Rems-Murr-Kreis

Größeres Leid während der Corona-Pandemie: Depressionen schwerer

Dr. Deniz Karagülle
Der Fachmann für Depressionen: Dr. Deniz Karagülle vom Klinikum Schloss Winnenden. © Christian Zacke

Nein, sagt Dr. Deniz Karagülle, Chefarzt der Allgemeinpsychiatrie im Klinikum Schloss Winnenden, es gebe trotz Corona nicht mehr Depressionen. Jedenfalls konnte das noch nicht statistisch belegt werden. Aber: „Die Menschen, die eine Depression haben, leiden stärker darunter“. Der Schweregrad nehme zu. Im Klinikum Schloss Winnenden seien aktuell tatsächlich weniger Patientinnen und Patienten. Doch unter jenen, die stationär aufgenommen seien, seien mehr schwer erkrankte.

Das liegt an genau den Themen, die auch gesunde Menschen in der Krisen- und Lockdown-Zeit als lästig und einschränkend empfinden. Zum Beispiel das Fehlen, gar das Verbot sozialer Kontakte: Für Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, ist das sehr viel belastender als für Gesunde. Bei vielen Erkrankten ist auch die vorgegebene Tagesstruktur weggebrochen. Ein in Abschnitte gegliederter Tag – feste Zeiten fürs Aufstehen, Arbeiten, Essen, für Pausen, Sport und frische Luft – unterstützt Erkrankte. Außerdem sei es für die Patienten noch schwieriger als sonst schon, Termine bei ambulanten Psychiatern zu bekommen.

Noch stehen rund 400 Betten zur Verfügung - zur Not auch mehr

Das Klinikum Schloss Winnenden musste in der aktuellen zweiten Pandemie-Welle zum Wohle der Patienten die Bettenzahl nicht so stark reduzieren, wie in der ersten Corona-Welle im Frühjahr. Der stationäre Bereich, sagt Deniz Karagülle, sei kaum reduziert; rund 400 Betten stünden zur Verfügung und bei Bedarf könne auch noch darüber hinaus Platz geschaffen werden. Außerdem führte, anders als in der ersten Welle, die Quarantäne mancher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch nicht zu Schließungen. Trotzdem steht das Krankenhaus wieder vor Herausforderungen: Das Personal kann wegen des Infektrisikos nicht ohne weiteres bei Bedarf auf anderen Stationen aushelfen. Die Therapie-Gruppen müssten wegen der Abstandsregeln kleiner sein als üblich. Die schwereren Krankheitsverläufe seien eine größere Belastung auch für die Therapeuten.

Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, leiden oftmals unter Schlafstörungen. Außerdem sind sie antriebslos, Entscheidungen fallen schwer, sich den Tag zu organisieren, geht nicht mehr von allein. Im schlimmsten Fall quälen die Menschen massive Suizidgedanken. Und: Wer depressiv ist, rutscht sehr viel leichter in eine Sucht als gesunde Menschen.

Mehrere Wochen lang Symptome? Zum Hausarzt oder Psychiater gehen

„Ein paar schlechte Tage“, sagt Dr. Deniz Karagülle, „bedeuten noch keine Depression“. Die Symptome müssten mindestens zwei Wochen auftreten, eher noch länger, Karagülle spricht von vier bis sechs Wochen. Wer sich aber so lange schlecht fühlt, der sollte Beratung beim Hausarzt und dann gegebenenfalls beim Psychiater suchen.

Nein, sagt Dr. Deniz Karagülle, Chefarzt der Allgemeinpsychiatrie im Klinikum Schloss Winnenden, es gebe trotz Corona nicht mehr Depressionen. Jedenfalls konnte das noch nicht statistisch belegt werden. Aber: „Die Menschen, die eine Depression haben, leiden stärker darunter“. Der Schweregrad nehme zu. Im Klinikum Schloss Winnenden seien aktuell tatsächlich weniger Patientinnen und Patienten. Doch unter jenen, die stationär aufgenommen seien, seien mehr schwer erkrankte.

Das liegt an

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper