvegetation in Mischwäldern hemmt die Brandverbreitung. © Ralph Steinemann Pressefoto

Angebrannte Baumstümpfe, verkohltes Unterholz und angesengte Rinden an Stämmen rundherum stehender Bäume. Es riecht noch nach dem Feuer, das hier, nahe dem Linderstparkplatz in Murrhardt am Sonntagnachmittag (7.8.) ausgebrochen war. „War wohl eine achtlos weggeworfene Zigarette oder Brandstiftung“, mutmaßt Förster Dieter Seitz.

„Zum Glück hat es wegen der grünen Bodenvegetation weithin sichtbar stark gedampft“: Mit ein Grund, warum der Waldbrand schnell bemerkt und gelöscht werden konnte und warum so große Waldbrände wie in Sachsen und Brandenburg hierzulande sehr unwahrscheinlich sind. Dieter Seitz erläutert weitere Gründe, die einen angesichts der fortgesetzten Hitze und Trockenheit hoffen lassen, zumindest in diesem Katastrophenbereich im Rems-Murr-Kreis verschont zu bleiben.

Der Waldbrand nahe dem Linderstparkplatz war einer von vielen des vergangenen Wochenendes in unserem Landkreis (wir berichteten). „Gebrannt hat es aber nur im Bereich der Bodenvegetation“, sagt Seitz und zeigt auf die rund 20 mal 30 Meter große verkohlte Fläche neben dem asphaltierten Waldweg, kaum zehn Schritte von der Straße nach Karnsberg hoch. „Grünes Unterholz in Mischwäldern und Naturverjüngung mit Buschwerk hemmt die Verbreitung von Waldbränden.“ Zudem waren hier vor rund drei Wochen Bäume geschlagen und entsorgt worden, um gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Es war demnach ohnehin eine Brachfläche.

„Wären hier ringsherum nur Kiefern oder Fichten und nicht auch Eichen, Buchen und Tannen gestanden, dann hätte der Brand sich schneller weiter ausbreiten können“, sagt Seitz und dreht den Kopf zur gegenüberliegenden Seite des Waldwegs, wo die Blätter der dortigen Laubbäume teils angesengt sind. „Wären dort Kiefern oder Fichten gestanden, hätte das Feuer durch die starke Hitzebildung über den Weg überspringen können. Wir sind aber in der komfortablen Situation, dass wir keine über mehr als 100 Hektar zusammenhängende Monokulturen stark harzender Nadelbäume wie in Sachsen oder Brandenburg hier im Rems-Murr-Kreis haben“, sagt Seitz.

Das Harz von Fichten und Kiefern wirke wie Brandbeschleuniger. Zudem behindern eng zusammenstehende Fichten und Kiefern den Lichteinfall bis auf den Waldboden und damit die Bildung von wassertragendem Unterholz und Buschwerk. Das sich dicht ausbildende Streubett heruntergefallener Nadeln zwischen den Stämmen wirkt ähnlich und ist bei Trockenheit leicht entflammbar. Kiefern und Fichten schlagen flache, weit verzweigte filigrane Wurzeln, die in sandig-durchlässigen Böden schnell mit jenen des Nebenbaumes zusammenhängen können und Glut und Feuer unterirdisch weiterleiten können.

„All das haben wir hier aber nicht großflächig. Mischwälder mit wassertragendem Unterholz und dichtere tonige Lehmböden überwiegen stattdessen“, sagt Seitz. „Da langt auch schon, wenn zwischendurch mal Weißtannen stehen, die harzen nicht so, speichern im Holz mehr Wasser und haben anders als die Fichte im unteren Stammbereich kein Astwerk. So wird die Brandverbreitung selbst durch Tannen gehemmt.“

Hinzukomme, die sehr gute infrastrukturelle Erschließung der Waldgebiete im Rems-Murr-Kreis. Kaum ein Waldgebiet ist nicht durch Wege erreichbar. „Es ist hier einfach nicht so abgelegen wie manche Waldgebiete in Sachsen oder Brandenburg. Förster, Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker bemerken schnell, wenn es im Wald irgendwo dampft“, sagt Seitz. „Und dann können auch Landwirte mit ihren Wassertanks den Feuerwehren gut beim Löschen helfen, weil sie zur Brandstelle hinkommen.“

So geschehen auch bei diesem Brand nahe dem Linderstparkplatz. Ein Landwirt sorgte von Karnsberg aus für Löschwassernachschub. „Bei Waldbränden in unzugänglicheren Regionen werden auf diese Weise mitunter auch Löschbassins angelegt.“

Es stimme zwar, so viele Waldbrände wie in diesem Hitzejahr habe es auch in seiner Erinnerung noch nie gegeben im Rems-Murr-Kreis, sagt Dieter Seitz. Es sei so trocken, dass noch nicht einmal die Harvester der Baumfälltrupps Fahrspuren, die von Waldbesuchern so gehassten Furchen in schlammigen Waldwegen, hinterlassen. „Manche Bäume werfen schon ihre Blätter ab und gehen in den Winter-Schonmodus.“

Dieter Seitz bittet alle Waldbesucher, aufzupassen, keine Zigarettenkippen achtlos wegzuwerfen, Grillen und Lagerfeuer in Waldnähe zu unterlassen und auch beim Befahren von Waldwegen aufzupassen. „Heiße Abgase, die Hitze der Katalysatoren, Funken von den Bremsen können schnell Waldbrände auslösen.“ Selbst, wenn sich diese im Rems-Murr-Kreis aus genannten Gründen sehr wahrscheinlich nicht zu Flächenfeuer-Katastrophen wie in Südeuropa oder Sachsen und Brandenburg auswachsen, so sind sie dennoch gefährlich für Mensch und Tier und unnötig wie ein Kropf.

Angebrannte Baumstümpfe, verkohltes Unterholz und angesengte Rinden an Stämmen rundherum stehender Bäume. Es riecht noch nach dem Feuer, das hier, nahe dem Linderstparkplatz in Murrhardt am Sonntagnachmittag (7.8.) ausgebrochen war. „War wohl eine achtlos weggeworfene Zigarette oder Brandstiftung“, mutmaßt Förster Dieter Seitz.

„Zum Glück hat es wegen der grünen Bodenvegetation weithin sichtbar stark gedampft“: Mit ein Grund, warum der Waldbrand schnell bemerkt und gelöscht werden

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