Rems-Murr-Kreis

Gewerkschaft NGG: Zu niedrige Löhne in der Gastronomie im Rems-Murr-Kreis

Gastronomie
Im Gaststätten-Gewerbe liegen die Löhne weit unter dem Durchschnitt – auch im Rems-Murr-Kreis. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten schlägt Alarm und fürchtet Personalmangel. © pixabay (free)

Etwas über 1100 gastgewerbliche Betriebe, also zum Beispiel Restaurants oder Hotels, gibt es im Rems-Murr-Kreis. Dort arbeiten die Menschen dann, wenn andere frei haben, kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden: Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte verdienen im Rems-Murr-Kreis weit unterdurchschnittlich. Behauptet zumindest die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Das mittlere Monatseinkommen liege bei nur 1902 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liege das mittlere Monatseinkommen bei einer Vollzeitbeschäftigung im Landkreis bei 3625 Euro. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG fürchtet daher, dass viele Beschäftigte wegen Geldsorgen ihrer Branche immer häufiger den Rücken kehren könnten. Die NGG verweist in ihrer Pressemitteilung auf eine Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat.

Gewerkschafter: Arbeitsbedingungen und Löhne müssen besser werden

„Wenn Hotel- und Gastro-Beschäftigte nur rund halb so viel verdienen wie der Schnitt, dann darf sich keiner darüber wundern, dass sie sich in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Job suchen. Denn viele von ihnen mussten monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen, ein Teil der Beschäftigten ist noch immer darauf angewiesen. Das sind harte Einbußen bei einem ohnehin niedrigen Einkommen“, erklärt Hartmut Zacher, Geschäftsführer der NGG-Region Stuttgart. Obwohl die Wirte und Hoteliers ebenfalls stark von den Folgen der Corona-Pandemie getroffen seien, müsse nun alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés schon bald nicht mehr genügend Personal geben, warnt der Gewerkschafter. Viele Probleme in der Branche hätten dabei lange vor der Pandemie existiert. „Von unbezahlten Überstunden und langen Arbeitszeiten bis hin zu einem rauen Umgangston hinter den Kulissen – viele Missstände sind auch hausgemacht“, so Zacher.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga verwahrt sich gegen diese Aussage. „Die Grundlage für die Ermittlung dieses angeblich mittleren Monatseinkommens im Gastgewerbe im Rems-Murr-Kreis ist unklar, und der angegebene Wert ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar.“ Der aktuell gültige Lohn- und Gehaltstarifvertrag für das Gastgewerbe in Baden-Württemberg sehe für Fach- und teilweise auch für Hilfskräfte im Gastgewerbe höhere Vergütungen vor, als der NGG angebe. „So verdient zum Beispiel ein Koch oder eine Köchin mit zwei und mehr Gehilfenjahren abhängig von der vereinbarten Monatsstunden-Zahl laut Tarifvertrag zwischen 2285 und 2797 Euro.“

Auch bei Servicemitarbeitern lägen die Vergütungen für Fachkräfte laut Tarifvertrag über dem von der NGG genannten Betrag. „Abweichungen vom Tarifvertrag sind nach oben selbstverständlich möglich.“ Der Dehoga vermutet hinter der Aussage Gewerkschaftsinteressen – es stehen Tarifverhandlungen an.

Tatsächlich bezieht sich die Gewerkschaft auf diese: In den laufenden Tarifverhandlungen habe sich der Dehoga zu entscheidenden Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen bereit erklärt. Das angekündigte starke Signal seitens des Dehoga sei in der ersten Verhandlungsrunde allerdings ausgeblieben. Deshalb appelliert die NGG, der Dehoga möge sich endlich zu einer besseren Bezahlung bekennen. Nur so könnten Fachleute mittelfristig gehalten werden. Die Gewerkschaft fordert eine armutsfeste untere Lohngrenze von 12 Euro für die Branche und eine entsprechende Erhöhung der übrigen Löhne. Die Tarifverhandlungen werden am 15. Oktober fortgesetzt.

Trend der Mitgliedschaften ohne Tarifbindung

Die Gewerkschaft NGG fordert eine Stärkung der Tarifbindung. „Eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband sollte nur dann möglich sein, wenn die Tarifverträge akzeptiert werden, die man gemeinsam ausgehandelt hat.“ Nach Beobachtung des Gewerkschafters Helmut Zacher komme es immer häufiger zu sogenannten Mitgliedschaften „ohne Tarifbindung“. Dieser Trend müsse gestoppt werden, um flächendeckend nicht nur faire Arbeitsbedingungen für das Personal zu haben – sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen für die Firmen.

Der Dehoga weist darauf hin, dass Tarife rein rechtlich nicht allgemein verbindlich seien. Eine Tarifbindung sei nur dann möglich, wenn erstens der Beschäftigte Mitglied der Gewerkschaft und zweitens der Betrieb Mitglied beim Dehoga sei.

Der Tarifvertrag sei, so der Dehoga, dennoch wichtig. Zum einen zur Orientierung für alle Betriebe in der Gastronomie. Zum zweiten seien Abweichungen nach unten nur innerhalb eines gewissen Bereichs möglich. Seien die Abweichungen zu groß und es käme zu einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung, bekomme der Betrieb vor Gericht Schwierigkeiten. „Wir gehen davon aus, dass unsere Betriebe nach Tarif zahlen“, heißt es vom Dehoga. Die aktuelle Situation in der Zeit nach Corona zeige auch allen: „Wer gute Leute will, muss auch ordentlich bezahlen“.

Etwas über 1100 gastgewerbliche Betriebe, also zum Beispiel Restaurants oder Hotels, gibt es im Rems-Murr-Kreis. Dort arbeiten die Menschen dann, wenn andere frei haben, kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden: Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte verdienen im Rems-Murr-Kreis weit unterdurchschnittlich. Behauptet zumindest die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Das mittlere Monatseinkommen liege bei nur 1902 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liege das

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