Rems-Murr-Kreis

Erdbeben erschüttert den Rems-Murr-Kreis: Wenn plötzlich die Wände wackeln

Burg Hohenzollern bei Hechingen im Frühjahr, Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa
Der Erdbebenschauplatz: Der Zollernalbkreis mit der Burg Hohenzollern bei Hechingen. © Lilly

In Korb zitterte das Sofa, in Winnenden wackelte das Zimmer: Auch im Rems-Murr-Kreis war am Samstag um 13.47 Uhr das Erdbeben zu spüren. Aber was genau hatte es damit auf sich? Wie oft kommt so etwas eigentlich vor? Welche Wucht hatte das Ereignis? Augenzeugenberichte, Einordnungen, Hintergründe.

Relativ nahe am Epizentrum des Bebens: Der Rems-Murr-Kreis

Die nüchternen Daten sind schnell zusammengetragen: Am frühen Samstagnachmittag gab es bei Hechingen im Zollernalbkreis, nördlich von Tübingen, ein Erdbeben der Stärke 4,0 bis 4,1. Das meldete das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB). Deutlich zu spüren war das seismische Ereignis im Umkreis von etwa 50 Kilometern.

Insofern ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass auch viele Menschen im Rems-Murr-Kreis das Beben wahrgenommen haben: Von Hechingen bis Waiblingen zum Beispiel sind es zwar rund 80 Straßenkilometer mit dem Auto, aber nur etwa 50 Kilometer Luftlinie. Obendrein kann das Ereignis auch noch in deutlich weiterer Entfernung durchaus registrierbar gewesen sein. Laut einem Bericht des SWR habe Martin Hensch, der diensthabende Seismologe beim Landeserdbebendienst in Freiburg, rund 5000 Meldungen aus der Bevölkerung bekommen; aus ganz Baden-Württemberg, aus der Schweiz und aus dem Elsass.

Das Erdbeben im Rems-Murr-Kreis: Anschauliche Beschreibungen

Dennoch zweifelten im Rems-Murr-Kreis viele Leute, nachdem sie ein Geräusch und eine Erschütterung registriert hatten, zunächst an sich selber; beziehungsweise an ihrem Umfeld ... „Ich dachte schon, ich bin blöd – aber in Schwaikheim hat es auch gewackelt“, schrieb jemand in der Facebook-Gruppe „Wir sind Winnenden“. Ein anderer Eintrag dort lautete: „Dachte, meine Nachbarn haben wieder die Türen geknallt.“ Nein, in diesem Fall handelte es sich weder um Halluzinationen noch um Streit nebenan.

Die anschaulichste Beschreibung des Bebens sandte uns Wolfgang Klenk aus Korb: „Ich hörte im Haus, erster Stock, ein dumpfes Geräusch, dazu spürte ich etwa vier Sekunden lang – ich saß auf dem Sofa – eine Bewegung; Schwingung des Hauses, leichtes Hin und Her. Es war, wie wenn ein massives Teil gegen das Haus knallt und kurze Schwingungen verursacht.“

Das Erdbeben in Tübingen: Hund und Katze in Panik

Das Schwäbische Tagblatt in Tübingen berichtet von noch deutlich deftigeren Wahrnehmungen – eine dortige Leserin meldete: „Wie wenn ein Baukran neben dem Haus umfällt. Ich dachte, die Decke kommt runter ...“ Und ein Leser: Sein Hund und seine Katze seien „in Panik vom Balkon gestürmt“.

Die Internetseite Volcanodiscovery, die „News und Updates zu Vulkanen und Erdbeben weltweit“ sammelt, ordnet ein: Es habe sich um das stärkste Beben in dieser Region seit 18 Jahren gehandelt. Im Dezember 2004 kam es zwischen Hechingen und Freiburg zu einer Erschütterung der Stärke 4,8.

Das letzte noch deutlich schwerere Erdbeben im Zollernalbkreis hatte es 1978 gegeben: Damals erreichte die Magnitude bei Albstadt 5,7. Es kam zu Schäden an Gebäuden.

Erdbeben sind in der Zollernalbregion nicht selten. Seit Juni 2019, hat der Seismologe Dr. Stefan Stange vom Landeserdbebendienst erst neulich dem Schwäbischen Tagblatt erzählt, gab es auf der Zollernalb sage und schreibe 327! Diese irre Zahl relativiert sich aber stark, wenn man sich klarmacht: Die meisten dieser Beben lagen weit unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle, bisweilen bei einer Stärke von unter 1.

Erdbeben der Stärke 3 bis 5 gibt es täglich massenhaft

Die sogenannte Richterskala für Erdbeben basiert auf Amplitudenmessungen von Seismogrammaufzeichnungen – alle Beben unter 3 sind demnach grundsätzlich nicht wahrnehmbar, sondern nur messbar. Beben zwischen 3,0 und 4,0 sind oft spürbar, gehen aber meist nicht mit Schäden einher.

Beben zwischen 4 und 5 werden immer noch als „leicht“ bezeichnet – deutliche Erschütterungsgeräusche sind hier aber bereits typisch. Es kann auch geschehen, dass sich Gegenstände im Zimmer sichtbar bewegen.

Beben der Stärke 3 bis 5 geschehen weltweit etwa 160-mal pro Tag – das Hechinger Ereignis vom Samstag ist also, auch wenn es bis in den Rems-Murr-Kreis für Aufregung sorgte, im globalen Maßstab ganz sicher nichts Besonderes.

Das Erdbeben, das Winfried Kretschmann ins Amt hob

Das Erdbeben mit der größten Richterskala-Amplitude, die jemals gemessen wurde, ereignete sich am 22. Mai 1960 – beim sogenannten „Megathrust“ von Valdivia/Chile: 9,5. Die Folge: ein Tsunami und schwere Zerstörungen im gesamten Pazifik-Raum. Die Opferzahlen kann man nur schätzen: mindestens 1600, womöglich mehr als 5000 Tote, zwei Millionen Obdachlose.

In Deutschland bekannter ist bis heute das Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 vor der japanischen Küste. Magnitude: 9,1. Todesopfer: mehr als 20.000. Der dabei ausgelöste Tsunami führte zur Atomreaktorkatastrophe von Fukushima, zu 24,2 Prozent für die Grünen bei der baden-württembergischen Landtagswahl, zur Inthronisation von Winfried Kretschmann als Ministerpräsident und zur Entscheidung von Angela Merkel, den Atomausstieg schneller als geplant durchzuziehen.

In Korb zitterte das Sofa, in Winnenden wackelte das Zimmer: Auch im Rems-Murr-Kreis war am Samstag um 13.47 Uhr das Erdbeben zu spüren. Aber was genau hatte es damit auf sich? Wie oft kommt so etwas eigentlich vor? Welche Wucht hatte das Ereignis? Augenzeugenberichte, Einordnungen, Hintergründe.

Relativ nahe am Epizentrum des Bebens: Der Rems-Murr-Kreis

Die nüchternen Daten sind schnell zusammengetragen: Am frühen Samstagnachmittag gab es bei Hechingen im Zollernalbkreis,

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