Rems-Murr-Kreis

Heizen mit Flüssiggas (LPG): Lohnt sich der Umstieg? Was ist zu beachten?

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Anlieferung eines LPG-Flüssiggas-Tanks in einem Waiblinger Gewerbegebiet. © Alexandra Palmizi

Die Mehrwertsteuersenkung für Gas zum Heizen gilt auch für Flüssiggas (LPG). Laut einem Eckpunktepapier der Ampelkoalition soll es im Zuge der Energiepreisbremsen im Frühjahr auch Härtefallregelungen für Haushalte geben, die mit Pellets, Erdöl oder Flüssiggas heizen. Dafür müssen sich aber die Preise auf der Rechnung von 2022 mehr als verdoppelt haben im Vergleich zu 2021. Deshalb kommen viele LPG-Kunden wohl nicht in den Genuss. Lohnt sich trotzdem der Umstieg auf Flüssiggas?

Unterschied zwischen LPG und LNG

Mit Flüssiggas ist gemeinhin LPG gemeint und nicht verflüssigtes Erdgas (LNG), das bisherige Erdgaslieferungen ersetzen soll. Für LNG wurde jüngst ein Terminal in Wilhelmshaven eingeweiht für Lieferungen aus Übersee, und auch bei den Verhandlungen mit Katar geht es um LNG.

Flüssiggas, sogenanntes Liquefied Petroleum Gas (LPG), besteht aus Propan und Butan, erläutert Olaf Hermann, Pressesprecher des Deutschen Verbands Flüssiggas e. V. (DVF). „Die beiden Gase lassen sich bei Raumtemperatur und geringem Druck von etwa 5 bis 10 bar verflüssigen. Das entstehende Flüssiggas (LPG) ist so stabil, dass es sich lange in Tanks lagern lässt.“

Anders bei Erdgas: Hier sei der Hauptbestandteil Methan. Dieses Molekül lasse sich unter Druck bei Raumtemperatur nicht verflüssigen. Um Methan zu verflüssigen und damit transportfähig zu machen, werde es auf -162 Grad heruntergekühlt. „Aus diesem Grund kann verflüssigtes Erdgas, sogenanntes Liquefied Natural Gas (LNG), nicht beliebig lange in dezentralen Tanks gelagert werden“, sagt Hermann.

„Um verflüssigtes Erdgas (LNG) also für die Wärmeversorgung nutzen zu können, muss es nach dem Transport per Schiff in LNG-Terminals regasifiziert, das heißt, wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt werden. Erst dann kann es in das Erdgasnetz eingespeist werden“, so Hermann.

LPG als Erdgas-Ersatz zum Heizen

650.000 Haushalte in Deutschland heizen derzeit mit Flüssiggas (LPG) – Tendenz steigend. „Daten zu einzelnen Bundesländern oder Landkreisen liegen uns nicht vor“, heißt es seitens des DVF. Rund 1,5 bis zwei Prozent aller Heizungen bundesweit werden mit Flüssiggas betrieben.

„Die Flüssiggasbranche gewinnt derzeit zahlreiche neue Kunden hinzu, da viele Heizungsmodernisierer von Heizöl auf den emissionsarmen und zukunftssicheren Energieträger wechseln“, sagt DVF-Pressesprecher Hermann. Mit Flüssiggas (LPG) stehe im ländlichen Raum – abseits der Erdgas- und Fernwärmenetze – ein speicherbarer und transportabler Energieträger zur Verfügung.

LPG entsteht als Beiprodukt der Rohöl-Raffinierung zu Benzin und Diesel, erläutert Olaf Eglesias, Prokurist der Gebrüder Lotter KG in Ludwigsburg, die auch Kunden im Rems-Murr-Kreis hat und hier auch Tanks installiert und LPG ausliefert. Lotter bezieht den Großteil seines LPG von der MiRO Mineralölraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG in Karlsruhe, sagt Eglesias.

Von der MiRO bezieht zum Beispiel auch die Firma Kraiss und Friz in Remshalden den Großteil ihres LPG, bestätigt Armin Beller, Mitglied der Geschäftsführung. „Nur ab und zu holen wir auch in Antwerpen Flüssiggas ab. Auch mitunter aus Ingolstadt, da gibt’s auch eine Raffinerie.“

Die Kosten für Flüssiggas (LPG) 

Vergleicht man die Preisentwicklung unterschiedlicher Energieträger von Februar 2022 bis September 2022, zeigt sich, dass eine Kilowattstunde Flüssiggas (LPG) zwar um 18 Prozent teurer wurde, sagt DVF-Sprecher Olaf Hermann. Erdgas verteuerte sich im selben Zeitraum aber um 67 Prozent und Heizöl um 58 Prozent. Stand September 2022 war Flüssiggas (LPG) mit einem Preis von 12 Cent/kWh deutlich günstiger als Heizöl (14,28 Cent pro kWh) und Erdgas (20,09 Cent pro kWh), so Hermann (Quelle: Brennstoffspiegel + Mineralölrundschau).

„Die Umrechnung in Cent/kWh macht eigentlich nur im Vergleich zu anderen Brennstoffen Sinn“, sagt Armin Beller von Kraiss und Friz. „LPG kommt wie Heizöl mit dem Tankwagen zum Kunden und wird in Liter abgerechnet. Da gibt es dann Preisstaffelungen je nach Menge. Wir staffeln bis 2000, über 2000 und über 4000 Liter. Die Preisunterschiede der Staffeln liegen momentan bei rund einem Cent/Liter weniger, je mehr sie kaufen.“

Viele LPG-Kunden hätten kurz nach Ausbruch des Ukrainekriegs Ende Februar schnell nachgekauft, sagt Beller. Beim „Extrempreis“ von 94 Cent/Liter netto im April 2022 habe freilich kaum jemand gekauft. Stand heute (Mitte Dezember) liege der Liter-Preis bei 58 Cent/Liter netto bis 2000 Liter.

Flüssiggas-Tank mieten oder kaufen

Lotter-Prokurist Olaf Eglesias beziffert die laufenden Kosten für die Miete eines Flüssiggas-Tanks pro Monat – inklusive Wartung und Instandhaltung – je nach Anbieter auf durchschnittlich rund 15 Euro im Monat. „Die meisten Leute mieten. Für den Tank brauchen sie aber Platz auf ihrem Grundstück und dann eine Leitung zur Heizung im Keller“, sagt Eglesias. Auch entstünden freilich anfängliche Installationskosten von zwischen knapp unter 1000 und mehreren Tausend Euro, je nach Tank-Standort und -Größe.

„Bei uns kaufen auch viele die Tanks“, sagt Armin Beller von Kraiss und Friz. „Der Kaufpreis für unseren größten oberirdischen LPG-Tank mit einem Fassungsvermögen von 6400 Litern liegt bei circa 4000 Euro brutto. Der 2700-Liter-Tank oberirdisch kostet 2300 Euro. Unterirdische Tanks sind etwa 500 bis 600 Euro teurer, denn die müssen versiegelt sein.“

Kostenschätzungen für Gasheizung und LPG-Tank: Installation und Betrieb

In einem Artikel vom 28. November 2022 zu „Heizen mit LPG“ auf dem Internet-Portal heizen.de, das von einem bekannten Heizungshersteller betrieben wird, heißt es: Der genauere Preis für eine mit LPG betriebene Gasheizung hänge von mehreren Faktoren ab und nennt folgende Richtwerte für ein Einfamilienhaus:

  • Eine Gasheizung koste zwischen 3500 bis 7000 Euro.
  • Je nach Aufstellort und der Entfernung der Gasheizung sowie der Größe des LPG-Tanks entstehen Investitionskosten von 1500 bis 2500 Euro.
  • „Da bei der Brennwerttechnik auch im Abgassystem Kondensat entstehen kann, muss dieses feuchtigkeitsunempfindlich sein. Die Schornsteinsanierung durch einen Installateur verursacht hier noch einmal 1000 bis 2000 Euro.“
  • "Für einen Liter Flüssiggas (Propangaspreis) müssen Verbraucher momentan 66 bis 78 Cent (bei Abnahme von 3000 Litern) bezahlen. Das entspricht einem Energiepreis von rund 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde (Stand: Dezember 2022).“
  • „Für regelmäßig durchzuführende Wartungsarbeiten sollten 90 bis 200 Euro eingeplant werden. Hinzu kommen die Kosten für den Schornsteinfeger.“ 

Was ist zu beachten beim Umstieg auf LPG?

Die beiden wichtigsten Grundvoraussetzungen für einen Umstieg auf LPG seien eine Gasheizung und genügend Platz für einen LPG-Tank auf dem eigenen Grundstück, sagt Olaf Eglesias. Ein Anschluss ans Erdgas-Netz ist natürlich für LPG nicht nötig beziehungsweise nutzlos.

„Die meisten modernen Brennwerttechnik-Heizungen erkennen von selbst, welches Gas ankommt, ob Erdgas oder LPG, und stellen automatisch um. Aber am besten sollte man sich von einem Fachbetrieb beraten lassen“, so Eglesias. Das könne der SHK-Betrieb vor Ort sein, der dann auch die Anschluss-Leitungen zum Heizkessel im Hauskeller oder -technikraum legen kann, oder auch der LPG-Lieferant.

„Wenn man neben den Mittelständlern auch die Konzerne mitrechnet, so kommt man auf rund 15 Unternehmen in Baden-Württemberg, die nicht nur Flüssiggas liefern, sondern auch die Tanks installieren, verkaufen, vermieten und warten“ – neben Lotter in Ludwigsburg und Kraiss & Friz in Remshalden zum Beispiel auch Scharr in Stuttgart, sagt Armin Beller.

„Wenn es eine ältere Gasheizung ist, muss man natürlich prüfen lassen, ob LPG geht, aber normalerweise ist das möglich“, sagt Eglesias.

Knackpunkt Grundstücksfläche: „So einen Flüssiggas-Tank dürfen sie aufgrund der Brandschutzgesetze und anderer gesetzlicher Bestimmungen nicht im Keller des Hauses installieren. Deshalb müssen sie eine gewisse freie Grundstücksfläche haben. Es müssen auch bestimmte Abstände zum Haus eingehalten werden“, sagt Eglesias. Oberirdische Tanks seien möglich. „Viele lassen den Tank aber vergraben. Das geht sogar unter der Hofeinfahrt mit überfahrbarem Deckel“, ergänzt Beller. Frost bis maximal -40 Grad sei für LPG (Propan) kein Problem. Wenn der Tank im Untergrund ist, erst recht nicht.

Die Mehrwertsteuersenkung für Gas zum Heizen gilt auch für Flüssiggas (LPG). Laut einem Eckpunktepapier der Ampelkoalition soll es im Zuge der Energiepreisbremsen im Frühjahr auch Härtefallregelungen für Haushalte geben, die mit Pellets, Erdöl oder Flüssiggas heizen. Dafür müssen sich aber die Preise auf der Rechnung von 2022 mehr als verdoppelt haben im Vergleich zu 2021. Deshalb kommen viele LPG-Kunden wohl nicht in den Genuss. Lohnt sich trotzdem der Umstieg auf

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