Rems-Murr-Kreis

Fahrrad verkehrssicher machen: Tipps von Polizei und Bikes 'n' Boards Waiblingen

Fahrrad sicher
Nicole Böttcher (rechts) erklärt, wie ein Fahrrad ausgestattet sein muss. © Gabriel Habermann

Fahrradfahren wird immer beliebter, die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Radeln macht fit, schont die Umwelt und kann eine echte Alternative zu Auto und öffentlichem Nahverkehr sein, vor allem, wenn man sich für ein Pedelec oder E-Bike entscheidet, mit dem sich weitere Strecken und stärkere Steigungen problemlos bewältigen lassen. Doch es ist auch nicht ungefährlich.

Im Rems-Murr-Kreis wurden 2021 von der Polizei 238 Fahrradunfälle aufgenommen. Ein Radfahrer ist ums Leben gekommen, 43 Radfahrerinnen und Radfahrer wurden schwer und 168 leicht verletzt. Bei 88 Unfällen waren laut polizeilichem Jahresbericht Pedelecs und E-Bikes im Rems-Murr-Kreis beteiligt, 18 Nutzer und Nutzerinnen wurden schwer verletzt, 53 verletzten sich leicht.

Verkehrssicherheit ist Pflicht

Die Geschwindigkeit ist die Hauptunfallursache. Doch auch die Verkehrssicherheit des Fahrrads spielt eine große Rolle, sagt Nicole Böttcher, die im Haus der Prävention in Fellbach vor allem für die Verkehrserziehung an Schulen zuständig ist. Wenn sie Schulklassen auf die Fahrradprüfung vorbereitet, überprüft sie auch die Fahrräder der Kinder und stellt an jedem sechsten bis siebten Fahrrad Mängel fest. „Am häufigsten fehlen Lichter und Klingel“, sagt Böttcher. Für die Eltern schreibt sie in diesen Fällen einen Mängelbericht, denn die Fahrradprüfung darf nur mit einem verkehrssicheren Rad abgelegt werden. „Es handelt sich nicht um eine Empfehlung, sondern um eine Pflicht“, betont die Expertin.

Und es sind längst nicht nur Kinderräder mangelhaft ausgestattet, auch bei erwachsenen Fahrradfahrern stellten ihre Kollegen vom Streifendienst häufig fest, dass Fahrräder nicht verkehrssicher seien.

Das hängt auch mit der Vielfalt zusammen, die inzwischen auf dem Fahrradmarkt angeboten wird, erklärt Steffen Schuck, Inhaber von Bikes ‘n’ Boards Waiblingen. „Die Bremsen funktionieren natürlich bei jedem neuen Fahrrad einwandfrei. Lichter, Klingel und Reflektoren jedoch sind in der Regel nicht fest installiert, sondern müssen extra gekauft und montiert werden.“ Im Verkaufsgespräch stimmten er und seine Mitarbeiter diese Ausstattung auf die Bedürfnisse und das Nutzungsverhalten ab. Wer etwa mit seinem Fahrrad in der Regel nur kurze Strecken tagsüber zurücklege, brauche kein so starkes Licht wie ein Pendler, der mit seinem E-Bike bei jedem Wetter einen langen Weg zur Arbeit fahre, womöglich noch durch ein dunkles Waldstück. Für ein Fahrradlicht könne man bis zu 300 Euro ausgeben, einfache Modelle gebe es aber auch schon für 15 Euro, erklärt Schuck. Bei E-Bikes und Pedelecs gebe es sogar teilweise Modelle mit Bremslichtfunktion oder einem Tagfahrlicht.

Das Problem seien nicht die fehlenden Möglichkeiten, sondern der Wille: Manch ein Fahrradfahrer, der sein Bike als Sportgerät nutze, wolle schlicht kein Licht oder Reflektoren anbringen, die bei einer wilden Fahrt durch den Wald ohnehin abfallen, sagt Schuck. Böttcher hat außerdem den Eindruck, dass manchmal an dieser wichtigen Ausstattung gespart werde oder die Menschen gar nicht wissen, was genau zu einem verkehrssicheren Fahrrad gehört. Deshalb wurden neue Plakate und Flyer entworfen und gedruckt, die die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Sie hängen seit kurzem unter anderem bei Fahrradhändlern im Rems-Murr-Kreis aus.

Vorgeschrieben für die Verkehrssicherheit ist folgende Ausstattung

  • Zwei voneinander unabhängige Bremsen;
  • Eine helltönende Klingel;
  • Mindestens ein weißer Frontscheinwerfer sowie ein Frontreflektor (kann im Scheinwerfer integriert sein);
  • Ein rotes Rücklicht sowie ein roter Großflächenrückstrahler (darf im Rücklicht integriert sein);
  • Pro Pedal zwei gelbe Pedalrückstrahler;
  • Reflektoren: entweder mindestens zwei Katzenaugen pro Reifen oder retroreflektierende Streifen an Reifen oder Felgen oder retroreflektierende Speichen.

Empfehlenswert für die Verkehrssicherheit sind zusätzlich

  • Das Tragen eines Helms und dessen richtige Einstellung;
  • Die zur Körpergröße passende Größe des Fahrrads sowie die korrekte Sitzposition, die sich über die richtige Einstellung von Sattel und Lenker erreichen lässt: Man sollte sicher sitzen, dabei mit den Fußballen den Boden berühren können, nicht aber mit der ganzen Fußsohle auf den Boden reichen.

Fahrradfahren wird immer beliebter, die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Radeln macht fit, schont die Umwelt und kann eine echte Alternative zu Auto und öffentlichem Nahverkehr sein, vor allem, wenn man sich für ein Pedelec oder E-Bike entscheidet, mit dem sich weitere Strecken und stärkere Steigungen problemlos bewältigen lassen. Doch es ist auch nicht ungefährlich.

Im Rems-Murr-Kreis wurden 2021 von der Polizei 238 Fahrradunfälle aufgenommen. Ein Radfahrer ist ums

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