Rems-Murr-Kreis

Hier funkeln Michelin-Sterne: Ausgezeichnete Restaurants im Rems-Murr-Kreis

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Beim Waiblinger Sternekoch Bernd Bachofer gibt’s schon mal dicke Fische. Die Nummer eins im Gourmet-Landkreis ist er allerdings nicht ... © Ralph Steinemann Pressefoto

Corona und der Ukraine-Krieg scheinen den Feinschmeckern den Appetit nicht zu verderben. Wer sich in einem der Sterne-Restaurants im Remstal an einem Wochenende ein Menü der Spitzenklasse gönnen möchte, muss etwas Geduld aufbringen. Wer auf die Schnelle keinen Tisch bekommt, kann sich jetzt schon einmal den Mund wässrig lesen. Der Guide Michelin hat in dieser Woche seine Sterne für 2022 verliehen, ehrt fünf Spitzen-Gaststätten zwischen Rems und Murr - und hebt eine besonders hervor ...

Die Nummer eins im Landkreis laut Guide Michelin: das Goldberg in Fellbach, das seine beiden Sterne verteidigt hat. Zwei Sterne stehen für „Spitzenküche – einen Umweg wert!“

Vier weitere Spitzenköche dürfen sich weiterhin mit einem Stern schmücken. Der steht für „Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!“ Diese vier Sterneköche sind unverändert Nico Burkhardt im Schorndorfer Pfauen, Joannis Malathounis in Kernen-Stetten, Bernd Bachofer in Waiblingen und Michael Oettinger im Hirsch in Fellbach-Schmiden.

Kein Stern mehr über dem „Avui“: Das Restaurant ist geschlossen

Über dem „Avui“ im Hirschen in Fellbach ist indes nach fast zwei Jahrzehnten der Stern erloschen. Armin Karrer hat im Herbst 2021 seine beiden Restaurants geschlossen. Der Grund war aber nicht (nur) Corona. Wie Armin Karrer mitteilte, sei die Trennung von seiner Frau das „Zünglein an der Waage“ für diese Entscheidung gewesen. Er wolle nicht von einem zusammen aufgebauten Unternehmen alleine profitieren. Als neuer Betreiber steht bereits Tobias Favorat fest, der seine Schmidener Eintracht schließt, nach Fellbach umzieht und ab März in der Küche des Hirschen Regie führt.

Doch zurück zu den Sternen: Bernd Bachofers Stern war einst im Hirschen aufgegangen, wo er von 1999 bis 2003, also vor der Ära Karrer, der Küchenchef war. Alsdann machte er sich in Waiblingen selbstständig. Einen Stern beim Michelin verdiente sich der 54-Jährige erneut in seinem Waiblinger Restaurant. Patron Bernd Bachofer habe „seinen ganz eigenen Stil, und der zeigt deutliche – und sehr stimmige – Einflüsse der großen asiatischen Küchen. Aus erstklassigen Produkten entstehen kreative, aufwendig zubereitete Gerichte, die ein nicht alltägliches Geschmackserlebnis bieten.“

In den Feinschmecker-Olymp aufgenommen wurde Bachofer bereits 2014, übrigens zusammen mit seinem Kollegen Joannis Malathounis aus Stetten. „Griechische Küche mit Stern? ,Modern greek cuisine’ liest man an der Haustür, und die findet man in dem geschmackvoll-charmanten Restaurant der Eheleute Malathounis dann auch vor. Filigran und aromareich, mit mediterraner Leichtigkeit und französischen Einflüssen kommen die Gerichte daher. Wohldosiert bringt Patron Joannis Malathounis seine griechischen Wurzeln mit ein, und das wirkt nie überladen oder forciert. Nicht fehlen darf da das hochwertige Olivenöl! Spannend, wie man hier die Küche Griechenlands interpretiert.“ Umsorgt werde man in den gemütlichen Gasträumen überaus herzlich, und zwar von Chefin Anna Malathounis persönlich.

Bei der Bewertung der Spitzengastronomie sind sich die Platzhirsche der Feinschmeckerführer, der Guide Michelin und der Gault Millau, übrigens selten einig. Was dem Michelin die Sterne sind, sind beim Gault Millau die Punkte auf den Kochmützen.

Der Pfauen in Schorndorf: „eigener Stil“ und „reichlich Details“

16 von 20 Punkten erreichte Nico Burkhardt übrigens im Vorjahr in seinem kleinen, aber feinen Gourmetrestaurant im Pfauen inmitten der Schorndorfer Altstadt. „Mit eigenem Stil und reichlich Details bereitet Inhaber und Küchenchef Nico Burkhardt ausgezeichnete Produkte modern und filigran zu – das gilt für den bretonischen Steinbutt ebenso wie für die Étouffée-Taube“, schreibt der Michelin in der neuen Ausgabe, die am 14. März in den Buchhandel kommt. Burkhardt und Stern gehören zusammen. Schon als Patron im Stuttgarter Olivio schätzten ihn die Testesser und gaben ihm erstmals 2020 auch einen Stern für seine „Wow-Effekte“ im eigenen Restaurant, dem Pfauen. „Besonders stechen dabei sein präzises Handwerk und der enorme Aufwand hervor. Serviert wird in einem geschmackvoll und warm eingerichteten Raum mit nur wenigen Tischen. Hier fühlt man sich wirklich wohl, denn die Atmosphäre ist angenehm intim und man wird zudem noch richtig aufmerksam und herzlich umsorgt, was nicht zuletzt der charmanten Gastgeberin Bianca Burkhardt zu verdanken ist.“ Burkhardt selbst beschreibt seine Kochkünste so: „Im Mittelpunkt stehen moderne Kreationen und Geschmackserlebnisse mit Wow-Effekt.“

Michael Oettinger huldigt hingegen einer „französisch inspirierten Küche mit regionalem Fokus“, als da wären im aktuellen Menü als Vorspeisen „Felsenlanguste von der Insel Tristan“ und „Gänseleber und Bodensee-Aal“ sowie im Hauptgang Steinbutt oder „Bresse-Huhn vom Miéral“. Der Michelin lobt: „Gekocht wird mit modernem Touch und absolut hochwertigen Zutaten. Zur Wahl stehen die Menüs ,TeamWork’ und ,AbInsBeet’ (Vegi-Variante).“

Auffällig ist: Vegetarier sind in den Gourmetküchen inzwischen höchst willkommen und werden mit eigenen Menüs umworben.

Kovacs aus Fellbach: nach wie vor zwei Sterne

Getoppt werden die vier Ein-Sterne-Restaurants vom „Goldberg“ in der Schwabenlandhalle in Fellbach. Es zählt zum illustren Kreis der Zwei-Sterne-Lokale. „Philipp Kovacs begeistert seine Gäste mit sehr durchdachten Kombinationen’“, heißt es im Michelin über die Küche: „,Im Hier und Jetzt’ lautet das Motto des gebürtigen Heilbronners: Das ,Hier’ steht für Regionalität sowie für die Wünsche der Gäste, das ,Jetzt’ für den saisonalen Bezug und die Moderne. Seine Menüs nennt er ,Abenteuer’ und ,Zukunft’ (vegetarisch).“ Aktuell gehören zum sechsgängigen, 190 Euro teuren Abenteuer „Balfego Tuna, Gänseleber, Seehecht, Rehrücken und Büffelcamembert“, und zur ebenfalls sechsgängigen Zukunft (140 Euro) werden Winterrettich, falsche Gänseleber, Kohlrabi und Sellerie kredenzt.

Der Gault Millau schätzte 2021 Kovacs’ Kochkünste übrigens nicht gar so hoch ein wie der Michelin und begnügte sich fürs Goldberg mit 16 Punkten. Die Gault-Millau-Ausgabe 2022 ist nach einem Verlagswechsel für Ende April angekündigt.

Zwar ohne Stern, aber auch sehr gut: Vier Restaurants im Kreis

Feinschmecker müssen aber nicht gleich zu den Sternen greifen, um auf den Geschmack zu kommen. Der Michelin vergibt nämlich auch „Bib Gourmand“-Auszeichnungen, die für „sorgfältig zubereitete und preiswerte Mahlzeiten“ stehen - und, ganz nebenbei bemerkt, den Geldbeutel nicht so sehr strapazieren. Zwischen Rems und Murr haben die Testesser vier solcher Restaurants ausgemacht. Doch diese sind selbstverständlich nicht alle Gasthöfe, in denen sich Stopps anbieten und für die sich auch Umwege lohnen. Diese Bib-Gourmand-Restaurants sind das Aldinger’s in Fellbach („Gekocht wird so richtig schmackhaft, à la carte oder als Menü. Es gibt Regionales und Internationales von der „Innereienwoche“ bis „Nasi Goreng“), die Brunnenstuben in Waiblingen-Beinstein („Gastfreundschaft auf solch stilvolle Art würde man hier angesichts der unscheinbaren Fassade auf den ersten Blick eher nicht vermuten.“), der Landgasthof Hirsch in Winterbach-Manolzweiler sowie der Landgasthof Waldhorn in Auenwald.

Corona und der Ukraine-Krieg scheinen den Feinschmeckern den Appetit nicht zu verderben. Wer sich in einem der Sterne-Restaurants im Remstal an einem Wochenende ein Menü der Spitzenklasse gönnen möchte, muss etwas Geduld aufbringen. Wer auf die Schnelle keinen Tisch bekommt, kann sich jetzt schon einmal den Mund wässrig lesen. Der Guide Michelin hat in dieser Woche seine Sterne für 2022 verliehen, ehrt fünf Spitzen-Gaststätten zwischen Rems und Murr - und hebt eine besonders hervor

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