Rems-Murr-Kreis

Geflügelpest in Baden-Württemberg entdeckt: Was das Veterinäramt Rems-Murr jetzt rät

Ostern
Symbolsymbolfoto © Alexandra Palmizi

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr werden die Geflügelbestände im Rems-Murr-Kreis von einem Eintrag der Geflügelpest bedroht. Das gibt das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises in einer Pressemitteilung am Dienstag (30.11.) bekannt.

Nachdem seit Mitte Oktober in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern mehrere Funde von an Geflügelpest verendeten Wasser- und Greifvögeln verzeichnet wurden, ist seit Kurzem auch Baden-Württemberg davon betroffen. Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden vier Schwäne positiv auf das Geflügelpest-Virus getestet.  

Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest von Wildvögeln auf Geflügelhaltungen in Deutschland ist hoch

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bewertet das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) das Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest von Wildvögeln auf Geflügelhaltungen in Deutschland als hoch. In einigen Bundesländern sind bereits Nutzgeflügelbestände von Ausbrüchen betroffen. Das geht aus der der Pressemitteilung hervor. In den betroffenen Bundesländern wurden neben den erforderlichen Maßnahmen in den betroffenen Tierbeständen, Schutzzonen mit Einschränkungen für die Vermarktung von Tieren und Waren und eine Aufstallungspflicht für Geflügelhaltungen verfügt.

Bereits vor einer staatlichen Reglementierung freiwillig Sicherheits-Vorkehrungen treffen

Laut Landratsamt Rems-Murr hat eine Seuchenfeststellung in Nutzgeflügelbeständen erhebliche, einschneidende Maßnahmen für Geflügelhalter zur Folge. Das mussten einige Betriebe im Rems-Murr-Kreis im Frühjahr dieses Jahres bereits erfahren. Die Folgen eines Seuchenausbruchs können unter anderem Bestandstötungen, Verbringungsbeschränkungen und Vermarktungsverbote sein.

 Aufgrund der möglichen Schäden für die Geflügelwirtschaft, aber auch zur Vermeidung von Tierleid empfiehlt der Leiter des Veterinäramtes im Rems-Murr-Kreis, Dr. Thomas Pfisterer, bereits vor einer staatlichen Reglementierung freiwillig entsprechende Vorkehrungen zu treffen. „Die freiwillige

Aufstallung von Nutz- und Hobbygeflügel schützt die Tiere vor dem Kontakt mit Wildvögeln und damit der Ansteckung mit dem Geflügelpest-Virus“, so  Pfisterer und ergänzt: „ausreichende Biosicherheitsmaßnahmen sind auch in Freiland- und Volierenhaltungen möglich.“ Pfister schlägt vor, Ausläufe zu überdachen und so gegen das Eindringen von Wildvögeln zu sichern. 

Junghennen am besten von bekannten Betrieben aus der Region erwerben

„Weitere geeignete Biosicherheitsmaßnahmen zur Vorbeugung eines Viruseintrages in Nutzgeflügelbestände sind der Schuhwechsel vor Betreten von Stallungen, die Verwendung betriebseigener Schutzkleidung und die Einrichtung von „Hygieneschleusen“ mit Desinfektionsmatten“, so die Tierseuchenreferentin des Veterinäramtes, Dr. Sonja Ruffer. „Auch Infektionseinträge über Futter, Einstreu oder tierische Ausscheidungen können durch geeignete Schutzmaßnahmen ausgeschlossen werden. Zudem sollte die Fütterung bei Auslauf- oder Freilandhaltung ausschließlich im Stall erfolgen“, so Dr. Ruffer.

Der Eintrag der Geflügelpest in Baden-Württemberg wurde im Frühjahr dieses Jahres durch den Zukauf von Tieren ausgelöst. Veterinäramtsleiter Thomas Pfisterer weist deshalb darauf hin, dass die Geflügelhalter ausschließlich gesunde Tiere aus unverdächtigen Beständen zukaufen. „Hier ist es empfehlenswert, zum Beispiel Junghennen am besten von bekannten Betrieben aus der Region zu erwerben“, so Pfisterer.

Für Fragen zum Thema und zu Maßnahmen in den Betrieben stehen die Mitarbeitenden des Veterinäramts Rems-Murr-Kreis per Telefon unter der Nummer 07191 895-4062 oder per E-Mail unter der E-Mailadresse veterinaeramt@rems-murrkreis.de zur Verfügung.

Folgende Biosicherheitsmaßnahmen werden dringend empfohlen:

  • Schützen Sie ihr Geflügel vor Kontakt mit Wildvögeln. Die größte Gefahr geht von einem direkten oder indirekten Kontakt mit infizierten Wildvögeln aus. Halten Sie ihr Geflügel daher so, dass Wildvögel keinen Zugang haben. Stallen Sie ihr Geflügel auf, insbesondere dann, wenn Sie sich in einem Risikogebiet befinden, d. h. in der Nähe von Rastplätzen von Zugvögeln oder wenn in der Nähe infizierte Wildvögel gefunden worden sind.
  • Trennen Sie strikt zwischen Straßen- und Stallkleidung. Betreten Sie den Auslauf/ Stall nur in betriebseigener Schutzkleidung und mit stallspezifischem Schuhwerk. Lassen Sie die Schuhe, die Sie im Stall tragen, im Stall. Betreten Sie den Stall nicht mit Schuhen, die Sie draußen getragen haben; an der Sohle könnte Kot oder Material von infizierten Vögeln haften. Legen Sie die Schutzkleidung ab, wenn Sie den Stall verlassen. Schutzkleidung, die wiederverwendet werden soll, muss bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Reinigen Sie das Schuhwerk gründlich mit Seifenwasser und desinfizieren* Sie es anschließend.
  • Waschen Sie sich vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Auslaufs/ Stalls die Hände mit Wasser und Seife. Stellen Sie eine Desinfektionswanne vor den Stalleingang und nutzen Sie sie jedes Mal beim Betreten und Verlassen des Stalls zur Desinfektion der Schuhe.
  • Bewahren Sie Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, die mit Geflügel in Berührung kommen können, für Wildvögel unzugänglich auf. Entsorgen Sie Futter oder Einstreu, wenn die Gefahr einer Verunreinigung mit Vogelkot besteht. Mit Vogelkot kontaminierte Gegenstände sind zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Füttern Sie das Geflügel im Stall und tränken Sie es mit Leitungswasser (nicht mit Regenwasser oder sonstigem Oberflächenwasser).
  • Verfüttern Sie keine Geflügelteile und keine Eierschalen von gekauften Eiern.
  • Sichern Sie die Ein- und Ausgänge zu den Ställen oder die sonstigen Standorte des Geflügels gegen unbefugten Zutritt oder unbefugtes Befahren. Halten Sie betriebsfremde Personen (Kinder, Besucher, Eierkunden usw.) und Haustiere (z. B. Hunde, Katzen) von den Ställen fern.
  • Duschen Sie, bevor Sie andere Geflügelhalter besuchen.
  • Reinigen und desinfizieren Sie Gerätschaften und Fahrzeuge nach jeder Ein- oder Ausstallung von Geflügel und nach jedem Geflügeltransport.
  • Führen Sie regelmäßig Schadnagerbekämpfung durch.
  • Beachten Sie auch die Empfehlungen, wie Sie bei Stallpflicht für Abwechslung der Tiere sorgen können, damit Ihnen unnötiger Stress erspart bleibt.

Bitte beachten Sie auch folgende Hinweise:

  • Wer Hühner, Enten, Gänse, Fasane, Perlhühner, Rebhühner, Tauben, Truthühner, Wachteln oder Laufvögel halten will, hat dies der zuständigen Behörde anzuzeigen.
  • Informieren Sie unverzüglich den Tierarzt, wenn Sie bei Ihren Tieren ungewöhnlich hohe Verluste (wenn innerhalb von 24 Stunden drei oder mehr Tiere bei einer Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren sterben) feststellen. Die gilt auch, wenn Sie neurologische Symptome (z. B. Apathie, Kopfdrehen, Gleichgewichtsstörungen) oder einen starken Rückgang der Legeleistung oder der Gewichtszunahme beobachten.