Rems-Murr-Kreis

Go-Ahead-Züge überfüllt: Wie sich zwei Landtagsabgeordnete für Pendler einsetzen

Go Ahead
Ist zu den Hauptverkehrszeiten bei Rems- und Murrbahn alles okay? © Benjamin Büttner

Wer hat die Drucketse in den Zügen zu verantworten? Die beiden Landtagsabgeordneten aus dem Rems-Murr-Kreis, Gernot Gruber, SPD, und Jochen Haußmann, FDP, haben sich nach den Berichten über übervolle Go-Ahead-Züge in der Hauptverkehrszeit zum Wohl der Zugpendler zusammengetan. Haußmann und Gruber haben eine Kleine Anfrage gestellt. Sie fühlen der Landesregierung auf den Zahn.

Instrument zur Kontrolle der Regierung

Eine Kleine Anfrage ist eine auf wenige Punkte begrenzte Anfrage eines Parlamentariers an die Exekutive zu einem Thema. In diesem Fall fragen die beiden Rems-Murr-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber aus Backnang und Jochen Haußmann aus Kernen gemeinsam, und sie fragen die baden-württembergische Landesregierung. Die Kleine Anfrage ist ein Instrument der parlamentarischen Kontrolle. Das heißt in diesem Fall: Gruber und Haußmann wollen wissen, ob die Landesregierung und ihr Verkehrsministerium in Sachen Zugverkehr und Zugkapazitäten auf der Rems- und auf der Murrstrecke alles richtig gemacht haben.

Anlass für die Kleine Anfrage waren die Berichte über Beobachtungen eines Bahnpendlers. Der stieg am 12. Januar um 17.01 Uhr in Waiblingen in einen übervollen Go-Ahead-Kurzzug in Richtung Schorndorf ein. Der zeitgleich im Waiblinger Bahnhof stehende Zug in der Gegenrichtung, so berichtete der Bahnpendler, sei ebenfalls ein Kurzzug und ebenfalls sehr voll gewesen.

Der Zug um 16.58 Uhr ab Waiblingen in Richtung Stuttgart ist immer nur ein Kurzzug

Der Zugbetreiber Go-Ahead hat erklärt, dass der fragliche Zug in Richtung Schorndorf üblicherweise ein sehr viel größerer Langzug ist, der allerdings wegen kurz zuvor verübtem Vandalismus nur als Kurzzug auf die Schiene gebracht werden konnte. Der Zug Richtung Stuttgart dagegen sei, so Go-Ahead, tatsächlich nur als Kurzzug von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg NVBW bestellt. Die NVBW arbeitet dem Verkehrsministerium zu.

Das Verkehrsministerium erklärte auf Anfrage: Ob zu einer bestimmten Zeit und auf einer bestimmten Strecke ein Kurz- oder ein Langzug mit der entsprechenden Anzahl von Sitz- und Stehplätzen eingesetzt werden soll, gebe das Land den Zugbetreibern „schon frühzeitig vor“, damit die Unternehmen die passenden Fahrzeuge beschaffen können. Für alle Zugfahrten würden „die geforderten Sitzplatzkapazitäten vorab definiert“. Die Zugunternehmen müssen das umsetzen, sonst gibt’s Strafzahlungen. Go-Ahead sei diesbezüglich „nicht auffällig“. Soll heißen: Go-Ahead bringt auf die Schiene, was die Landesregierung verlangt.

"Berechnungen" und "Ergebnisse der automatischen Fahrgastzählung"

Woher die Landesregierung weiß, wie viele Sitzplätze zu welchen Zeiten auf die Schiene müssen, erklärt das Verkehrsministerium so: „Berechnungen“ und „Ergebnisse der automatischen Fahrgastzählsysteme“. Seien einzelne Züge dauerhaft zu voll, prüfe das Land zusammen mit den Unternehmen, „wie die Kapazität verbessert werden kann“. Wobei sich da unlösbare Probleme auftun: Die Züge seien „mehrere Millionen Euro teuer“ – bedeutet, dass man sie sich nicht zuhauf zur Sicherheit ins Depot stellt – und unterlägen „Lieferfristen von einigen Jahren“. Außerdem können nicht alle Züge aneinandergekuppelt werden. Ein technisches Problem. So kommt es, erklärt das Verkehrsministerium, dass „in der Regel nur vorhandene Fahrzeuge genutzt werden können“, um Kapazitäten zu verbessern. Doch in der Hauptverkehrszeit würden schon alle verfügbaren Fahrzeuge eingesetzt. Bedeutet: Die Kapazität kann zur Hauptverkehrszeit gar nicht erhöht werden, ganz egal, wie eng es im Zug zugeht.

Gruber und Haußmann wollen in ihrer Kleinen Anfrage nun unter anderem wissen:

  • Wie hoch war im vergangenen Jahr die Kapazitätsauslastung in den Hauptverkehrszeiten jeweils auf der Rems- und Murrbahn?
  • Welche Fahrgastkapazität, sprich wie viele Sitz- und Stehplätze, sollten nach Bestellung der Landesregierung demnach jeweils für die Hauptverkehrs- und Nebenverkehrszeiten auf der Rems- und Murrbahn zur Verfügung stehen?

Außerdem fragen sie:

  • Wie oft wich die bestellte Kapazität von der tatsächlichen gefahrenen Kapazität jeweils auf der Rems- und Murrbahn im vergangenen Jahr ab?

Die beiden Landtagsabgeordneten wollen mit ihren Fragen herausbekommen, ob Go-Ahead weniger Plätze auf die Schiene bringt als vereinbart, oder ob das Land zu wenig Sitz- und Stehplätze bestellt und damit die Misere verursacht hat. Gernot Gruber schätzt, dass Letzteres der Fall ist.

Go-Ahead fällt nicht durch Ausfälle auf

Tatsächlich hat das Verkehrsministerium erklärt, dass sich beim Blick auf den Betrieb der beiden vom Bahnpendler kritisierten Züge gezeigt habe: Der Zug nach Stuttgart sei durchgehend unauffällig gewesen und sei an 14 Tagen rund um den kritisierten Termin mit der planmäßigen Kapazität gefahren. Beim Zug nach Aalen sei es „in der letzten Zeit“ nur einmal zum Einsatz eines Kurzzuges gekommen, obwohl ein Langzug hätte fahren sollen. Nämlich an genau dem 12. Januar. Außerdem sei an einem weiteren Tag ein Dreiteiler ausgefallen, „so dass nur 272 statt der 426 Sitzplätze unterwegs waren“. An den restlichen zwölf von vierzehn Tagen sei „die planmäßige Kapazität“ verkehrt.

Wenn sich bei der Kleinen Anfrage von Haußmann und Gruber nun herausstellen sollte, dass die Züge in den Hauptverkehrszeiten des Öfteren weit über ihre offiziellen Kapazitäten hinaus mit Fahrgästen besetzt sind, ist zumindest nicht Go-Ahead daran schuld.

Wer hat die Drucketse in den Zügen zu verantworten? Die beiden Landtagsabgeordneten aus dem Rems-Murr-Kreis, Gernot Gruber, SPD, und Jochen Haußmann, FDP, haben sich nach den Berichten über übervolle Go-Ahead-Züge in der Hauptverkehrszeit zum Wohl der Zugpendler zusammengetan. Haußmann und Gruber haben eine Kleine Anfrage gestellt. Sie fühlen der Landesregierung auf den Zahn.

Instrument zur Kontrolle der Regierung

Eine Kleine Anfrage ist eine auf wenige Punkte begrenzte

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper