Rems-Murr-Kreis

Fellbach: Winfried Kretschmanns düstere Mahnung beim Deutschen Wandertag

Kretschmann Wandertag
Winfried Kretschmann (auf dem Foto ganz rechts; neben ihm seine Frau Gerlinde) im Gespräch mit Hans-Ulrich Rauchfuß, dem Präsidenten des Deutschen Wanderverbandes (neben Rauchfuß: Landrat Richard Sigel). © Gabriel Habermann

Der Deutsche Wandertag wird gemeinhin vor allem als touristisches Großereignis wahrgenommen – die Feierstunde zum Abschluss in Fellbach aber nutzte Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch für eine wuchtige Öko-Botschaft. So schön und bunt diese Remstäler Wanderparty in der Augusthitze war: Kretschmann schlüpfte am Sonntag in die Rolle des dunklen Mahners ...

Deutscher Wandertag aus Touristikersicht: Ein Erfolg

Zunächst mal hat so ein Wandertag (Näheres zum Konzept und den Angeboten hier) natürlich vor allem sehr viel mit Tourismus-Marketing zu tun - und das Ziel der Veranstalter, das Remstal als wanderbares Tal mit vielen Facetten zu präsentieren, wurde erreicht: Unterm Strich tummelten sich rund 20.000 Gäste in Fellbach und den 21 teilnehmenden Kommunen im Remstal, und viele der Fremden werden in den kommenden Jahren zurückkehren und Freunde mitbringen – genau dieser Langfristeffekt macht das Wandertagskonzept so attraktiv für jede Region, die touristisch vorankommen will.

Dass die Kalkulation im Remstal aufgegangen ist, dokumentieren beispielhaft folgende Rückmeldungen: „Das Remstal ist so wunderschön, und die Menschen waren alle unglaublich lustig, offen und hilfsbereit“, berichtete Beate Müller vom Sauerländischen Gebirgsverein Meggen; Erika und Ulrich Böckel aus Eisenach schwärmten von ihrer Stadtführung in Waiblingen und den Wanderwegen auf dem Kappelberg; und Mitglieder des Eifelvereins priesen angenehm erschöpft die Eindrücke einer Tour auf dem Remstalweg.

"Nur noch wenige Jahre" Zeit: Winfried Kretschmann als Mahn-Prophet

Mit einer touristischen Leistungsbilanz aber wollte sich Winfried Kretschmann (der derzeit oft im Rems-Murr-Kreis weilt) am Ende nicht begnügen – er platzierte bei seiner Rede während der Feierstunde des Deutschen Wanderverbandes in der Fellbacher Schwabenlandhalle einen ziemlich düsteren, umweltpolitischen Kernsatz: „Uns bleiben nur noch wenige Jahre, um die biologische Vielfalt zu retten.“ Kretschmanns Folgerung: Materieller Reichtum dürfe nicht mehr länger auf Kosten der Natur gehen.

Passend zum Hölderlinsaal in der Schwabenlandhalle sprach Kretschmann, selbst Mitglied des Schwäbischen Albvereins, mit Hölderlin, der seine Gedichte als „Fußreisender“ auf bis zu 50 Kilometer langen Wanderungen schrieb. Den eigenen „Horizont erweiternd“. Heutzutage durchwanderten Menschen Kulturlandschaften, aus denen Kulturdenkmale herausragten. Aktiven Wandergruppen riet der Ministerpräsident, diese wertzuschätzen und den Wegmalen zu folgen, dann verirrten sie sich auch nicht im Denken.

„Hier ist wirklich Dramatisches im Gange“, bedauerte Winfried Kretschmann ein aktuell etwa 40-prozentiges Aussterben der Arten, einen rund 80-prozentigen Rückgang der Biomasse und die Klimaerhitzung. „Es geht um unsere Lebensgrundlagen“, appellierte er mit Blick auf jüngere Generationen wie John Noville und Paula Kohl von der Fellbacher Popmusic-School, die ihn musikalisch begleiteten: „Wir haben kein Recht dazu, die Artenvielfalt zu zerstören.“

Umweltbewusste Wandervereine können zum Teil der Lösung werden

Als Schirmherr des 121. Deutschen Wandertages findet es Winfried Kretschmann gut, dass die Wandervereine „Flagge zeigen“. Für ihn war die Wandertagswimpelgruppe aus Bad Wildungen in den Saal gezogen, um den Wimpel wie das olympische Feuer im Sport zu übergeben und nach der Feierstunde in einem Umzug durch die „Wanderhauptstadt Fellbach“ zu ziehen. Naturverbundene Wanderer gehören aus Kretschmanns Sicht zu denjenigen, die sich mit ihrer Arbeitskraft und mit Herzblut einbringen, wenn es um die Pflege der Wanderwege geht.

Professor Dr. Ulrich Schraml, Direktor der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und Vorsitzender der Bundesplattform Wald-Sport, Erholung und Gesundheit, sprach mit dem „Inferno“ des Philosophen Dante: Für den Schutz der Wälder gehöre „ein neues Waldbild in die Köpfe transportiert“.

Förster „als Schuldige an die Wand zu stellen“, gehe gar nicht und für die Wiederaufforstung gebe es „kein schöneres Symbol, als gemeinsam einen Baum zu pflanzen“. Waldbesitzer, so Schraml, sollten nicht nur in Verantwortung für ihr Eigentum handeln, sondern mit den Wissenschaftlern und Politikern zusammenarbeiten.

Wanderer-Präsident Rauchfuß wünscht sich einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets

Der Präsident des Deutschen Wanderverbandes, Dr. Hans Ulrich Rauchfuß, konnte gar nicht alle Namen vom Bundestagsabgeordneten bis zum Bürgermeister nennen, die sich bei der Feierstunde um den Ministerpräsidenten scharten, nachdem über 400 Ehrenamtliche eine Woche lang Wanderer von überall her durch das Remstal und den Schwäbischen Wald geführt hatten. Mit und ohne Handicap.

Wie die Talkrunde mit dem Rems-Murr-Landrat Dr. Richard Sigel, dem Waiblinger Oberbürgermeister Sebastian Wolf, stellvertretend für die Region Remstal, der Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und der Vizepräsidentin des Schwäbischen Albvereins, Regine Erb, zeigte, hat bei Wanderungen mit Genuss und Kulinarik die ganze Region mitgemacht.

Für die Wandergruppen wünscht sich Hans-Ulrich Rauchfuß einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets, am besten ein „bundesweit gültiges 24-Stunden-Ticket und eine bessere Anbindung an den ländlichen Raum“. Der deutsche Wanderverband als Dachorganisation teile diesen Wunsch bereits.

Der Deutsche Wandertag wird gemeinhin vor allem als touristisches Großereignis wahrgenommen – die Feierstunde zum Abschluss in Fellbach aber nutzte Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch für eine wuchtige Öko-Botschaft. So schön und bunt diese Remstäler Wanderparty in der Augusthitze war: Kretschmann schlüpfte am Sonntag in die Rolle des dunklen Mahners ...

Deutscher Wandertag aus Touristikersicht: Ein Erfolg

Zunächst mal hat so ein Wandertag (Näheres zum Konzept und den

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