Rems-Murr-Kreis

Gaffen: Wenn Neugier gefährlich wird

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Warum tun Menschen das? © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
Jeder Mensch, der an einem Unfall vorbeifährt oder an einem brennenden Haus, wird hinschauen. Jeder. Sind das schon Gaffer? Menschen, die hinschauen?

Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier zieht eine Grenze zwischen „normaler Neugier“ und ihren Folgen. Es gibt Menschen, die für ein Handyfoto bereit sind, Einsatzkräfte zu behindern. Das sind die krassen Fälle. „So etwas kommt vor, aber es ist nicht alltäglich“, ordnet Rudolf Biehlmaier die Diskussion ums Gaffertum ein. Die Feuerwehr berichtet nicht von größeren Problemen mit diesem Phänomen, heißt es beim Landratsamt, bei dem der Kreisbrandmeister ansässig ist.

Sanitäter beim City Treff angegangen

Rettungskräfte sehen sich immer wieder mit Angriffen konfrontiert. Beim Citytreff in Winnenden vor einem Jahr wurden Sanitäter verbal massiv angegangen, als sie einen Patienten versorgten. Vor zwei Jahren bereits berichtete der Rettungsdienstleiter des Roten Kreuzes Rems-Murr, nicht hinnehmbares Verhalten Schaulustiger habe deutlich zugenommen. Sanitäter befassen sich bereits in ihrer Ausbildung mit dem Phänomen. Schauspieler treten zu Trainingszwecken als renitente Gaffer auf, und die angehenden Sanitäter üben, wie sie sich trotz aller Widrigkeiten voll und ganz dem Patienten widmen können.

Dass Leute stehen bleiben und hinschauen – das ist alltäglich. Ohne Frage wird an Unfallorten fotografiert und gefilmt. Inwieweit das strafrechtlich relevant ist, lässt sich so einfach nicht beantworten. Das Strafgesetzbuch regelt den Schutz des „höchstpersönlichen Lebensbereiches“ aller. Man darf keine Fotos schießen, welche die Hilflosigkeit eines Menschen zur Schau stellen, und auf keinen Fall darf man solche Fotos auf Facebook oder sonst wo veröffentlichen.

Neuer Gesetzentwurf

Das Recht auf Schutz vor grob anstößigen Aufnahmen soll künftig auch für Tote gelten. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, dass auch jenen Personen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe droht, die einen toten Menschen, etwa ein Unfallopfer, auf grob anstößige Weise zur Schau stellen.

Solche Fälle zu ahnden und in weniger eindeutigen Situationen einzuschreiten – „das ist für uns im Einsatz schwierig“, sagt Rudolf Biehlmaier. Erste Aufgabe am Einsatzort kann nicht sein, Schaulustige zu zähmen, sofern sie niemanden direkt behindern. Falls doch, kommt ein Platzverweis infrage. Oder die Polizei beschlagnahmt ein Handy. Grundsätzlich ist das möglich, aber zuvor müssen die Beamten die Situation rechtlich einschätzen. „Man muss immer den Einzelfall prüfen“, betont Rudolf Biehlmaier.

Waiblingen.
Jeder Mensch, der an einem Unfall vorbeifährt oder an einem brennenden Haus, wird hinschauen. Jeder. Sind das schon Gaffer? Menschen, die hinschauen?

Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier zieht eine Grenze zwischen „normaler Neugier“ und ihren Folgen. Es gibt Menschen, die für ein Handyfoto bereit sind, Einsatzkräfte zu behindern. Das sind die krassen Fälle. „So etwas kommt vor, aber es ist nicht alltäglich“, ordnet Rudolf

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