Rems-Murr-Kreis

FAQs zu Weihnachten: Enthüllungen über Jesus, Engel, Hirten, Stern und Jungfrau

Krippe
Kind in der Krippe – das ärmliche Stall-Setting ist nicht zufällig, sondern enthält eine spirituelle Botschaft. © Gaby Schneider

Stammt Jesus wirklich aus Davids Geschlecht? Warum wollte Herodes den Säugling töten? Weshalb spielen ausgerechnet Hirten eine wichtige Rolle in der Weihnachtsgeschichte? Und ist der Christbaum überhaupt christlich? Fragen über Fragen über Fragen. Die folgenden zehn Antworten stützen sich auf eine Handreichung der evangelischen Landeskirche Württemberg; aus dieser Quelle stammen alle wörtlichen Zitate.

1. Warum hieß Jesus Jesus?

Dahinter verbirgt sich nichts Spektakuläres. Jesus ist schlicht „die griechische Version des hebräischen Namens Jeschua“, Joshua oder Jehoshua – dieser Name war damals durchaus verbreitet und kommt auch in der Bibel öfter vor: Josua heißt zum Beispiel ein Heerführer im nach ihm benannten alttestamentarischen Buch. In dem Namen stecken die hebräischen Wortwurzeln für „Jahwe“, Gott, und für „Hilfe“, „Heil“ oder „Rettung“. Am stimmigsten lässt er sich wohl mit „Der Herr hilft“ oder „Gott rettet“ übersetzen. Unser Gotthilf lässt grüßen.

2. War Jesus ein Nachkomme Davids?

Fragen der Herkunft spielen in der Bibel eine gewaltige Rolle. „Im Alten und Neuen Testament finden sich ganze Kapitel, die schlicht aufzählen, wer von wem abstammt.“ Zitieren wir beispielhaft nur mal kurz aus dem Verzeichnis der Nachkommen Adams im alttestamentarischen Buch Genesis: Als Adam hundertdreißig Jahre alt war, zeugte er Set. Als Set hundertfünf Jahre alt war, zeugte er Enosch. Als Enosch neunzig Jahre alt war, zeugte er Kenan. Und so weiter. Das müssen kregle Senioren gewesen sein. (Die Langfassung ist noch staunenswerter - nachzulesen hier ...)

„Wenn in der Weihnachtsgeschichte davon die Rede ist, dass Josef vom Geschlecht Davids war, dann ist damit gemeint, dass er ein Nachfahre des Königs Davids ist. Und damit auch sein (Stief)sohn Jesus. Die Evangelisten Lukas und Matthäus zeigen beide in einer ausführlichen Abstammungsliste, dass Jesus Stammbaum bis auf diesen modellhaften König zurückgeht.“

Ob das glaubwürdig sei im Sinne einer historisch belegbaren Genealogie, darüber lässt sich streiten. Die Botschaft aber ist klar: Seht her, sagen die Evangelisten damit, Jesus ist nicht irgendwer, sondern der Erbe eines hochbedeutenden Herrschers.

3. Gab es damals echt Volkszählungen?

„Bei der in der Weihnachtsgeschichte erwähnten Schätzung geht es um eine größere Volkszählung. In neueren Übersetzungen der Bibel kann man auch lesen: , ... um sich in Steuerlisten einzutragen’.“ Es geht um eine vom römischen Imperium angeordnete Zählung der Menschen in Judäa. Tatsächlich gab es wohl, wie außerbiblische Quellen nahelegen, so eine Bestandsaufnahme, allerdings eher um das Jahr 6 oder 7 n. Chr.

4. Ist der Gesang der Engel inhaltlich nicht etwas fragwürdig?

Der Engelsgesang birgt Stoff für durchaus kontroverse theologische Debatten unterm Weihnachtsbaum. „Die Engel singen, dass Friede sein soll bei den Menschen ,seines Wohlgefallens’ – was heißt das? Tatsächlich ist das eine knifflige Frage“, räumt die Handreichung der württembergischen Landeskirche ein.

Soll da etwa der Friede exklusiv nur bestimmten Leuten geschenkt werden, nicht allen?

„Die ersten Christen“, heißt es aber weiter in der Handreichung, „gingen dann selbstverständlich davon aus, dass alle Menschen, auch die weiter Außenstehenden, zum Glauben und zum Frieden mit Gott eingeladen sind.“

Das klingt versöhnlich. Für auf weltanschauliche und religiöse Toleranz geeichte Menschen bleibt die Passage dennoch ein Stolperstein: Wer genießt heute Gottes „Wohlgefallen“, wer darf auf Frieden hoffen? Etwa nur Gläubige? Gar nur Christen?

Manche werden geneigt sein, zu hadern: Gerecht wäre das nicht.

5. Warum spielen die Hirten so eine prominente Rolle in dieser Geschichte?

„Um das herauszufinden, muss man sich in die Zeit um das Jahr 0 zurückversetzen: Die Hirten damals waren ,Outlaws’ – sie waren nicht sesshaft und lebten von der Hand in den Mund; hatten nur Tiere und die Natur als Gesellschaft und galten als etwas geheimnisvoll. Die gute Botschaft von der Geburt Jesu und seiner Liebe sollte besonders zu den Menschen am Rand der Gesellschaft kommen. Darum hörten die Hirten auf den Feldern in der Nähe von Betlehem als Erste von Jesu Geburt.“

Der Auftritt der Hirten ist also weit mehr als ein farbiges Detail der Weihnachtsgeschichte, sondern führt mitten hinein ins Herz der christlichen Botschaft: Nicht bedeutende Herrscher, sondern arme Außenseiter waren die ersten Adressaten der Heilsbotschaft.

6. Warum ist ein Stall Jesu Geburtsort?

„Ein noch ärmlicheres Dach über dem Kopf für eine Niederkunft ist kaum vorstellbar – ganz gleich, ob es ein Holzstall (westeuropäische Krippentradition) oder eine als Tierunterstand dienende Felsenhöhle (Krippentradition am Mittelmeer) ist.“ Jesus betritt als „echter, zarter, verletzlicher Mensch“ diese Welt. Für den Stall gilt wie für die Hirten: Es handelt sich nicht nur um pittoreske Schnörkel, sondern um tragende Säulen der Erzählkonstruktion, sie sind bildhafte Verdichtungen der christlichen Idee, dass Gott nicht nur für die Reichen, Mächtigen, Angesehenen, gesellschaftlich Etablierten da sei, sondern zuallererst für die Armen, Leidenden, Hungrigen, Ausgegrenzten, Entwurzelten und Flüchtlinge.

7. Wie ist das mit der Jungfrauengeburt?

Überraschung: Hier nährt die offizielle Handreichung der evangelischen Landeskirche eben jenen Zweifel, den Glaubensferne sowieso schon immer gehegt haben.

Es heißt da nämlich zwar: „In vielen christlichen Traditionen ist damit die wortwörtliche Jungfräulichkeit Marias gemeint. Diese Unberührtheit betont Gott oder den Heiligen Geist als Vater von Jesus und stellt seine Geburt als Wunder dar.“

Aber dem folgt eine bemerkenswerte Relativierung: „Inzwischen haben Theologen herausgefunden“, dass „im hebräischen Urtext der Bibel bei der alttestamentlichen Referenzstelle“ lediglich „junge Frau“ stehe. Erst „bei der Übernahme des hebräischen Zitats in das griechische Neue Testament wurde daraus dann das theologisch stärker aufgeladene ,Jungfrau’.“

8. Was steckt hinter dem Stern, dem die drei Weisen gefolgt sind?

„Der biblische Stern könnte der Halleysche Komet gewesen sein oder eine besonders helle Konstellation der Planeten Jupiter und Saturn.“ Nun ja. Diese Deutung nach dem Motto „Und die Bibel hat doch recht“ wirkt etwas banal. Hier wiederholt sich ein Phänomen, das uns vorhin bereits bei Jesu Herkunft aus Davids Geschlecht begegnet ist: Spannender als die Frage, ob das Evangelium wortwörtlich gelte, ist hier wie so oft die „symbolische Dimension“, die narrative Intention: Was signalisiert das Himmelsphänomen im erzählerischen Zusammenhang?

Die „Geburt von Königen“ wurde „in der Zeit der Bibel oft mit Sternerscheinungen verbunden“. Erinnern wir uns gleich noch einmal an die Betonung von Jesu Platz in einer auf den König David zurückgehenden Abstammungslinie: Auch das leuchtkräftige erzählerische Detail vom Stern, der über der Szenerie schwebt, dient dazu, die Besonderheit des Neugeborenen zu betonen, buchstäblich zu illuminieren.

Im 4. Buch Mose heißt es überdies: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.“ Indem die Evangelisten von einem Stern berichten, triggern sie die Erinnerung an eine alttestamentarische Prophezeiung: Jesus, drücken sie damit aus, sei eben jener einst verheißene Erlöser.

9. Warum ist Herodes Jesu Feind?

„Herodes war der von Rom abhängige König in der Region“, heißt es in der evangelischen Handreichung. „Er hatte die Aufgabe, die Macht des Kaisers Augustus in den besetzten Gebieten aufrechtzuerhalten. Als die drei Weisen angekommen waren, fragten sie, wo genau der ,neugeborene König der Juden’ zu finden wäre. Davon hörte Herodes – und befürchtete Umsturz. Er ging davon aus, dass die jüdische Bevölkerung einen anderen Herrscher für sich auserkoren hatte.“

Kurzum: Um seine Position als Marionettenherrscher Roms zu verteidigen, will Herodes Jesus umbringen lassen.

10. Ist der Christbaum heidnisch?

„Den Weihnachtsbaum gibt es noch gar nicht so lange: Er ist wohl im ausgehenden Mittelalter entstanden. Dabei flossen verschiedene Traditionen zusammen.“

Eine Wurzel: Im Christentum versinnbildlichte der Tannenbaum ursprünglich als immergrüner „Paradiesbaum“ die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden. Palmen hatten die europäischen Christen im Winter eben nicht zur Hand.

Eine andere Wurzel greift in vor- und außerchristlichen Traditionsboden: Immergrüne Pflanzen verkörpern Lebenskraft; wer derlei daheim als Schmuck – sei es ein Kranz, eine Girlande, ein Gesteck oder ein ganzer Baum – verwendet, holt sich quasi Gesundheit symbolisch ins Haus. Bereits unter den alten Ägyptern und Hebräern soll das gebräuchlich gewesen sein. Und die Anhänger des antiken Mithras-Kultes schmückten zur Wintersonnenwende einen Baum, um den Sonnengott zu ehren.

Eher christlich? Eher heidnisch? Wie auch immer – „die Bedeutung ist klar“, heißt es in der Handreichung: „Mitten in der lebensfeindlichsten Zeit des Jahres hat man ein kraftvolles Symbol des Lebens im Haus, perfekt als Hintergrund der Geburt Jesu, der den Menschen die Verheißung ewigen Lebens gebracht hat.“

Stammt Jesus wirklich aus Davids Geschlecht? Warum wollte Herodes den Säugling töten? Weshalb spielen ausgerechnet Hirten eine wichtige Rolle in der Weihnachtsgeschichte? Und ist der Christbaum überhaupt christlich? Fragen über Fragen über Fragen. Die folgenden zehn Antworten stützen sich auf eine Handreichung der evangelischen Landeskirche Württemberg; aus dieser Quelle stammen alle wörtlichen Zitate.

1. Warum hieß Jesus Jesus?

Dahinter verbirgt sich nichts

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