Rems-Murr-Kreis

Ex-Freundin und deren Tochter getötet: Am Montag beginnt der Allmersbacher Mordprozess

Beziehungstat, Mutter und Tochter ermordert von Exfreund der Mutter, Im Wacholder, Allmersbach-Heutensbach, 21.06.2020.
Die Polizei sicherte im Juni Spuren am Tatort in Allmersbach im Tal. © Benjamin Beytekin

Eine gespenstische Stimmung lag an diesem sonnigen Sonntagmittag im Juni über dem Wohngebiet am Rande von Allmersbach im Tal. Die Polizei hatte eine Straße abgeriegelt. Der evangelische Pfarrer öffnete das Gemeindehaus als provisorisches Krisenzentrum. Kripobeamten sicherten Spuren in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses, in der die Rollläden heruntergelassen waren. In der Nacht hatte ein 36-jähriger Mann mutmaßlich seine Ex-Freundin, 41, und deren Tochter, 9, getötet. Am Dienstag beginnt vor dem Landgericht Stuttgart der Prozess gegen den 36-Jährigen wegen Mord in zwei Fällen und versuchtem Mord.

Die Anklage wirft dem Mann vor, am frühen Morgen des 21. Juni seine frühere Lebensgefährtin und deren Tochter heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Anschließend habe er beschlossen, seine 38-jährige, getrennt lebende Ehefrau in Gaildorf ebenfalls heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zu ermorden. Das sei jedoch daran gescheiterte, dass es ihm nicht gelang, in deren Wohnung einzudringen. Im Laufe des Sonntagnachmittags stellte sich der Mann der Polizei.

Die kleine Gemeinde im Weissacher Tal stand unter Schock. Bürgermeister Ralf Wörner war an diesem Sonntag fassungslos. So eine Tat habe es in seiner 22-jährigen Amtszeit in Allmersbach noch nicht gegeben. Die Familie war im Ort verwurzelt und gehörte einem Verein an. Der Ex-Mann der Getöteten lebte in einer Nachbargemeinde. Als er an diesem Sonntag tief erschüttert im Krisenzentrum eintrifft, wird er im Gemeindehaus sofort von einem Notarzt und Rettungssanitäter betreut.

Der Tod war auch ein Schock für die Mitschüler und Lehrerinnen des getöteten Kindes an der nahe gelegenen Grundschule „Im Wacholder“. Die Schule richtete ein Trauerzimmer ein, in dem Seelsorger und Psychologen der Schulpsychologischen Beratungsstelle Mitschüler und Lehrer betreuen konnten. Das 41-jährige Opfer und ihre Tochter galten in Allmersbach im Tal als beliebt und bestens ins Gemeindeleben eingebunden. Die Frau wurde als herzensgut, lebensbejahend und hilfsbereit beschrieben; beide Eltern hätten sich auch nach der Trennung liebevoll um die Tochter gekümmert. Etwa drei Monaten vor der grausamen Tat hatte die Frau offenbar den fünf Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Wenige Tage zuvor hatte sie die Beziehung zu diesem Mann beendet – zumindest nach außen hin ohne Streit, wie es aus dem Umfeld heißt.

Dem Vernehmen nach hatte die Frau sich getrennt, weil sie sich wünschte, der Mann möge zunächst eigene Probleme lösen. Der Prozess vor der 19. Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Stuttgart beginnt am Dienstag, 15. Dezember. Die Kammer hat Termine bis März 2021 angesetzt.

Eine Kette von „Beziehungstaten“

Im Corona-Jahr 2020 ist es im Rems-Murr-Kreis zu einer Kette von sogenannten Beziehungstaten gekommen. Anfang März hatte die Polizei eine 55-jährige Frau in einer Wohnung in Rudersberg tot aufgefunden. Ihr Lebenspartner, mit dem sie dort zusammenlebte, wurde wegen dringenden Tatverdachts festgenommen. Der 52-Jährige wurde Ende Oktober vom Landgericht Stuttgart zu 13 Jahren Haft verurteilt. Der Grund für das vergleichsweise milde Urteil bei Mord war, dass das Gericht nicht ausschließen konnte, dass beim Täter zur Tatzeit eine „erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit“ vorlag. Diese Beeinträchtigung könnte von einem heftigen depressiven Schub verursacht worden sein.

Ende Juni dieses Jahres wurde erneut eine Frau das Opfer ihres ehemaligen Lebensgefährten. Mit einer abgebrochenen Bierflasche stach in Winnenden ein 35-Jähriger auf seine getrennt von ihm lebende Ehefrau ein. Bereits in der Vergangenheit war es wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen zwischen dem 35-jährigen Iraker und seiner Noch-Ehefrau. Der Mann hat laut Polizei früher schon Straftaten gegen die Frau verübt, weshalb ein Annäherungsverbot ausgesprochen worden war.

Der Prozess gegen den Iraker wegen versuchtem Totschlag beginnt am Landgericht Stuttgart am Freitag, 18. Dezember. Auch hier sind Termine bis März 2021 angesetzt.

Eine gespenstische Stimmung lag an diesem sonnigen Sonntagmittag im Juni über dem Wohngebiet am Rande von Allmersbach im Tal. Die Polizei hatte eine Straße abgeriegelt. Der evangelische Pfarrer öffnete das Gemeindehaus als provisorisches Krisenzentrum. Kripobeamten sicherten Spuren in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses, in der die Rollläden heruntergelassen waren. In der Nacht hatte ein 36-jähriger Mann mutmaßlich seine Ex-Freundin, 41, und deren Tochter, 9, getötet. Am Dienstag beginnt

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