Rems-Murr-Kreis

Hygienepranger für den Rems-Murr-Kreis listet Ekelerregendes auf: Schimmel und Mäusekot am Essen

Gammelfleisch
Igitt. © Gabriel Habermann

Die Lektüre dieser Liste erzeugt Würgereiz. „Schadnagerbefall“ in einem Waiblinger Lebensmittelladen und alles voll mit Ratten- oder Mäusekot: Starke Nerven braucht, wer sich die aktuellen Ergebnisse von Kontrollen der Lebensmittelüberwachung anschaut. Die Liste ist für jeden Bürger frei zugänglich im Internet abrufbar.

Das krasseste Beispiel liefert jener kleine Supermarkt in Waiblingen: „Durch die über den ganzen Betrieb verteilten Schadnagerexkremente bestand eine konkrete Kontaminationsgefahr der Lebensmittel“, heißt es in der Auswertung. Zudem entdeckten die Kontrolleure alten Schmutz an mehreren Maschinen in der Metzgereiabteilung. An der Aufschnittmaschine und am Fleischwolf fanden sich „anhaftende Lebensmittelreste“. An der Kühltheke stießen die Prüfer auf Würste, die „bereits mit einem weißlichen Schimmelflaum überzogen waren.“ Erhebliche Hygienemängel hatten die Kontrolleure bei zwei weiteren Filialen dieses Supermarktes zu beanstanden. Betroffen sind eine weitere Filiale in Waiblingen und eine in Winterbach.

Nur erhebliche Verstöße sind im Pranger vermerkt

Nur erhebliche oder wiederholte Verstöße, die ein Bußgeld von mindestens 350 Euro erwarten lassen, veröffentlicht die Behörde. Das Landratsamt muss in diesen Fällen den verantwortlichen Betrieb namentlich nennen, so verlangt es das Gesetz. Der Hygienepranger, der offiziell mit der Überschrift „Ergebnisse von Kontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung“ versehen ist, findet sich seit Ende Oktober 2018 gut versteckt auf den Internetseiten des Rems-Murr-Kreises. Zuvor hatten Lobbyisten aus der Gastro-Branche Rechtsstreits verloren. Letztlich entschied das Bundesverfassungsgericht, die beanstandeten Betriebe müssen sich diese Veröffentlichungen gefallen lassen. Nach sechs Monaten muss das Amt die Einträge löschen.

Schwarzwälder Schinken als Parmaschinken ausgegeben

Die aktuelle Liste stammt vom 22. Oktober. Sie enthält sieben Einträge, wovon drei aufs Konto des eingangs erwähnten Supermarktes gehen. Zwei Schorndorfer Discounter-Filialen tauchen in der Liste auf, weil sie Lebensmittel mit abgelaufenem Verbrauchsdatum in den Verkaufsregalen gelagert beziehungsweise verschimmeltes Obst verkauft hatten. Bei einem Döner-Imbiss in Waiblingen hatten die Prüfer bei einer Kontrolle Ende August „zum wiederholten Mal“ mehrere verdorbene Lebensmittel gefunden, etwa Mais, Pilze, Ananas und Thunfisch, „die bereits stark überlagert waren und zum Teil mit einer weißlichen, milchigen und schmierigen Schaumkrone überzogen waren und schlecht rochen.“ Bei einem Pizza-Service in Waiblingen stießen die Kontrolleure unter anderem auf schwärzlich verfärbte Karotten und auf Schwarzwälder Schinken, den der Gastronom als teuren Parmaschinken angepriesen hatte. An einer Küchenmaschine, in der Salatschleuder, am Dosenöffner und an anderen Gerätschaften klebten dunkle Ablagerungen „mit gelblich-rötlichen, glibberigen Schmutzfilmen und toten Fliegen“.

Im ersten Halbjahr 2020 viel weniger Kontrollbesuche

Sofern Gaststätten nicht geschlossen bleiben müssen wie im Moment, müssen die Kontrolleure zusätzlich zu den üblichen Checks prüfen, ob die Betriebe die coronabedingten Vorgaben einhalten. Laut Maiju Wilhelm von der Pressestelle des Landratsamtes hat sich Corona bisher nicht auf die Ergebnisse der Kontrollen ausgewirkt, das heißt, es wurden beispielsweise nicht mehr überlagerte Lebensmittel vorgefunden als zu anderen Zeiten. Allerdings lag die Zahl der Kontrollbesuche im ersten Halbjahr 2020 deutlich unter jener im gleichen Vorjahreszeitraum. 1292 Kontrollbesuche verzeichnete das Landratsamt von Januar bis einschließlich Juni 2020. In 222 Betrieben, was einem Anteil von 17 Prozent entspricht, wurden „Verstöße ermittelt und geahndet“, so Maiju Wilhelm. Im ersten Halbjahr 2019 fanden mit 2294 fast doppelt so viele Betriebskontrollen statt. Seinerzeit entdeckten die Prüfer in rund einem Fünftel der Betriebe Verstöße. Im Hygienepranger landen aber nur die krassen Fälle.

Aktuell keine Eintragungen für Ludwigsburg und den Ostalbkreis

Ein schwacher Trost: Woanders läuft’s auch nicht besser. Die Stadt Stuttgart berichtet von toten Käfern in einer Bäckerei sowie Spinnen und Motten im Süßkartoffelmehl. „Hohe Keimbelastung“ fand sich an Teig und Rindfleisch in einer Gaststätte. In Ludwigsburg und im Ostalbkreis sind im Hygienepranger aktuell keine Betriebe verzeichnet, während in Esslingen einige ähnlich unappetitliche Beschreibungen zu finden sind wie im Rems-Murr-Kreis.

Die Lektüre dieser Liste erzeugt Würgereiz. „Schadnagerbefall“ in einem Waiblinger Lebensmittelladen und alles voll mit Ratten- oder Mäusekot: Starke Nerven braucht, wer sich die aktuellen Ergebnisse von Kontrollen der Lebensmittelüberwachung anschaut. Die Liste ist für jeden Bürger frei zugänglich im Internet abrufbar.

Das krasseste Beispiel liefert jener kleine Supermarkt in Waiblingen: „Durch die über den ganzen Betrieb verteilten Schadnagerexkremente bestand eine konkrete

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