Rems-Murr-Kreis

Essen ist doch viel zu schade für die Tonne: Wie ein Unternehmen auch im Rems-Murr-Kreis gegen Lebensmittelverschwendung vorgeht

Too Good To Go
In den Überraschungspaketen stecken frische Lebensmittel, die über den Tag nicht verkauft werden konnten und dann abends weggeworfen werden müssten. © Too Good To Go

Ein feudales Buffet mit Parmaschinken, Pampelmusen und paniertem Fisch – und was geschieht mit den Resten?

Sie landen in der Tonne.

Mal wieder zu viele Joghurts eingekauft, das offene Marmeladenglas im Schrank vergessen, und der Brotrest fängt zu schimmeln an?

Ab damit in den Müll.

Es sind Tonnen über Tonnen über Tonnen Lebensmittel, die jeden Tag in Deutschland weggeschmissen werden. „Too good to go“ möchte sich damit nicht abfinden. Zu gut, um in der Tonne zu landen, eben „too good to go“, heißt eine App, über welche man Essen günstig erwerben kann, das ansonsten völlig unnötig im Müll enden würde.

„Wir retten Lebensmittel“, verspricht das Unternehmen, das hinter der App steckt. Das Prinzip: Lebensmittelläden, Restaurants, Bäckereien oder Tankstellen-Shops bieten über die App Essen an, das den Tag über nicht verkauft worden ist. Der Kunde erhält eine Überraschungstüte mit allerlei Leckereien zu einem vergünstigten Preis. Via App finden Anbieter und Interessenten zueinander. Fast 5500 Cafés, Restaurants, Supermärkte, Bäckereien und Hotels nutzen die App bereits, um Übriggebliebenes vor der Tonne zu retten, sogar noch etwas daran zu verdienen und Kontakte zu potenziellen neuen Kunden zu knüpfen.

Bisher 3500 Mahlzeiten im Rems-Murr-Kreis gerettet

Sechs Partnerbetriebe zählt das Unternehmen bisher im Rems-Murr-Kreis, berichtet "Too-good-to-go"-Sprecherin Johanna Paschek. Vier der sechs Betriebe sind allein diesen Sommer dazugekommen. 3500 Mahlzeiten seien mittlerweile im Rems-Murr-Kreis gerettet worden, so Johanna Paschek.

Einer der Mitstreiter ist der Real-Markt in Waiblingen. Laut Pressesprecher Frank Grüneisen beteiligen sich sämtliche 273 Real-Märkte in Deutschland. In die vorgepackten Tüten gelangen zum Beispiel Obst, Gemüse oder Backwaren, je nachdem, was am jeweiligen Tag voraussichtlich nicht mehr verkauft werden kann, aber noch einwandfrei ist. Wie viele und welche Lebensmittel am Abend übrig sind und weggeworfen werden müssten, da am nächsten Tag nicht mehr frisch genug für den Verkauf, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, erklärt Frank Grüneisen: Das Angebot „variiert je nach Region, Nachfrage und Saison und ist auch abhängig von externen Einflüssen wie zum Beispiel Großereignissen und Witterung.“ Frischfleisch, Frischgeflügel, Frischfisch und lose Wurst- und Käseartikel packt das Fachpersonal nicht in die "Too-good-to-go"-Tüten.

Real erreicht auch Personen, die bisher nicht Kunde waren

Offenbar hat sich das Angebot bereits herumgesprochen: Es werden alle Portionen, die zu retten sind, auch tatsächlich gerettet, berichtet der Sprecher. Positiver Nebeneffekt fürs Unternehmen: Über die App erreicht Real laut Frank Grüneisen auch Interessenten, die zuvor noch nicht Kunden waren.

Diesen Vorteil nutzt too good to go, um stetig neue Partner zu gewinnen. Die App helfe den Läden, „Verluste zu minimieren, neue Kunden zu gewinnen und sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.“ Laut "Too good to go"-Sprecherin Johanna Paschek machen mittlerweile mehr als 5000 Partnerläden in 900 Städten in ganz Deutschland mit: „Wir haben gemerkt, dass unser Konzept den Nerv der Zeit trifft und viele Betriebe wie Kundinnen und Kunden einen Weg suchen, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Too good to go ist nach wie vor stark am Wachsen.“

Erfolg zieht gern auch Übeltäter an: Was geschieht, sollten unseriöse Betriebe über die App versuchen, Lebensmittel noch zu verkaufen, die eigentlich doch besser in der Tonne aufgehoben wären?

Nutzer ließen sich missbräuchliche Verwendung nicht gefallen

Missbrauch fiele sehr schnell auf, und die Internetgemeinde scheut sich in der Regel nicht, Tunichtgute mit deutlichen Worten öffentlich an den Pranger zu stellen. Vor diesem Hintergrund fürchtet Johanna Paschek nicht, dass die App für unseriöses Tun genutzt werden könnte. „Sowohl die Nähe zu unseren Partnerbetrieben als auch das kontinuierliche Feedback der "Too Good To Go"-Community helfen uns, Verhalten, das nicht im Einklang mit unserer Mission steht, schnell ausfindig machen zu können“ so die Sprecherin.

Das Unternehmen will seine Vermittlerdienste ausschließlich für Kontakte zwischen Betrieben und Privatpersonen anbieten. Es ist nicht angedacht, übrige, noch gute Lebensmittel zwischen Privatpersonen auszutauschen. Allerdings hat too good to go vor kurzem Lebensmittelhersteller neu in den Kreis derer aufgenommen, die via App direkt mit Konsumenten interagieren können.

Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten? - Meist sind Lebensmittel trotzdem noch gut

„Auf allen Ebenen“ möchte das Unternehmen gegen Lebensmittelverschwendung angehen. Beispiel Politik: “Wir haben begonnen, auf Richtlinien zu drängen, um Haltbarkeitsdaten transparenter und für alle leicht verständlich zu machen.“ Tonnenweise Lebensmittel könnten aus Sicht von to good to go allein dadurch gerettet werden, dass Konsumenten nicht das Mindeshaltbarkeitsdatum mit dem Verbrauchsdatum verwechseln, informiert das Unternehmen auf seinen Internetseiten. Das Verbrauchsdatum, also der Hinweis „zu verbrauchen bis“, gibt an, bis wann ein Lebensmittel ohne gesundheitliches Risiko verzehrbar ist. Das Verbrauchsdatum spielt vor allem bei frischen und leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch und Fisch eine Rolle.

Ist im Gegensatz dazu das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, ist das Lebensmittel meist noch lange nicht ungenießbar. Deshalb bringen mittlerweile viele Produzenten den Hinweis „oft länger gut“ auf den Verpackungen an.

Auf seiner Homepage hält to good to go eine Menge Informationen bereit – sowohl das große Ganze betreffend als auch Tipps im Kleinen für alle, die Brotreste nicht mehr wegwerfen möchten: Man kann köstliche Kekse daraus backen.

Ein feudales Buffet mit Parmaschinken, Pampelmusen und paniertem Fisch – und was geschieht mit den Resten?

Sie landen in der Tonne.

Mal wieder zu viele Joghurts eingekauft, das offene Marmeladenglas im Schrank vergessen, und der Brotrest fängt zu schimmeln an?

Ab damit in den Müll.

Es sind Tonnen über Tonnen über Tonnen Lebensmittel, die jeden Tag in Deutschland weggeschmissen werden. „Too good to go“ möchte sich damit nicht abfinden. Zu gut, um in der Tonne zu

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