Rems-Murr-Kreis

Erneut ein schwerer Reitunfall: Über die Gefahren des wunderschönen Hobbys Reiten

Reiterin ohne Helm
Es wäre wohl sicherer, einen Helm zu tragen. © Pixabay

Pferde sind wunderschöne Tiere, und Reiten ist ein tolles, erstrebenswertes Hobby, ja für viele mit Fug und Recht sogar ein wichtiger Lebensinhalt. Doch mitunter kann Reiten auch gefährlich sein. Am Mittwochabend hat sich eine 17-Jährige bei einem Sturz vom Pferd in Oppenweiler schwer verletzt. Wie häufig sind solche schlimmen Reitunfälle eigentlich? Ein Blick in die Polizeiberichte bei uns im Rems-Murr-Kreis und in den Nachbarkreisen offenbart, Autofahren ist viel, viel gefährlicher, aber: Reitunfälle geschehen auch – hin und wieder.

Über den aktuellen Fall in Oppenweiler berichtet die Polizei folgendermaßen: „Am Mittwochabend gegen 17 Uhr war eine 17-jährige Reiterin auf ihrem Pferd auf der K 1824 in Richtung Schiffrain unterwegs. Auf Höhe der Einmündung Rohrbach warf das Pferd die Reiterin aus bislang unbekannten Gründen ab. Dabei verletzte sich die 17-Jährige schwer. Sie musste mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Das Pferd lief zurück in Richtung Pferdestall und konnte eingefangen werden.“ Angesichts dieses Falls werden sogleich Erinnerungen wach. Zum Beispiel an das reiterlose Pferd von Allmersbach.

Für Aufregung innerhalb der Reiter- und Pferdeliebhaber-Gemeinde sorgte am Montag, 15. Februar 2021, die mutmaßliche Sichtung eines reiterlosen, schwarz-weißen Pferdes, das im Bereich der Friedhofstraße in Allmersbach im Tal unterwegs gewesen und in Richtung Wald weggerannt sei. So zumindest berichtete dies eine Anruferin der Polizei. Diese leitete deswegen größere Suchmaßnahmen mit mehreren Streifen und einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein, da zu befürchten war, dass das Pferd seine Reiterin oder seinen Reiter abgeworfen hatte, und diese(r) sich vielleicht verletzt in hilfloser Lage irgendwo im Wald oder in der Flur befinde. Oder dass ein reiterloses Pferd auf die Straße rennt.

Am Dienstag, 16. Februar, ging die Suche weiter, ohne Erfolg, so dass die Polizei alle Nachforschungen einstellte. Weder meldete sich jemand wegen eines durchgebrannten Pferdes noch einer vermissten Person. Auch die Reitvereine und Pferdehöfe der Gegend wussten angeblich nichts. „Seither hat sich auch zu dem Fall nichts Neues ergeben“, sagte Norbert Kreidler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen am Donnerstag, 18. März. „Die Ermittlungen sind deshalb eingestellt worden.“

Herrenlose Rösser rufen Polizei-Hubschrauber auf den Plan

Tatsächlich könnte so ein reiterlos gesichtetes Pferd auf einen möglichen Unfall hindeuten. So wie am Samstag, 4. Juli 2015: Die Polizei suchte an jenem Tage ebenso per Hubschrauber die Gegend zwischen Alfdorf-Pfahlbronn und Alfdorf-Rienharz ab, weil einem Augenzeugen ein freilaufendes Pferd mit Sattel aufgefallen war. Gegen Mittag konnte die Polizei tatsächlich eine Pferdehalterin antreffen, die am Morgen einen Reitunfall gehabt hatte. Ihr Pferd rannte weg, konnte aber von Passanten aufgehalten werden. Die Reiterin wurde bei diesem Unfall glücklicherweise nicht verletzt.

Ähnlich glimpflich verlief ein Sturz vom Pferd am 9. April 2015 zwischen Kirchberg an der Murr und Burgstetten-Zwingelhausen. Ein Passant beobachtete gegen 11 Uhr zunächst eine Reiterin zu Pferde und wenige Minuten später dasselbe Pferd, wie es aber ohne Reiterin in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Die alarmierte Polizei suchte wieder per Hubschrauber, wurde jedoch nicht fündig. Wenig später meldete sich jedoch die Reiterin, eine damals 36-Jährige aus Aspach, und gab Entwarnung. Sie war bei einem Sturz unverletzt geblieben und hatte ihr Pferd selber wieder einfangen können und war nach Hause geritten.

Ausbrechende Pferde bringen Autofahrer in Gefahr

Ausbrechende Pferde, die auf die Straße rennen, können auch schon einmal Autofahrer in Bedrängnis bringen.

So zum Beispiel am 28. Dezember 2020 in Backnang: Drei Pferde werden am späten Nachmittag auf einem Reitplatz durch einen nicht angeleinten und bellenden Hund so erschreckt und aufgescheucht, dass sie auf die nahe Kreisstraße zwischen Steinbach und Plattenwald ausbrechen. Eine Autofahrerin kann den Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Alle drei Pferde werden von ihrem Fiat erfasst und derart schwer verletzt, dass ein Veterinär sie einschläfern muss.

So zum Beispiel am 7. Oktober 2019 in den Berglen: Eine Reiterin wird an jenem Mittwochabend gegen 19.20 Uhr beim Ausreiten von ihrem Pferd abgeworfen, aber nur leicht verletzt. Das Tier aber rennt davon und wird im Galopp auf der K 1914 zwischen Winnenden-Baach und -Bürg zunächst von einem Fahrzeug nur gestreift. Eine nachfolgende Autofahrerin jedoch kann dem Tier nicht mehr ausweichen: Beim Zusammenstoß wird das Pferd so schwer verletzt, dass es noch an der Unfallstelle stirbt.

So zum Beispiel zweimal im Nachbarlandkreis Schwäbisch Hall in den vergangenen paar Jahren: Drei Pferde brechen in der Nacht zum Samstag, 24. März 2018, von ihrer Koppel aus und treiben sich auf der Landesstraße zwischen Speckheim und Leudendorf herum. Ein Citroën-Fahrer kann durch ein Ausweichmanöver einen Zusammenstoß gerade noch verhindern, streift jedoch mit dem Auto noch eines der Pferde. Dieses wird nur leicht verletzt. Schaden am Auto: circa 2000 Euro.

Am Sonntag, 16. Oktober 2016, rennt gegen 18.30 Uhr nahe Westgarthausen nahe Crailsheim ein herrenloses Pferd über die Landstraße 2218. Auch hier kommt es zum Glück nur zur leichten Kollision mit dem Auto einer 31-Jährigen. Das Pferd zieht sich eine leichte Schürfwunde zu. Am Fahrzeug entstand ein Frontschaden von circa 1000 Euro.

Pferd rettet Reiterin vor Übergriff eines Mannes

Bevor wir zur Chronologie der schlimmen Reitunfälle kommen, muss zur Ehrenrettung der Pferde hier noch ein kurioser Fall vom 8. März 2021 im Nachbarlandkreis Ludwigsburg kurz nacherzählt werden. Eine 19-Jährige war an jenem Samstag zwischen Öschelbronn und Bondorf unterwegs, als sie unvermittelt ein Fußgänger am linken Bein packte und versuchte, sie vom Pferd zu ziehen. Das Tier habe den Kopf zur Seite gedreht und den Angreifer in den linken Oberarm gebissen. Daraufhin gelang der 19-Jährigen die Flucht, berichtete das Polizeipräsidium Ludwigsburg.

Reitunfälle, Stürze vom Pferd und teils tödliche Verletzungen

Es gibt leider auch Vorfälle mit Pferden, die einen schlimmeren Ausgang nehmen und einem die Gefahren des wunderschönen Hobbys Reiten vor Augen führen.

2. Mai 2020: Ein Profireiter und Reittrainer stürzt auf dem Burkhardshof in Winnenden beim Einreiten eines jungen Pferdes, kann danach seine Arme nicht mehr spüren, wird zur Not-OP in die Klinik geflogen. Insgesamt sechs Wochen verbringt der Winnender im Krankenhaus und in der Reha in Tübingen. Danach geht’s mit ambulanter Therapie weiter, die bis heute andauert. Ganz wieder hergestellt ist er noch nicht. „Nach wie vor sind meine Fingerspitzen ein bisschen taub, hinzu kommen immer mal wieder schmerzhafte Verspannungen“, berichtete er dieser Zeitung.

2. November 2019: Die Ortsvorsteherin von Bittenfeld, Anja Wenninger, erliegt ihren schweren Kopfverletzungen nach einem tragischen Reitunfall eine Woche zuvor und stirbt. Ende Oktober 2019 war sie aus ungeklärter Ursache vom Pferd gestürzt. Ihren Reithelm hatte sie zwar getragen, aber er konnte sie nicht retten. Ohne wäre sie wohl sofort verstorben, hieß es. Die Woche über hatte sie in einer neurochirurgischen Klinik in Ludwigsburg im Koma gelegen, wo sie sich zunächst zu erholen schien, doch letztlich war diese Verbesserung ihres Zustands nicht von Dauer.

21. Juli 2019: Gegen 19.30 Uhr an diesem Sonntagabend kratzt an der Schwarzenmühle in Murrhardt eine 25-Jährige bei einem Pferd die Hufe aus. Das Pferd tritt aus und trifft die Frau. Sie stürzt und knallt mit dem Kopf gegen eine Wand. Ein Rettungshubschrauber bringt sie in eine Klinik.

23. Juni 2019: Nach einem Sturz von ihrem Pferd in Alfdorf muss eine 13 Jahre alte Reiterin in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Jugendliche war gegen 11.25 Uhr im Bereich des Bonholzweges unterwegs, als ihr Pferd durchging. Beim Sturz zog sie sich zum Glück nur leichte Verletzungen zu.

7. Mai 2019: Eine 34 Jahre alte Frau wird in den Berglen bei einem Unfall mit zwei Pferden schwer verletzt. Das geschah laut Polizeibericht: Die Frau führt die Pferde den Mohnweg entlang in Richtung Stall. Als eines der Tiere einen Stromzaun berührt, scheuen die beiden Pferde und überrennen die Frau. Sie muss mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

24. April 2019: An jenem Mittwoch ereignet sich gegen 21 Uhr in Welzheim ein schwerer Reitunfall. Ein Mann ist mit seinem Pferd auf einer Wiese unterwegs, als das Pferd aufgrund eines einsetzenden Sturms scheut. Der Reiter fällt vom Ross. Dieses stellt sich anschließend auf die Hinterbeine und stürzt unglücklicherweise auf seinen Besitzer. Ein Nachbar übernimmt die Erstversorgung des Mannes und setzt den Notruf ab. Der verletzte Reiter wird mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht.

Pferde sind wunderschöne Tiere, und Reiten ist ein tolles, erstrebenswertes Hobby, ja für viele mit Fug und Recht sogar ein wichtiger Lebensinhalt. Doch mitunter kann Reiten auch gefährlich sein. Am Mittwochabend hat sich eine 17-Jährige bei einem Sturz vom Pferd in Oppenweiler schwer verletzt. Wie häufig sind solche schlimmen Reitunfälle eigentlich? Ein Blick in die Polizeiberichte bei uns im Rems-Murr-Kreis und in den Nachbarkreisen offenbart, Autofahren ist viel, viel gefährlicher, aber:

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper