Rems-Murr-Kreis

Harmlos oder heikel? Was hat es mit der mysteriösen Drohne über Fellbach auf sich?

Drohne Symbol Symbolfoto
Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Wieder war eine rätselhafte Drohne unterwegs, diesmal in Fellbach - sie hat dort einen Zeugen offenbar regelrecht gestalkt. Was steckt dahinter? Spechtet da jemand in fremde Schlafzimmer? Spähen gar Einbrecher potenzielle Tatorte aus? Die Polizei kann leider nicht wirklich Entwarnung geben und empfiehlt: Auffällige Beobachtungen bitte sofort melden.

Drohnen-Alarm in Fellbach: Ein Zeuge berichtet

Am Dienstagabend, berichtet uns ein Leser, habe im Fellbacher Bereich Lindle von etwa 23.15 Uhr bis nach Mitternacht „eine Drohne ihre Kreise über Wohngrundstücken“, der nahen Theodor-Heuss-Kaserne „und den Straßenbahngleisen gedreht“. Könne es sein, dass „während der Urlaubszeit unbewohnte Häuser für Einbruchsdelikte ausgekundschaftet wurden“?

Es gingen deswegen „mehrere Anrufe bei uns ein“, bestätigt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Eine Streife „war vor Ort und hat die Drohne kurzzeitig ebenfalls gesichtet – der Drohnenführer konnte bislang allerdings nicht ermittelt werden.“

Harmlos oder heikel? Hypothesen zur Fellbacher Drohne

Eine Drohne in offizieller, genehmigter, womöglich behördlicher Mission? Wohl kaum. Nicht nur die Uhrzeit spricht dagegen. Solch ein Flug ist auch tendenziell anmeldepflichtig, beim Regierungspräsidium Stuttgart, beim kommunalen Ordnungsamt, bei der Polizei, wo auch immer. Das gilt zwar nicht für Mini-Ufos, die leichter als 250 Gramm sind, kein Gefahrgut transportieren und weder höher als 120 Meter noch über Menschenmengen fliegen. Aber beim Einsatz über Wohngebieten, Flugplätzen, Bahn- oder Industrieanlagen gelten strengere Regeln. Ohne Erlaubnis oder zumindest Information der Grundstücksbesitzer geht hier wenig, zumindest wenn die Drohne Kamera oder Mikro hat. (Mehr dazu hier.)

Ein Dummejungenstreich? Ein Hobby-Flieger ohne Problembewusstsein? Ein Spanner? Ein Einbrecher? Der Fellbacher Fall ist schwer deutbar. Ein Detail spricht eher gegen die Spähmission eines Diebes: Die Drohne, berichtet der Augenzeuge, „hat sich mir genähert, als ich ans Fenster trat, und mich nochmals verfolgt, als ich die Wohnung verließ, um die Verursacher ausfindig zu machen – ein sehr unangenehmes Gefühl, in dieser Art und Weise gestalkt zu werden.“ Das Unbehagen ist gut nachvollziehbar; ein Einbrecher wäre allerdings wohl eher an Unauffälligkeit interessiert.

Einbrecher mit Späh-Drohnen, ist das realistisch? Eine Spurensuche

Arbeiten Gauner heutzutage eigentlich wirklich mit solchen Methoden? Oder ist das eher ein urbaner Mythos, eine städtische Schauergeschichte, in der sich die Sorge der Menschen vor den unkontrollierbaren Auswüchsen moderner Technologie symbolisch verdichtet?

„Mir sind keine Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen bekannt, bei denen Drohnen zum Ausspähen späterer Tatorte benutzt wurden“, teilt der Polizeisprecher mit. „Allerdings wird sich das im konkreten Einzelfall auch äußerst schwer nachvollziehen lassen.“ Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbruchdiebstahl liegt bundesweit seit Jahren stabil unter 20 Prozent. Es gibt bei dem Thema viel Geraune, aber wenig richtig Habhaftes:

    • Die Londoner Zeitung The Telegraph schrieb bereits 2015: Die Polizei warne davor, dass Gauner Drohnen einsetzen, um Wohnhäuser nach Schwachstellen in der Sicherheitsarchitektur abzusuchen.
    • 2017 berichteten die Westfälischen Nachrichten, ein Mann habe eine Drohne über seinem Haus wahrgenommen – wenig später sei dort eingebrochen worden. „Die Täter haben bestimmt vorher die Lage erkundet“, folgerte das Opfer. Die Polizei bestätigte den Einbruch, relativierte aber: „Von so einem Vorgehen haben wir noch nichts gehört.“
    • Im Januar 2022 berichtete die Rheinische Post, dass sich in Mönchengladbach die „Anrufe besorgter Bürger“ häuften, „die sich von Drohnen beobachtet fühlen“. Doch „wenn wir an Ort und Stelle eintreffen, ist die Drohne längst verschwunden“, sagte eine Polizeisprecherin. Ein Straftäter könne dahinterstecken – oder „ein Nachbarsjunge“. Im Jahr 2021 sei bei der Mönchengladbacher Polizei jedenfalls kein Einbruch bekannt geworden, bei dem das Objekt vorher mit einer Drohne ausbaldowert wurde.
    • Im Juli 2022 gingen bei der Polizei mehrere Drohnen-Meldungen aus der Edelwohngegend um den Dortmunder Phoenix-See ein. In dem Villenviertel leben Fußballprofis von Borussia Dortmund, unter anderen Marco Reus und Mats Hummels. Bei Ex-BVB-Torhüter Roman Weidenfeller, ebenfalls dort zu Hause, soll es gar tatsächlich einen Einbruchsversuch gegeben haben.

Zu wenig, um eine systematische Masche zu belegen; zu viel, um den Verdacht gänzlich abtun zu können. Empfehlung des Aalener Polizeisprechers: Er könne den Leuten „nur raten, bei verdächtigen Wahrnehmungen im Zusammenhang mit Drohnen sofort die Polizei zu verständigen“.

Spurlos verschwunden: Die Drohne von Endersbach

Die Bereits im Juni hatten uns mehrere Endersbacher Ähnliches gemeldet: Seit Wochen tauche immer wieder in der Nähe des Kirchturms eine Drohne auf, fliege über den Ort hinweg, verschwinde irgendwo in Richtung S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein – und komme irgendwann wieder zurück. Ein Anwohner jagte das Flugobjekt mehrmals per Fahrrad – vergeblich. Nachbarn bestätigten: Typische Uhrzeiten seien vormittags zwischen 10 und 11 Uhr und nachmittags ab 14 Uhr. Aber auch in der Abenddämmerung sei die Drohne schon gesichtet worden, bunt beleuchtet.

Dass ein Einbrecher wochenlang immer über demselben Gebiet fliegt, mit einer auch noch hell strahlenden Drohne – eher unwahrscheinlich. Wer und was dahintersteckt, ist indes bis heute ungeklärt.

Die Zeugen melden uns allerdings: Seit im Juni unser Artikel erschienen ist, sei die Drohne dort nicht mehr gesichtet worden.

Wieder war eine rätselhafte Drohne unterwegs, diesmal in Fellbach - sie hat dort einen Zeugen offenbar regelrecht gestalkt. Was steckt dahinter? Spechtet da jemand in fremde Schlafzimmer? Spähen gar Einbrecher potenzielle Tatorte aus? Die Polizei kann leider nicht wirklich Entwarnung geben und empfiehlt: Auffällige Beobachtungen bitte sofort melden.

Drohnen-Alarm in Fellbach: Ein Zeuge berichtet

Am Dienstagabend, berichtet uns ein Leser, habe im Fellbacher Bereich Lindle von

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