Rems-Murr-Kreis

Hilfe aus dem Remstal fürs Ahrtal: Werner Kuhnle sucht Spender für „Schtiggl“

Hilfe Ahrtal
Hilfe aus dem Remstal fürs Ahrtal: Die Kuhnles und ihre Mitarbeiter zeigen schon mal, was es dafür braucht: (Von links nach rechts) Daniel Kuhnle hat eine Hacke, Shani Berisha und Werner Kuhnle halten die zwei „Katza“, Hazer und Besijan Berisha halten Pfosten aller Arten, auch „Schtiggl“ genannt, Sami Mehmeti hat noch einen Spaten und einen großen Hammer. © Benjamin Büttner

Auf vornehm Hochdeutsch heißt’s „Stickel“, aber Werner Kuhnle sagt „Schtiggl – mr könnt au Pfoschda saga, aber Pfoschda send kurz ond Schtiggl zwoi Meter fuffzich lang“. Ein „Schtiggl“ aus Holz kostet 11,90 Euro und Werner Kuhnle hofft, dass ganz schnell ganz viele Remstäler einen solchen Schtiggl spenden. Werner Kuhnle fährt am Donnerstag, 10. Februar, ins Ahrtal.

Die „Schtiggl“ für den Freund im Ahrtal liegen schon in Stetten bereit

Im Auto sind schon „zwoi Katza“, was Geräte sind, um die „Schtiggl“ in die Erde zu rammen, außerdem Draht, der zwischen die Schtiggl gespannt wird, dazu braucht's noch „Krampa“, die den Draht am Schtiggl halten, und Erdanker, damit am Ende alles gut hält und schön straff ist. Ein paar Schtiggl sind auch schon da. Aber an denen mangelt’s noch. Vielmehr: Sie liegen reserviert in Stetten im Raiffeisen-Lagerhaus. Und Michael Deiß, der dort arbeitet, weiß: Alle, die ab sofort kommen und einen Schtiggl für Werner Kuhnle bezahlen wollen, werden auf eine Liste fürs Dankeschön geschrieben.

Werner Kuhnle braucht die Schtiggl freilich nicht für sich selbst. Sondern für völlig zerstörte Weinberge im Ahrtal. Sie gehören Freunden: Elmar und Luzia Sermann aus Altenahr. Die Kuhnles kennen die Sermanns erst seit ungefähr zehn Jahren, weil „dr Schwob ja ned weit verreist“, und bei Werner Kuhnle sei, so sagt er, die Reisegrenze vorher ungefähr an der Mosel erreicht gewesen. Aber dann lernte er den Kollegen „über Fachliches“ kennen. Man hatte sich gemeinsam Maschinen für den Weinbau angeguckt. Und Kuhnle mochte den Mann und war außerdem begeistert vom Ahrtal, denn das ganze Tal sei ein einziges „Volksfest“. Die schmale Straße durchs enge Tal, und jeder Winzer und jede Genossenschaft machten am Sonntag die Türen auf und die Leute kämen – was für eine Sause.

Am Abend des 14. Juli hatten die Kuhnles eine Flasche Wein von den Freunden getrunken - dann kamen die Spätnachrichten

Bis, ja, bis das Wasser kam. An diesem Abend, Werner Kuhnle friert’s noch immer, hatte er mit seiner Frau eine Flasche Spätburgunder getrunken. Es war tatsächlich eine Flasche von den Sermanns. Und dann kamen die Spätnachrichten.

Die Weinberge bei Altenahr sind ganz besonders steil. Dort gab’s sogar einen Sessellift nach oben. Als Touristenattraktion. Oben auf den Bergen ist die Eifelhochfläche. Und von der fließen unzählige Bächle hinunter in die Ahr. Das ist eigentlich schön. Hier wird’s nicht so schnell trocken. Aber die Ahr ist normalerweise selbst nicht viel mehr als ein Bächle. „60 Zentimeter“, sagt Kuhnle. Am 14. Juli um 20.45 Uhr stand der Pegel in Altenahr bei 5,75 Metern. Dieser Stand ist der letzte genaue Messwert aus dem Ort. Danach fiel wohl der Strom aus. Die Messstation lieferte keine Daten mehr.

Den Sermanns spülte es die tiefer gelegenen Weinberge einfach davon. Werner Kuhnle zerreißt’s immer noch das Herz. Und es zerreißt ihn noch viel mehr, weil er damals, im Sommer des letzten Jahres, nicht quasi sofort ins Auto gesprungen und zu den Freunden gefahren ist. Hier im Remstal war ja auch die Hölle los. Das „Amazonas-Dschungel-Wetter“ machte den Wengertern das Leben so schwer, wie sie’s schon lang nicht mehr gehabt hatten. Die Kuhnles und ihre Mitarbeiter waren am Anschlag. „Es isch ned ganga!“

Werner Kuhnle und sein Team werden jetzt die Weinberge wieder richten

Im Herbst hat Werner Kuhnle dann mit Elmar Sermann telefoniert. Der Stand: Die Müllkippe, zu denen die Weinberge geworden waren, weil das Wasser alles mitgerissen und irgendwo wieder hingeschmissen hatte, wurde so langsam aufgeräumt. Die Pfosten waren fort. Aber es musste sowieso alles raus, denn mit dem Wasser kamen auch Öl und Benzin. Alles kaputt.

„Die Weinberge richten“, sagt Werner Kuhnle, „das kann nicht jeder.“ Da müssen Profis ran. Und jetzt, im Februar, haben auch Weinbau-Profis etwas Luft. Werner Kuhnle und seine Helfer werden zwei oder drei Tage arbeiten und die Schtiggl Reihe für Reihe in die Erde rammen. Sie machen das mit der Hand am Arm. Maschinen schaffen die steilen Hänge nicht. Und der Arm braucht Muckis. Denn der Boden im Ahrtal ist Schieferboden. Der gibt nicht so schön nach wie der hiesige Keuper-Lehm. Drum müssen die Schtiggl auch richtig spitz sein. Werner Kuhnle hofft auf 100 Stück.

Auf vornehm Hochdeutsch heißt’s „Stickel“, aber Werner Kuhnle sagt „Schtiggl – mr könnt au Pfoschda saga, aber Pfoschda send kurz ond Schtiggl zwoi Meter fuffzich lang“. Ein „Schtiggl“ aus Holz kostet 11,90 Euro und Werner Kuhnle hofft, dass ganz schnell ganz viele Remstäler einen solchen Schtiggl spenden. Werner Kuhnle fährt am Donnerstag, 10. Februar, ins Ahrtal.

Die „Schtiggl“ für den Freund im Ahrtal liegen schon in Stetten bereit

Im Auto sind schon „zwoi Katza“, was

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