Rems-Murr-Kreis

Hitze-Regeln im Homeoffice: Muss der Arbeitgeber kostenlose Getränke oder Klimaanlage stellen?

Sommerhitze Office
Anstrengend: Arbeiten bei Hitze. Doch welche Regeln gelten fürs Homeoffice? Ein Rechtsanwalt gibt die Antworten. © Gaby Schneider

Sommer, Sonne, 30 Grad. Wonach sich viele sehnen, ist etwa für Bewohner einer Dachgeschosswohnung reiner Alptraum. Um der Sauna zu entkommen, bleibt oft nur die Flucht ins kühle Büro. Corona aber sorgt dafür, dass viele Menschen im heißen Homeoffice feststecken. Welche Hitze-Regeln gelten eigentlich für das Arbeiten von Zuhause aus?

Grundsätzlich gilt: Im Büro sollte es nicht wärmer als 26 Grad sein

Erinnert man sich zurück an seine Schulzeit, gab es im Hochsommer ein besonderes Highlight: Hitzefrei. Wurde es zu heiß im Klassenzimmer, ging es ab nach Hause. Wer als Arbeitnehmer in diesen Tagen die Hoffnung hat, wegen zu heißem Wetter nach Haus geschickt zu werden, sollte einen Blick in die Arbeitsstättenrichtlinien werfen. Zu juristisch? Wir übernehmen die Aufklärung.

Grundsätzlich regelt der Arbeitsschutz, dass die Lufttemperatur in Arbeitsräumen 26 Grad Celsius nicht überschreiten sollte (die Betonung liegt hierbei auf „sollte“). Tritt der Fall doch ein, dass die Raumtemperatur etwa durch direkte Sonneneinstrahlung 26 Grad überschreitet, müssen die Arbeitsräume mit Sonnenschutzsystemen ausgestattet werden. Dazu zählen etwa Jalousien, Rollläden oder Sonnenschutzverglasungen.

Bei 35 Grad hört der Spaß auf

Liegt die Außentemperatur im Freien über 26 Grad, kann der Arbeitgeber laut der Richtlinie zusätzliche Maßnahmen treffen, damit es sich für seine Arbeitnehmer erträglicher arbeiten lässt (die Betonung liegt auch hier auf "kann"). Laut Arbeitsschutz wird empfohlen, etwa in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden zu lüften, elektrische Geräte in der Nacht auszuschalten sowie Gleitzeit oder das Verlegen der Arbeit in die Abendstunden zu ermöglichen. Auch die Installation einer Klimaanlage könnte Abhilfe schaffen. 

Die nächste kritische Hitze-Stufe wird bei 30 Grad erklommen. Hat es diese Temperatur im Büro, muss der Arbeitgeber die eben beschriebenen Maßnahmen zwingend umsetzen. Zudem muss er für seine Mitarbeiter kostenlose Getränke zur Verfügung stellen. Hitzefrei gibt es erst ab einer Raumtemperatur von 35 Grad, dann gilt das Büro laut der Arbeitsstättenrichtlinie als „nicht mehr arbeitstauglich“. Aber: Sollte der Arbeitgeber es schaffen, das Büro auf 34,9 Grad zu kühlen, müsste man wieder zur Arbeit antreten.

Was gilt eigentlich für das Homeoffice? Ein Jurist klärt auf

Spannend wird es bei der Frage, ob diese Hitze-Regeln auch für das Homeoffice gelten. Denn: Arbeitnehmer, die sich jahrelang in einem klimatisierten Büro vor der Sommerhitze schützen konnten, sitzen wegen Corona nun in ihrem aufgeheizten Zuhause. Dr. Ulrich Brachmann von der Waiblinger Kanzlei Künzel & Partner hat dafür eine klare Antwort parat: „Grundsätzlich gelten diese Bestimmungen auch für Arbeitsplätze im Homeoffice.“

Wer jetzt ans Feiern denkt und sich darüber freut, dass der Arbeitgeber sein Zuhause in der Nacht lüften muss oder kostenlose Getränke ins Homeoffice schickt, wird leider enttäuscht. Das Problem an der Sache: „Bei vielen dieser Regelungen ist es noch nicht klar, welche für das Homeoffice nun konkret gelten oder nicht“, so Brachmann. Die Corona-Bundesnotbremse und die damit verbundene Homeoffice-Pflicht wurde so schnell eingeführt, dass es keine Zeit gegeben habe, diese Fragen konkret zu klären.

Gibt es schon Regelungen durch den Betriebsrat?

Theoretisch, so viel ist schonmal klar, würden diese Regeln auch eins zu eins im Homeoffice gelten. Bisher gebe es dazu aber keine Rechtsprechung, etwa in Form einer höchstrichterlichen Entscheidung. „Solange das so ist, müssen diese Regelungen immer im Einzelfall abgewägt werden. Im Zweifel müsste man diese Fragen gerichtlich klären lassen“, so der Waiblinger Jurist. Das bedeutet: Wenn es im Homeoffice über die 30 Grad geht, wäre der Arbeitgeber zunächst nicht verpflichtet, etwa Getränke bereitzustellen. Das müsste zuerst gerichtlich geklärt werden, beispielsweise durch eine Klage vor dem Arbeitsgericht.

Der einzige Lichtschimmer am Horizont: War es Mitarbeitern schon vor der Pandemie gestattet, aus dem Homeoffice zu arbeiten, gebe es dazu Betriebsvereinbarungen oder arbeitsvertragliche Regelungen, erklärt Dr. Ulrich Brachmann. „Diese gelten unabhängig von der Bundesnotbremse.“ Dort könnte etwa geregelt sein, welche Maßnahmen der Arbeitgeber bei einem zu heißen Homeoffice treffen müsste. Wer sich also angesprochen fühlt und in einem heißen Homeoffice vor sich hin gart, dem sei geraten: Ein Blick in die Betriebsvereinbarungen könnte weiterhelfen – oder eine Klage vor einem Arbeitsgericht. Letzteres kostet am Ende aber viel Zeit und Geld - und bei dem Tempo der deutschen Gerichte wäre dann eh längst wieder Winter.

Sommer, Sonne, 30 Grad. Wonach sich viele sehnen, ist etwa für Bewohner einer Dachgeschosswohnung reiner Alptraum. Um der Sauna zu entkommen, bleibt oft nur die Flucht ins kühle Büro. Corona aber sorgt dafür, dass viele Menschen im heißen Homeoffice feststecken. Welche Hitze-Regeln gelten eigentlich für das Arbeiten von Zuhause aus?

Grundsätzlich gilt: Im Büro sollte es nicht wärmer als 26 Grad sein

Erinnert man sich zurück an seine Schulzeit, gab es im Hochsommer ein

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