Rems-Murr-Kreis

Filialnetz wird dünner und dünner: Könnten Banken und Post nicht kooperieren?

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Selbstbedienung statt Kasse mit Personal, wie hier in Waiblingen-Beinstein: Diese Variante gibt’s immer häufiger. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Menschliche geht verloren, fürchten manche, und längst nicht jede(r) kann seine Bankgeschäfte am Smartphone erledigen: Die Ankündigung der Kreissparkasse, sie werde zum 1. Oktober 13 Geschäftsstellen mit persönlichem Kundenkontakt zu Filialen mit Selbstbedienungsautomaten umwandeln, hat für Wirbel gesorgt.

Die Volksbank Stuttgart plant für 2022 laut Sprecher Robert Hägelen zwar keine Filialschließungen. Doch hat sie ihr Filialnetz erst vor kurzem „angepasst“: In den Anlaufstellen der Bank in Geradstetten und in Haubersbronn gibt’s nur noch Selbstbedienungseinrichtungen. Im Schelmenholz und in Weiler zum Stein können Kund/-innen zwar noch Gespräche mit Berater/-innen führen, doch eine Kasse gibt’s dort nicht mehr. Vom 1. Januar 2023 an werden Volksbank-Kund/-innen dann auch in der Filiale Winnenden-Schelmenholz nur noch Automaten vorfinden. Die Berater/-innen verlegen ihren Arbeitsplatz in die Regionaldirektion in der Winnender Marktstraße.

Packstation und Geldautomat im selben Raum: Wieso nicht?

Die Rems-Murr-SPD schlägt ein Kooperationsmodell zwischen der Kreissparkasse, der Volksbank sowie der Deutschen Post vor: Wieso nutzen sie nicht einfach dieselben Räume, stellen dort ihre Geldautomaten auf, dazu eine Packstation – und alle profitieren?

Der Vorschlag ist nicht neu und mancherorts bereits umgesetzt: Im Backnanger Raum können Kund/-innen an einer Vielzahl von Automaten kostenfrei Geld abheben, unabhängig davon, ob sie ihr Konto bei der Volksbank Backnang oder bei der Kreissparkasse haben. Eigentlich fällt eine Gebühr an, wenn man an Automaten von Banken eines anderen Systems Geld abhebt – in diesen Fällen aber nicht. Bereits seit 2020 funktioniert an 19 Standorten der Kreissparkasse und an 25 Standorten der Volksbank Backnang diese Art der Zusammenarbeit, und an drei Standorten kooperiert man auf dieselbe Weise jetzt schon auch mit der Volksbank Stuttgart, informiert Rebecca Straub, Sprecherin der Kreissparkasse. Die KSK stehe „Kooperationen dieser Art grundsätzlich offen gegenüber“.

Interesse scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein

Das kann alles heißen – oder nichts. Auch Robert Hägelen, Sprecher der Volksbank Stuttgart, verweist auf bereits vorhandene gemeinsame Selbstbedienungsfilialen – und antwortet ansonsten zurückhaltend auf die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Konkurrenz: „Wir sind grundsätzlich für Kooperationen offen, wenn sie für unsere Kunden sinnvoll sind und wirtschaftlich ausgestaltet werden können.“

Nun müsste man nur noch konkret ins Gespräch kommen, Pläne entwerfen und sie umsetzen. Müsste, sollte, könnte: Das Interesse scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein. In Leutenbach stand das Thema bereits vor einiger Zeit auf der Agenda: Beispielsweise in Nellmersbach und Weiler zum Stein sind die früheren Volksbankfilialen bereits zu SB-Anlaufstellen geschrumpft beziehungsweise zum Beratungsstandort mit eingeschränktem Service umgewandelt. Die Kreissparkasse ist in diesen Teilorten gar nicht mehr vertreten. Dass sie ihren Kund/-innen dort kostenfreies Geldabheben in den SB-Filialen der Volksbank möglich machen könnte, war schon früher im Gespräch. Es ist nichts daraus geworden.

Urs Abelein, stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD, würde gern die Post mit ins Boot holen, um eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten, wie es in einer Mitteilung der Rems-Murr-SPD heißt. Er verweist auf ein Vorbild in Stetten: eine Packstation der Post und ein Geldautomat der Kreissparkasse im selben Raum – kein Problem.

Die Post kooperiert bereits mit einem Kreditinstitut: Mit der Postbank

Geht’s lediglich darum, eine DHL-Packstation in gemeinsamen Räumen aufzustellen, spricht nichts gegen eine Zusammenarbeit der Post mit Kreditinstituten, erläutert Postsprecher Marc Mombauer. Doch das Aber folgt sogleich: In Postfilialen mit Personal kann man nicht einfach so zum Beispiel einen Geldausgabeautomaten einer Volksbank oder einer Kreissparkasse aufstellen. Der Grund: Die Post hat sich vertraglich bereits festgelegt und kooperiert schon mit einem Kreditinstitut – und zwar mit der Postbank.

Urs Abelein sieht „die genossenschaftlich organisierte Volksbank und die öffentlich-rechtliche Kreissparkasse“ besonders in der Pflicht, Kundinnen und Kunden „wohnortnah“ die Möglichkeit zu bieten, „grundlegende Bankgeschäfte“ zu erledigen. „Wir bleiben kreisweit erreichbar, müssen uns aber daran orientieren, was die Menschen brauchen und nachfragen, und unsere Ressourcen entsprechend organisieren“, hatte Kreissparkassenvorstand Vincenzo Giuliano Mitte Juli bei einem Pressegespräch erläutert – und die Quasi-Schließung von 13 Filialen verkündet. Vom 1. Oktober an werden Kundinnen und Kunden in folgenden 13 Filialen keine Menschen mehr antreffen, aber Selbstbedienungsautomaten nutzen können: Allmersbach im Tal, Althütte, Großheppach, Hintere Straße in Fellbach, Kirchberg an der Murr, Korber Höhe in Waiblingen, Mittlere Brücke in Schorndorf, Oeffingen, Oppelsbohm, Oppenweiler, Unterbrüden, Stuttgarter Straße in Backnang, Sulzbacher Straße in Backnang.

Geldanlage und Kredite: Kund/-innen legen Wert auf persönliche Beratung

Warum Banken nach und nach ihr Filialnetz ausdünnen, liegt auf der Hand. Volksbanksprecher Hägelen verweist auf die Digitalisierung und „einen veränderten Lebensstil. Die Kundinnen und Kunden nutzen stärker die Online-Kanäle und Selbstbedienungsangebote, um unabhängig von Öffnungszeiten der Banken ihre Geschäfte zu tätigen und Bargeld ein- oder auszuzahlen. Sie schätzen diese Flexibilität beim Zahlungsverkehr, zugleich ist ihnen eine gute Beratung bei Geldanlage und Kredit wichtig. Auf diese veränderten Anforderungen der Kunden müssen wir unser Filialnetz ausrichten.“

Vor diesem Hintergrund baut die Volksbank Stuttgart derzeit ihre Hauptniederlassung in der Winnender Marktstraße um. Im Eingangsbereich entstehen zwei zusätzliche Beratungszimmer. „Damit folgen wir den veränderten Wünschen unserer Kunden“, sagt Jürgen Jehle, Regionaldirektor der Volksbank Stuttgart in Winnenden. „Während die Nachfrage nach reinen Zahlungsdienstleistungen rückläufig ist, steht die Beratung bei Geldanlage, Vorsorge und Immobilien weiter hoch im Kurs.“

Ob ein Filialbetrieb sich lohnt, hängt „nicht nur von der Kundenfrequenz ab, sondern von zahlreichen weiteren Faktoren. Etwa von der Entfernung zur nächsten Filiale und ob diese Entfernung den Kundinnen und Kunden zuzumuten ist. Oder den Mietkosten für das Gebäude und ob die Filiale abhängig von den laufenden Kosten wirtschaftlich betrieben werden kann“, so Robert Hägelen in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung.

Eine Volksbankfiliale auf Rädern kommt unterdessen regelmäßig in Schnait, Birkmannsweiler, Oeffingen und Haubersbronn vorbei: In einem umgebauten Transporter können Kund/-innen Geld einzahlen und abheben, ihre Girocard bestellen, ein Konto eröffnen, einen Dispokredit beantragen – und mit Beratern reden.

Das Menschliche geht verloren, fürchten manche, und längst nicht jede(r) kann seine Bankgeschäfte am Smartphone erledigen: Die Ankündigung der Kreissparkasse, sie werde zum 1. Oktober 13 Geschäftsstellen mit persönlichem Kundenkontakt zu Filialen mit Selbstbedienungsautomaten umwandeln, hat für Wirbel gesorgt.

Die Volksbank Stuttgart plant für 2022 laut Sprecher Robert Hägelen zwar keine Filialschließungen. Doch hat sie ihr Filialnetz erst vor kurzem „angepasst“: In den Anlaufstellen

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